Campino sorgte am Mittwochabend (4.8.) für Gänsehaut-Momente im Westfalenpark. © Marén Carle
Juicy Beats Park Sessions

Campino im Westfalenpark: Kindheits-Erinnerungen und Liverpool-Fangesänge

Der Sänger der Toten Hosen las bei den Juicy Beats Park Sessions lustige Anekdoten aus seinem Buch - und sorgte mit ein paar Songs für Gänsehautmomente.

Schwarze T-Shirts mit dem Logo der Toten Hosen, schwarz-weiße Turnbeutel, schwarze Fahnen, die einen knochigen, weißen Adler zeigen. Schon auf dem Weg zum Westfalenpark werden Erinnerungen an große Konzerte der Toten Hosen wach.

„Steh auf, wenn du am Boden bist“, steht in roter Schrift auf einem der Shirts. Ein Song, der im Laufe des Abends noch für Standing Ovations sorgen sollte. Nur die vereinzelten roten Liverpool-Trikots in der Menge verraten, dass es heute kein Konzert-Abend der Toten Hosen wird.

Ein paar Fußball-Fans kamen auch in Düsseldorf- oder Liverpool-Trikots.
Ein paar Fußball-Fans kamen auch in Düsseldorf- oder Liverpool-Trikots. © Marén Carle © Marén Carle

Es ist der Beginn von Campinos Buch-Tour „Hope Street“. Pünktlich um 20 Uhr betritt Campino gemeinsam mit Band-Kollege Kuddel, der ihn an der Gitarre begleitet, die kleine Bühne im Westfalenpark. Der Regen über Dortmund hat rechtzeitig aufgehört, ein paar Sonnenstrahlen scheinen sogar auf die noch feuchte Wiese.

„Als wir heute Nachmittag hier angekommen sind, stand noch alles unter Wasser“, erzählt der Sänger der Toten Hosen, „wir haben richtig Gas gegeben und für euch alles trocken gemacht.“ Zur Begrüßung singt Campino einen Song, in dem es um den Inhalt seines Buches geht: „Long Way From Liverpool“.

„Endlich kann ich Songs singen, die ich bei den Toten Hosen nicht singen kann.“

Nach den ersten beiden Songs setzt sich Campino an den kleinen, mit einer roten Liverpool-Fahne geschmückten Tisch und beginnt, aus seinem Buch zu lesen. Er erzählt von Besuchen mit der gesamten Familie bei der Großmutter in England und davon, wie er schon als Kind alleine Radio-Sendungen und Interviews erfunden und durchgespielt hat.

Und er liest ein paar Anekdoten von dem Abend im Jahre 2001 vor, an dem er als Liverpool-Fan gemeinsam mit der Mannschaft vom BVB nach Liverpool zum Champions League Spiel geflogen ist.

„Endlich kann ich Songs singen, die ich bei den Toten Hosen nicht singen kann, nur unter der Dusche. Liverpool Fangesänge.“ Gesagt, getan. Passend zu den letzten Zeilen, die Campino aus seinem Buch vorliest, stimmt er ein paar Fangesänge vom FC Liverpool an.

Frau aus dem Dortmunder Publikum bringt Campino Taschentücher

Um die Stimme zu ölen, öffnet sich der Sänger ein Dortmunder Bier, das er noch nie getrunken hat – und verschüttet direkt ein bisschen was. „Ich bräuchte jetzt dringend ein Taschentuch“, sagt er und lacht. Während Kuddel direkt hinter die Bühne spurtet, ist eine Frau aus dem Publikum, gekleidet in einen der schwarz-weißen Toten-Hosen-Pullis, schneller.

Im Wechsel laß Campino aus seinem Buch
Im Wechsel laß Campino aus seinem Buch „Hope Street“ und sang gemeinsam mit Gitarrist Kuddel thematisch passende Songs. © Marén Carle © Marén Carle

Mit einer ganzen Packung Taschentücher rennt sie zur Bühne und reicht Campino das Paket. „Das ist das Neuste, dass man jetzt Mitarbeiter ins Publikum einschleust“, lacht er locker und nimmt die Packung dankend entgegen. Als Kuddel die Bühne wieder betritt, ist der Tisch schon wieder trocken.

