BVB-Saisonstart in Dortmund: Die große Fan-Leere in der Stadt

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Wie ist die Atmosphäre in Dortmund, wenn nur 10.000 statt 80.000 Fans samstags zu Borussia pilgern? Ziemlich komisch, findet unser Reporter. Ein Spaziergang durch eine Stadt.

Dortmund

, 19.09.2020, 20:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fußgängerbrücke über die B1 kurz vor den Westfalenhallen muss eine knappe Stunde vor Anpfiff eines BVB-Heimspiels normalerweise einiges aushalten: Tausende Menschen strömen dann über sie, schließlich ist es einer der Hauptwege der Fans zum Signal Iduna Park. Es ist eng, ein einziger schwarzgelber Lindwurm.

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An diesem späten Samstagnachmittag ist die Lage auf der Brücke hingegen mehr als luftig: Vereinzelt flanieren Menschen in Trikots über sie, Fahrradfahrer und Jogger haben keine Probleme, sie zu passieren. Auch von der Pop-Up-Fressmeile entlang der Lindemannstraße für die letzte Wurst vor dem Stadion fehlt dieses Mal jede Spur.

Es ist das erste Saisonspiel des BVB, aber auch abseits dessen ein ganz besonderes: Es ist das erste Spiel mit Fans seit der Partie gegen Freiburg am 29. Februar. Das erste Mal seit Beginn der Corona-Krise dürfen wieder Zuschauer ins Stadion.

So viele Zuschauer wie sonst bei Greuther Fürth

Doch es sind eben nur 10.000. Dass dieses Mal statt der üblichen 80.000 Fußballfans nur so viele Menschen nach Dortmund kommen wie sonst durchschnittlich zum Zweitligisten Greuther Fürth, merkt man in Dortmunds Innenstadt an diesem Samstagnachmittag an allen Ecken und Enden.

Drei Stunden vor dem Anpfiff blitzen nur vereinzelt gelbe Trikots in der Menschenmenge der Dortmunder City auf. Auf dem Alten Markt sitzen lediglich einige BVB-Fans an den zahlreichen Tischen. Sonst ein beliebter Treffpunkt für Auswärtsfans, ist hier kein einziger Mönchengladbach-Anhänger zu sehen.

BVB-Fan Thomas (l.) trinkt sich am Alten Markt mit seinen Kumpels warm für das Spiel.

BVB-Fan Thomas (l.) trinkt sich am Alten Markt mit seinen Kumpels warm für das Spiel. © Thomas Thiel

Die höchste BVB-Fandichte gibt es noch im Wenkers am Markt. Hier, neben dem BVB-Fanshop, steht Thomas mit seiner Stadion-Truppe. Sie gehören zu denen, die eine Karte fürs Spiel bekommen haben.

Thomas, 59, Dauerkarten-Inhaber seit einem Vierteljahrhundert, findet die Beschränkungen zwar notwendig, aber trotzdem seien 10.000 Fans im Stadion schon eine „armselige Geschichte“. „Da kommt doch keine Stimmung auf“, meint der Castroper.

Problemlos ein Sitzplatz im Zug nach Dortmund

Auch am Hauptbahnhof ist wenig zu spüren von Spieltagsstimmung. Maike und Sascha stehen auf dem Vorplatz und trinken ein Bier. Die 31-Jährige und der 37-Jährige sind eine Stunde mit dem Zug aus Coesfeld angereist. „Sonst kann man da kaum stehen, jetzt haben wir ganz entspannt einen Sitzplatz bekommen“, sagt Maike.

Die Party im Zug vor dem Spiel habe ihr gefehlt. Auch im Hauptbahnhof sei es ungewohnt gewesen. „Normalerweise ist hier alles schwarzgelb, wenn wir ankommen.“ Jetzt freut sie sich über jedes Trikot, das man sieht.

Wenig schwarzgelb leuchtete vor dem Hauptbahnhof in Dortmund.

Wenig schwarzgelb leuchtete vor dem Hauptbahnhof in Dortmund. © Thomas Thiel

Wie an einem normalen Samstag ohne Spiel sei der Passagier-Andrang, heißt es aus der Leitstelle des Nahverkehrbetreibers DSW21. Zwar fahren die Stadtbahnen ab Hauptbahnhof in Richtung Westfalenhallen öfter als sonst, doch sind sie längst nicht voll.

Ein Gedränge, wie es es normalerweise an Spieltagen gibt, ist weit und breit nicht zu sehen. Es fehlen eben 70.000 Fans, die ins Stadion wollen, zumal die Besucher im Vorfeld gebeten wurden, mit dem Auto anzureisen.

Die Parkplätze rund um Stadion und Westfalenhallen reichen locker für die Anhänger, die der Bitte nachkommen. Im benachbarten Kreuzviertel, in dem sonst vor einem Spiel das Verkehrs-Chaos noch größer ist als sonst, kann man problemlos parken. Auch die Kneipen und Kioske des Viertels, sonst beliebte Treffpunkte für das letzte Bier vor dem Stadion, müssen ohne die üblichen Menschentrauben vor ihnen auskommen.

Ein surrealer Moment: Zwei Radfahrer passieren eine knappe Stunde vor Anpfiff ohne Probleme die wartenden Fans vor dem Stadion.

Ein surrealer Moment: Zwei Radfahrer passieren eine knappe Stunde vor Anpfiff ohne Probleme die wartenden Fans vor dem Stadion. © Thomas Thiel

Auch am Stadion geht es gesittet zu. Knapp 50 Minuten vor Anpfiff radeln zwei Senioren über die Strobelallee am Stadion vorbei. Normalerweise kurz vor einem BVB-Spiel angesichts der wartenden Fan-Massen ein Ding der Unmöglichkeit - heute kein Problem.

Die Polizei hat ebenfalls keinerlei Probleme mit der überschaubaren Fan-Menge. Bis zum Anpfiff gibt es keine Vorkommnisse, sagt die Leitstelle.

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