Camping-Urlauber strömen zur Hohensyburg: „Corona wird Branche beeinflussen“

mlzTourismus in Dortmund

Das erste Mal in der Geschichte des Platzes durften während Corona keine Touristen auf dem Campingplatz Hohensyburg übernachten. Nach der Lockerung ist das Interesse an naturnahem Urlaub groß.

Hörde

, 10.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Platz ist umgeben von Hügeln, auf denen die Bäume momentan im satten Grün stehen. Von vielen Stellen lässt sich ein Blick auf den nahen See erhaschen, auf dem seit ein paar Tagen wieder Bötchen unterwegs sind. Vor einem Zelt sitzt eine Frau, liest bei einer Tasse Kaffee ein Buch und genießt die Natur. Was nach einer bayerischen Ferienregion klingt, befindet sich tatsächlich im Dortmunder Süden: Auf dem Campingplatz Hohensyburg kehrt nach all den Corona-Einschränkungen nun wieder touristisches Leben ein.

Den wirtschaftlichen Supergau verhinderten die Dauercamper

Es hätten wunderbare Wochen für die Freunde des Camping-Urlaubs sein können, denn das Frühjahr präsentierte sich in Sachen Wetter von seiner besten Seite. Doch im März dann der Schock: Aufgrund der Corona-Krise mussten deutschlandweit alle Plätze schließen, zumindest für Touristen war der Traum von ein paar entspannten Tagen im Wohnmobil oder -wagen zunächst einmal ausgeträumt.

Juniorchef Wim Weitkamp vertritt an der Anmeldung des Platzes seine Eltern, die sich nach all dem Corona-Stress einen Kurzurlaub gönnen.

Juniorchef Wim Weitkamp vertritt an der Anmeldung des Platzes seine Eltern, die sich nach all dem Corona-Stress einen Kurzurlaub gönnen. © Michael Schuh

„Die Einnahmen aus diesem Bereich sind bis zur Wiedereröffnung am 18. Mai komplett weggefallen“, sagt Wim Weitkamp, 19-jähriger Juniorchef des idyllisch gelegenen Platzes oberhalb des Hengsteysees, den schon sein Großvater in den 1950er-Jahren eröffnete. Den wirtschaftlichen Supergau verhinderten aber zumindest die Dauercamper, von denen es 250 an der Hohensyburg gibt und die ihre zweite Heimat weiterhin nutzen durften.

Keine Touristen – das erste Mal in der Geschichte des Platzes

„Die älteren Dauercamper waren aber eher vorsichtig und sind weniger gekommen“, erzählt Weitkamp, „die jüngeren hingegen haben den Platz weiterhin genutzt – sie wollten wohl einfach mal raus.“ Dabei galt es allerdings, verschiedene Regeln zu beachten: Abstand musste eingehalten, in öffentlichen Bereichen wie dem platzeigenen Kiosk eine Maske getragen werden. Und zwischenzeitlich schlossen sogar mal die Sanitärräume ihre Pforten – die Dauercamper nutzten Dusche und Toilette in ihrem Heim auf Rädern.

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„Es war das erste Mal in der Geschichte unseres Platzes, dass keine Touristen kommen konnten“, sagt Weitkamp, „aber damit ist es nun glücklicherweise vorbei.“ Zwar werden vorerst nur 30 bis 40 Prozent der eigentlich 80 Touristenplätze belegt, aber die derzeitige Anfrage zeugt von einem gewaltigen Interesse. Man höre und staune: Nicht nur aus den Niederlanden, sondern sogar aus Frankreich, Spanien oder Norwegen reisen Menschen an, um ein paar Tage lang in Dortmund auszuspannen.

Gabriele und Michael Hampf in einem der Campingfässer, die man auf dem Platz anmieten kann und in dem der Sohn des Ehepaares mit den beiden Enkelkindern übernachten wird.