Campino dichtet gemeinsam mit Jürgen Klopp betrunken einen Song und veröffentlicht das Video

Passend zu dem Bier erzählt Campino von einem Abend im Mai 2018, an dem Liverpool gegen Real Madrid verlor und er daraufhin gemeinsam mit unter anderem Jürgen Klopp betrunken einen Song dichtete und aufnahm. Noch in der Nacht schickte Campino den Song an sein Büro, damit die ihn auf seinen Social Media Kanälen veröffentlichten. Doch sein Büro weigerte sich zunächst, „die meinten, ich sei zu betrunken und wir könnten das Video nie wieder löschen“, berichtet Campino.

In betrunkenem Zustand habe er dann doch noch ganze Überzeugungsarbeit geleistet und als er am nächsten Morgen wach wurde, hatte er schon einige Lachsmileys auf dem Handy. Nur ein Jahr später holte Liverpool dann tatsächlich, wie im Song prophezeit den Pokal gegen Madrid – Anlass genug für Campino und Klopp, den Song etwas umzudichten und noch einmal aufzunehmen.

Geschichten über Campinos Kindheit und Jugend im Elternhaus

So erzählt Campino von vielen lustigen Erlebnissen, aber auch von ernsthafteren Ereignissen. „Eigentlich handelt das Buch davon, wie ich den FC Liverpool begleite, ich habe aber gemerkt, dass das auf Dauer zu langweilig ist und es auch um etwas anderes gehen muss“, erzählt Campino.

In seinem Buch „Hope Street“ schreibt Campino über den FC Liverpool, über die Geschichte seiner Eltern, über Freundschaft und Rock’n’Roll.
In seinem Buch „Hope Street“ schreibt Campino über den FC Liverpool, über die Geschichte seiner Eltern, über Freundschaft und Rock’n’Roll. © Marén Carle © Marén Carle

So schrieb er zudem viel über seine Kindheit und Jugend im Elternhaus, darüber, wie er seinem Vater schlechte Schulnoten beichten musste und wie er ihn intuitiv noch einmal besonders fest umarmte, als er ihn das letzte Mal sah, bevor er verstarb.

Es folgen ein paar ruhige Songs, langsam wird es dunkel und kühl im Westfalenpark. So kühl, dass Campino sich einen Pulli überwirft, „bei den Toten Hosen bewege ich mich mehr. Ist jetzt etwas wild der Pullover, aber ich habe nichts anderes mehr“, scherzt der Sänger und zieht sich einen weinroten Pulli über. Den Fans gefällt es, sie klatschen und pfeifen begeistert.

Standing Ovations bei den Klassikern der Toten Hosen

Zum Ende heizt Campino auch den Fans nochmal ein und animiert mit Songs wie „Steh auf, wenn du am Boden bist“, „Tage wie diese“ und „You`ll Never Walk Alone“ alle im Publikum dazu, aufzustehen, zu tanzen, zu singen und zu klatschen. Laute Zugabe-Rufe folgen, doch es ist bereits 22 Uhr – und damit muss Ruhe einkehren auf den Wiesen des Westfalenparks.

„Es hat wirklich ganz viel Spaß gemacht“, verabschiedet sich Campino, „jetzt beeilen wir uns, dann kriegen wir noch ein paar Bücher signiert. Oder wir kaufen sie euch wieder ab“, wirft er noch lachend hinterher.

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Aus einer beschaulichen Stadt in der Nähe von Bielefeld ins lebendige Dortmund gekommen. Super neugierig und kann besser mit Wörtern Bilder malen als mit dem Pinsel. Hat darum Journalismus und Moderation studiert. Sport- und musikbegeistert.
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