Schnelltests für Seniorenheimbewohner sind ein Fortschritt: Das Risiko für Ansteckungen bei Angehörigenbesuchen bleibt aber nach wie vor hoch. © dpa
Besuche im Pflegeheim

Chef der städtischen Seniorenheime appelliert: „Bleibt bitte zuhause“

Altenpflegeheime gehören in der Corona-Pandemie zu den sensibelsten Orten. In Dortmund verschlimmert sich die Lage aktuell. Das führt zu einem ungewöhnlichen Aufruf an Angehörige.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Dortmund unverändert hoch. Das trifft vor allem die verletzlichste Gruppe: Senioren, die in Pflegeheimen leben.

Die Stadt Dortmund teilte zu Beginn dieser Woche mit, dass aktuell 14 Einrichtungen in Dortmund von einem Infektionsgeschehen betroffen sind. Am Dienstag (14.12.) kam ein größerer Ausbruch im Stadtteil Gartenstadt hinzu. Es gibt in Dortmund rund 60 Seniorenheime.

Zahl der betroffenen Seniorenheime wächst von 3 auf 15

Anfang November waren laut Stadtsprecherin Anke Widow lediglich drei Seniorenheime von Corona-Infektionen betroffen. „Je höher die Infektionsrate von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung ist, desto schwieriger ist es, bestimmte Gruppen vollständig zu schützen. Somit kommt es vermehrt zur Ansteckung von alten Menschen innerhalb und außerhalb von Einrichtungen. Ältere Menschen erkranken häufiger schwer und leider auch häufiger so schwer, dass sie versterben“, sagt Anke Widow.

Regelmäßig gibt es Meldungen über Todesfälle in Pflegeeinrichtungen selbst oder von Bewohnern, die mit einer Covid-19-Diagnose ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Laut Geschäftsführer Martin Kaiser habe es bisher noch keinen Todesausfall in einem der städtischen Seniorenheime gegeben. Die Zahl der Infektionen liege aktuell bei 26 (Stand 15.12.). „Das ist nur eine Momentaufnahme, zeigt aber, dass unsere Sicherungssysteme mit großer Sorgfalt eingehalten werden.“

Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime ist in Sorge

Die seit Anfang Dezember verfügbaren Schnelltests und die ausreichende Ausstattung mit FFP2-Masken helfen, um die Situation im Griff zu behalten. Dennoch ist Kaiser in großer Sorge um die rund 1500 Bewohner der städtischen Senioreneinrichtungen.

Er ruft für die Weihnachtszeit deshalb ausdrücklich dazu auf, Besuche in Pflegeheimen möglichst zu unterlassen oder so kurz wie möglich zu halten. „Für unsere Risikoeinschätzung sind viel zu hohe Besuchsfrequenzen erlaubt“, sagt Martin Kaiser. Über Weihnachten gebe es deshalb ein „großes Eindringrisiko“ für das Coronavirus.

Corona-Schutzverordnung: Keine Besuchsbeschränkung, aber FFP2-Maskenpflicht

Denn offizielle Einschränkungen für Besuche sind in der neuen Corona-Schutzverordnung nicht vorgesehen. Allerdings werden die Test- und Hygieneregeln verschärft. Besucher müssen grundsätzlich FFP2-Masken tragen. Ihnen soll soweit möglich vor dem Besuch ein Schnelltest empfohlen und angeboten werden.

Martin Kaiser plädiert „für das Maximale an Vorsicht“ und wünscht sich, dass sich an den Feiertagen keine Schlangen vor den Seniorenheimen bilden. Er sagt dies mit allem Verständnis für die Entbehrungen, mit denen viele Familien seit Monaten leben müssen.

Risiko für betagte Menschen nicht ignorieren

„Aber das Risiko zu ignorieren ist keine gute Einstellung zu einem erfüllten Leben im Alter. Ich möchte nicht, dass ein hochbetagter Mensch in den letzten Zügen seines Lebens bäuchlings an ein Beatmungsgerät angeschlossen ist.“

Alle Seniorenheime würden viel unternehmen, damit Bewohner sich nicht isoliert fühlen. Digitale Kommunikation über Tablets und Laptops sei bereits seit dem Frühjahr eingeübt.

Martin Kaisers Appell an alle, denen ihre Angehörigen im Pflegeheim wichtig sind, lautet: „Bleibt bitte zuhause oder macht es kurz und knapp. Selbst, wenn das bedeutet, dass wir Ostern unterm Weihnachtsbaum feiern müssen. Die Ansteckungen vor Weihnachten sind die Toten von Silvester.“

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Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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