BVB-Fan darf Lippenstift nicht ins Stadion mitnehmen

Angebliches Wurfgeschoss

Wie gefährlich ist ein Lippenstift? Eine Ordnerin hat BVB-Fan Katja Hahn beim Einlass in den Signal Iduna Park ihren 25 Euro teuren Lieblings-Lippenstift abgenommen. Die Begründung: Hahn könnte ihn als Wurfgeschoss missbrauchen. Wir verraten, welche Gegenstände sonst noch im Stadion verboten sind.

DORTMUND

, 02.04.2016, 03:19 Uhr / Lesedauer: 3 min
Einen Lippenstift wie diesen durfte Katja Hahn beim letzten BVB-Heimspiel nicht mit ins Stadion nehmen, weil dieser als Wurfgeschoss verwendet werden könnte.

Einen Lippenstift wie diesen durfte Katja Hahn beim letzten BVB-Heimspiel nicht mit ins Stadion nehmen, weil dieser als Wurfgeschoss verwendet werden könnte.

Er ist sieben Zentimeter groß, etwa 20 Gramm schwer und 25 Euro teuer. Ein Lippenstift, dunkelrot, von einer französischen Kosmetikmarke. Ein Produkt, das die Lippen pflegen und hübsch aussehen lassen soll. Ein Gegenstand, der auch ein potenzielles Wurfgeschoss im Fußballstadion ist. Das sehen zumindest die Ordner am Signal Iduna Park so. Die Dortmunderin Katja Hahn durfte ihren Lieblings-Lippenstift deshalb beim letzten Heimspiel nicht mit ins Stadion nehmen und musste ihn in den Müll schmeißen.

Katja Hahn ist immer noch richtig sauer. Dabei sollte es doch ein schöner Nachmittag mit dem BVB werden. Zum Spiel gegen Mainz 05 – das dann später von dem bedauerlichen Todesfall im Stadion überschattet worden ist – hatte sie Karten geschenkt bekommen. Mit ihrem Mann und der kleinen Tochter hatte sie Plätze auf der Nordtribüne. Mann und Tochter wurden, sagt sie, kaum kontrolliert. Bei ihr sah man dagegen genauer hin, weil sie eine kleine Tasche dabei hatte – mit Bargeld, Handy, Taschentüchern und ihrem Lippenstift.

Als die Ordnerin diesen entdeckt habe, berichtet Katja Hahn, entschied diese sofort: „Der muss weg.“ Warum, habe sie gefragt. „Weil wir den konfiszieren müssen“, antwortete die Ordnerin ihr. Eine weitere Ordnerin mischte sich ein. Das sei ein potenzielles Wurfgeschoss. Damit könne man jemanden verletzen.

Eine Begründung, die die 46-Jährige absolut nicht nachvollziehen kann. Sie sei zwar nur selten im Stadion, das sei ihr aber bis jetzt noch nie passiert. Abgesehen davon, dass sie diesen teuren, fast neuen Lippenstift sicher nicht werfen würde und ganz bestimmt nicht mutwillig andere Personen verletzen würde, sei das mit einem sieben Zentimeter großen und 20 Gramm schweren Lippenstift wohl auch kaum möglich. Zumal das Mitführen eines ähnlich großen Feuerzeugs Stadionbesuchern gestattet sei.