Gabriele und Michael Hampf in einem der Campingfässer, die man auf dem Platz anmieten kann und in dem der Sohn des Ehepaares mit den beiden Enkelkindern übernachten wird. © Michael Schuh

Zu ihnen zählen auch Gabriele und Michael Hampf aus Neustadt an der Ostsee. Das Globetrotter-Ehepaar, das unlängst in Thailand überwinterte, trifft sich in Dortmund mit dem in Lüdenscheid wohnenden Sohn und den zwei Enkeln, um ein paar gemeinsame Tage im Schatten der Hohensyburg zu verbringen. Von den derzeit proppevollen Ostseestränden nach Dortmund; der Erholung wegen. Keine schlechte Idee.

Zeltwiese auf dem Campingplatz Hohensyburg „ist einfach einmalig“

Für Petra Schikofsky aus dem saarländischen Völklingen ist der Trip nach Dortmund indes eine Reise in die Vergangenheit ihres Mannes. Der war Bergmann und arbeitete nach der Schließung der Zechen im Saarland drei Jahre lang auf Prosper-Haniel in Bottrop. Das Bochumer Bergbau-Museum und verschiedene Relikte aus den Zeiten, als das schwarze Gold noch gefördert wurde, will sich das Paar nun erstmals gemeinsam im Ruhrgebiet anschauen.

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Und dann gibt es da noch Bärbel Essers, die auf dem Campingplatz Hohensyburg nur eines sucht: Ruhe. Die 59-jährige Mülheimerin sitzt mit einem Buch vor ihrem Zelt und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. „Man ist hier in einer anderen Welt“, findet Essers, die zwar schon mal zur Hohensyburg hochspaziert ist, ansonsten aber eine klare Antwort auf die Frage nach ihren sonstigen Aktivitäten parat hält: „Ich mache nix und entspanne mich.“

Eines steht aber fest: Mitte August, wenn besonders viele Sternschnuppen am Himmel zu sehen sind, will sie auf jeden Fall wieder nach Dortmund kommen. „Denn die Zeltwiese hier und der Blick auf den Sternenhimmel sind einfach einmalig.“

Nicht Bayern, sondern Ruhrgebiet: Der Campingplatz Hohensyburg besitzt zweifellos eine idyllische Lage.

Nicht Bayern, sondern Ruhrgebiet: Der Campingplatz Hohensyburg besitzt zweifellos eine idyllische Lage. © Michael Schuh

Nun ist Essers nicht unbedingt der Prototyp des Hohensyburg-Urlaubers. Viele Gäste kämen, um die Sehenswürdigkeiten der Region zu besichtigen, erläutert Weitkamp: „Sie besuchen das Fußball-Museum oder nehmen an einer Führung durch den Signal-Iduna-Park teil.“ Und gerade bei auswärtigen Urlaubern, die erstmals ins Ruhrgebiet kommen, stellt der 19-Jährige regelmäßig eine gewisse Verwunderung fest: „Sie haben bis dahin nicht geglaubt, dass es hier so grün ist.“

„Corona-Krise wird unsere Branche nachhaltig beeinflussen“

Apropos Fußball: Wenn der BVB zu Hause spielt, reisen stets viele Fans an, um ihre Zelte auf dem Campingplatz aufzuschlagen und von hier aus ins Stadion zu fahren. An einen ganz besonderen Tag kann sich Weitkamp noch gut erinnern: „Als 2012 die Meisterfeier in Dortmund stattfand, war das hier ein Meer in Schwarz-Gelb.“

Der Juniorchef geht fest davon aus, dass der Platz auch künftig gut besucht wird – vielleicht sogar noch besser als in der Vergangenheit. „Ich glaube, die Corona-Krise wird unsere Branche nachhaltig beeinflussen; bei vielen Menschen hat bei der Art des Urlaubs ein Umdenken stattgefunden. Das zeigen auch die zahlreichen Anrufe von Gästen, die sich erst in der Corona-Zeit ganz bewusst ein Wohnmobil oder einen Wohnwagen gekauft haben.“

Camping statt Fernreise

Camping statt Fernreise, Ferien an der Hohensyburg statt Badeurlaub auf Bali. Vor einigen Monaten noch schwer vorstellbar, heute gar nicht mehr so abwegig. Ein Virus verändert die Welt. Dortmunds einzigen Campingplatz inklusive.

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