Hunderttausende Patienten in 30 Jahren: Hansaklinik-Chef übergibt Praxis

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Dr. Dirk Eichelberg ist einer von Dortmunds bekanntesten Hautärzten. Nach 30 Jahren geht er in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist für die Patienten und Kunden kein Unbekannter.

Dortmund

, 02.07.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von Kopf bis Fuß in weiß gekleidet verleiht das schwarze Brillengestell Dr. Dirk Eichelberg eine gewisse Strenge - die durch seine warme Stimme aber so schnell verschwindet wie Morgentau an einem Sommertag. „Mich um Kunst und Fotografie kümmern“, sagt er.

Länger führt der Dermatologe tatsächlich nicht aus, für welche Hobbys er im Ruhestand endlich mehr Zeit hätte. Nach etwa zehn Sekunden schiebt er hinterher: „Im Thema der Medizin möchte ich drin bleiben, es dann aber von einer anderen Seite beleuchten.“

Knapp 30 Jahre lang war Dr. Eichelberg Leiter und Geschäftsführer einer großen Praxis, der bekannten Hansaklinik. Zum Monatswechsel ging er nun in den Ruhestand. Kein Wunder, dass in ihm Anspannung und Erleichterung noch darum kämpfen, wie er der vielen freien Zeit künftig begegnen soll. Mit seiner Frau, die ebenfalls in den Ruhestand geht, wird er eine Antwort darauf suchen.

Das Jahr der Praxisgründung: 1990

Ein Blick zurück ins Jahr 1990: Das wiedervereinigte Deutschland wird zum dritten Mal Weltmeister - und Eichelberg übernimmt mit seiner Frau Dr. Dorit Eichelberg, ebenfalls Dermatologin, seine erste eigene Praxis.

Mit gehobenem Zeigefinger deutet der 65-Jährige auf den Standort: „Hier in der Wißstraße, genau gegenüber.“ Noch zu Beginn seien die beiden Einzelkämpfer gewesen.

Erst mieteten sie eine zusätzliche Etage an, später noch eine zweite, bis durch den steten Zuwachs an Kollegen und Kolleginnen verschiedener Fachrichtungen schließlich ein Team entstand. „Lasermedizin, operative Tätigkeiten oder ästhetische Medizin“, zählt Eichelberg Schwerpunkte auf.

Aus den Einzelkämpfern wird ein Team

Die Dermatologie als vielschichtiges Fach sei von einem Einzelnen allein nicht mehr zu bewältigen. Wer sich mit so vielen Einsatzbereichen beschäftigt, benötigt entsprechend Platz.

Deshalb zog das Ärzteteam 2008 in das Hansakontor um, wo die Gründung der Hansaklinik mit angeschlossener Privatklinik das Spektrum der angebotenen Leistungen noch mal erweiterte. Medizinisches Versorgungszentrum Hansaklinik heißt das Unternehmen, wie es Dr. Eichelberg selbst bezeichnet, mittlerweile.

Seit 2008 hat Team um Dr. Eichelberg seinen Sitz im Hansakontor an der Hansastraße 67.

Seit 2008 hat Team um Dr. Eichelberg seinen Sitz im Hansakontor an der Hansastraße 67. © Johannes Bauer

Unter seiner Leitung kümmerten sich zuletzt 16 Ärztinnen und Ärzte etwa um Hauterkrankungen wie Schuppenflechte auf der einen und um ästhetische Anliegen wie Tattooentfernungen auf der anderen Seite.

Die Grenze zwischen Patienten und Kunden verläuft in einigen Fällen fließend. Schließlich geht es in der Dermatologie immer auch um das (psychologische) Wohlbefinden seines Gegenübers. Dr. Eichelberg ist sich sicher: „Wer die Haut behandeln will, muss dem Menschen unter die Haut gehen.“ Nur so könne man den Patienten verstehen.

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Ganz erfahrener Arzt ist Eichelberg natürlich ein geduldiger Zuhörer, der seine Worte abwägt, bevor er antwortet. Bei der Frage, was er im Ruhestand am meisten vermissen wird, muss er das nicht: „Dieser persönliche Kontakt, der Austausch mit Menschen - das wird mir sicher fehlen.“

Die Nachteile eines Berufslebens als Praxisleiter hat er ähnlich schnell parat. „Es wird mir nicht fehlen, dass ich auch am Wochenende arbeiten musste. Es wird mir nicht fehlen, dass ich keine Zeit für andere Dinge frei habe“, sagt er. Schnell korrigiert er sich: „Frei hatte.“ Noch hängt er mit seinen Gedanken im Beruf.

Eichelbergs Nachfolger kennt die Praxis gut

Ein helles Lachen ertönt. Dr. Richard Koch konnte es sich nicht verkneifen, als sein Vorgänger über Vor- und Nachteile als Chef sinnierte. Keine Falte im Gesicht, die Haare hochgeföhnt - trotz seiner 39 Jahre hat sich der Arzt etwas Jungenhaftes bewahrt. Zehn Jahre lang arbeitet er schon an der Seite von Dr. Eichelberg. Kein Kaltstart für die Nachfolge also.

Von „unschätzbarem Wert“ sei es, dass er die Praxis bereits von innen kenne. Als der 65-Jährige Eichelberg die Wahl seines Nachfolgers als „Hausgeburt“ bezeichnet, müssen beide lachen.

Sie eint die Vorliebe für die Arbeit im ästhetischen Sektor der Dermatologie. Während der Jüngere betont, dass er sich der Verantwortung als ärztlicher Leiter und Geschäftsführer bewusst sei, wird der Ältere erst lernen müssen, diese loszulassen.

Loslassen wird das größte Problem

An Erinnerungen wird es Eichelberg jedenfalls nicht mangeln. Da wäre zum Beispiel eine Patientin, deren Fall dem viel beschworenen medizinischem Wunder wohl am nächsten kommt. Eichelberg findet den Spruch „Zufall ist das Pseudonym Gottes“ treffender.

Als er dieser Patientin nämlich eine potentiell bösartige Hautveränderung entfernte, erwischte er zugleich die Spitze eines bisher unentdeckten Brustkrebses. Dadurch konnte die Patientin frühzeitig operiert und später auch geheilt werden. „Da war ich nur Mittel zum Zweck“, stellt er fest.

Arzt stellt fest: „Da war ich nur Mittel zum Zweck“

Vielleicht dachte er an diesen Fall, als er an seinem letzten Tag durch die Praxistür geht, durch das Licht durchflutete Treppenhaus, hinaus ins Freie.

Ob man sagen kann, wie viele Patienten insgesamt den entgegengesetzten Weg gegangen sind? „Relativ genau“, erklärt Eichelberg: „Bis jetzt waren es etwa 238.000.“ Das Westfalenstadion könnte man damit fast drei Mal füllen.

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