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Top 1 der verbotenen Gegenstände in der Stadionordnung des BVB: Fremdenfeindliche, rassistische, radikale Inhalte jeglicher Gesinnung - selbst wenn sie nicht strafrechtlich relevant sind. Das gilt für Gegenstände und auch für Kleidung. Schriftzüge wie "Thor Steinar" gehen zum Beispiel gar nicht.© Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
© Foto: Ingo Wagner/dpa
"Gegenstände, die als Waffen oder Wurfgeschosse Verwendung finden können", schreibt Borussia Dortmund in der Stadionordnung. Auf Anfrage wurde uns mitgeteilt, das keine genaue Aussage getroffen werden könne, was denn eigentlich alles als "Wurfgeschoss" gilt. Einer Leserin wurde letztens sogar der Lippenstift entzogen.© Foto: Lukas Schulze/dpa
Substanzen, die brennen, ätzen oder färben können, die Gesundheit gefährden und mit Druck aus Dosen kommen, dürfen auch nicht mit ins Stadion genommen werden.© Foto: Tobias Felber/dpa
Flaschen, Gläser und alle möglichen Getränke in Glasbehältern (auch in PET-Flaschen) - verboten!© Foto: Armin Weigel/dpa
In der Stadionordnung Erwähnung finden auch Leitern...© Foto: Ralf Hirschberger/dpa
...Hocker...© Foto: Daniel Karmann/dpa
...Stühle(Tische zwar nicht, aber es ist davon auszugehen, dass auch Tische unzulässig sind) ... © Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
...Kinderwagen...© Foto: Felix Kästle/dpa
... und Rollatoren. Rollstühle hingegen dürfen in bestimmten Blöcken mitgeführt werden.© Foto: Angelika Warmuth/dpa
Fackeln sind nicht erlaubt. Auch nicht im Winter als mobile Heizung.© Foto: Robert Schlesinger/dpa
Feuerwerk, Rauchbomben, Rauchfackeln und alles andere an Pyrotechnik dürfen nicht mitgeführt werden. © Foto: Armin Weigel/dpa
Nicht nur Getränke in Glasflaschen - auch Getränke in Dosen (und Dosen überhaupt) - sind verboten.© Foto: Jens Büttner/dpa
Esel, Hund, Katze, Hahn - sie alle dürfen nicht ins Stadion.© Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Laser-Pointer werden häufig dazu verwendet, Spieler oder Torhüter zu blenden. Das ist natürlich auch verboten!© Foto: Patrick Lux/dpa
Reisekoffer dürfen nicht mit auf die Ränge. Übrigens auch keine Rucksäcke - laut Stadionordnung.© Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Verboten sind auch Foto- und Videokameras, mit denen professionelle Aufnahmen "zum Zwecke der kommerziellen Nutzung" gemacht werden können.© Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Zu guter Letzt: Drogen sind auch verboten.© Foto: Matthias Hiekel/dpa
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Der dunkelrote Lippenstift jedenfalls landete in der Tonne. Da nützte auch das Diskutieren nicht. "Und ich konnte ja auch nicht ewig mit den Ordnern sprechen, schließlich waren hinter mir noch viele weitere Fans", sagt Katja Hahn.

Sauer war sie trotzdem. Deshalb kontaktierte sie nach dem Spiel den BVB. Und erhielt wenig später auch eine Antwort. Eine BVB-Mitarbeiterin entschuldigte sich in der Mail, die unserer Redaktion vorliegt, zwar, dass sie den Stadionbesuch nicht rundum habe genießen können. Sie schrieb aber auch, dass das Verhalten des Ordnungsdienstes den Regeln entsprechend war – mit Verweis auf die Stadionordnung des BVB.

Ordner entscheidet nach eigenem Ermessen

Dort steht: „Den Besuchern des Stadion ist das Mitführen folgender Gegenstände untersagt: Sachen, die als Waffen oder Wurfgeschosse Verwendung finden können.“ Als Wurfgeschosse, heißt es in der Mail, kämen alle Gegenstände in Frage, die keinen erhöhten Wert für den Besucher darstellen. Die Geldbörse, Schlüssel oder Handy seien etwa Gegenstände von erhöhtem Wert, ein Lippenstift nach dieser Einschätzung nicht. Der Ordner, so heißt es in der Mail weiter, entscheide letztendlich in eigenem Ermessen. Eine Erstattung jedenfalls sei nicht möglich.

Weggeworfen würden die konfiszierten Gegenstände deshalb, weil es organisatorisch nicht möglich sei, diese nach dem Spiel wieder auszuhändigen. In der Mail bekam Katja Hahn den Hinweis, ihre Tasche doch im Auto zu lassen oder an der Hinterlegungsstelle vor der Nordtribüne zu hinterlegen. Von der hatte die Dortmunderin aber nichts gewusst, die Ordner hätten sie auch nicht daraufhin gewiesen.

Ein Lippenstift als Wurfgeschoss sei absurd

Der BVB konnte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht noch einmal zu dem Thema äußern. Es sei aufgrund der vielen anstehenden Spiele zurzeit nicht möglich, die komplexe Thematik gründlich aufzuarbeiten.

Katja Hahn sagt, dass sie den Lippenstift zu Hause gelassen hätte, wenn sie gewusst hätte, dass sie ihn nicht mit ins Stadion nehmen darf. Nur sei ihr einfach gar nicht die Idee gekommen. „Ich weiß, dass die Kontrollen wichtig sind zur Sicherheit aller Besucher“, sagt sie. Es gehe ihr auch gar nicht so sehr um das Materielle in diesem Fall. Aber dass ein Lippenstift zum Wurfgeschosse werden kann, sei absurd. 

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