Chefposten in Dortmund zu vergeben: Diese Verträge laufen bald aus

mlzSpitzenjobs bei Stadttöchtern

In Dortmunds Kommunal-Betrieben werden auf absehbare Zeit rund ein halbes Dutzend lukrativer Chefposten frei – Nachfolger müssen her. Einem Unternehmen ist eine Kandidatin wieder abgesprungen.

Dortmund

, 05.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dortmunds neu gewählter Rat sieht seiner konstituierenden Sitzung am 12. November entgegen. Bei den Fraktionsspitzen und in den kommunalen Unternehmen blickt man aber bereits weit über den Tellerrand hinaus: In den beiden nächsten Jahren werden in den städtischen Betrieben rund ein halbes Dutzend hochkarätiger Posten frei. Es geht um Vorstände und Geschäftsführer.

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Bei deren Neubesetzung hat der Rat der Stadt ein gewichtiges Wort mitzureden. Völlig offen ist derzeit, welche Ratsfraktion für welchen Posten das Vorschlagsrecht bekommt. Bei einigen Unternehmen könnten nun erstmals auch Grünen-Kandidaten zum Zuge kommen und sich in Führungsfunktionen etablieren.

Posten bei Wirtschaftsförderung frei geworden

Bei der städtischen Wirtschaftsförderung dürfte das wohl eher nicht der Fall sein. Dennoch: Mit dem Wechsel von Thomas Westphal (SPD) ins Amt des Oberbürgermeisters (OB) Anfang November ist sein bisheriger Posten als Geschäftsführer der Dortmunder Wirtschaftsförderung frei geworden.

Seine Nachfolge soll laut Stadt „zeitnah“ über eine externe Stellenausschreibung geregelt werden. Ziel sei es, dem neuen Rat „in einer der ersten Sitzungen“ eine Personalempfehlung vorzulegen, sodass der Chefsessel 2021 wieder besetzt werden kann.

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Kandidatin abgesprungen: Seniorenheime fangen von vorne an

Die städtischen Seniorenheime Dortmund (SHDO) waren da bereits weiter. Geschäftsführer Martin Kaiser wollte sich nach Auslaufen seines Vertrages Ende April 2021 eigentlich in den Ruhestand zurückziehen. Sein Plan hätte aufgehen können – wenn die im Aufsichtsrat bereits vor Monaten gewählte Kandidatin aus dem Awo-Bezirk Westliches Westfalen ihren Dienst angetreten hätte.

Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime, Martin Kaiser, im Mai 2020

Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime, Martin Kaiser, im Mai 2020: Nach aktuellem Stand läuft sein Vertrag Ende April 2021 aus. © Lena Heising (Archiv)

Doch es kam anders: Bei den abschließenden Vertragsverhandlungen ließ sich mit der Bewerberin plötzlich kein Einvernehmen mehr erzielen. Folge: Die Kandidatin zog zurück und orientierte sich neu.

Die Findungskommission, begleitet von Personalberatern, muss nun von vorn beginnen - und den künftigen Aufsichtsräten der rund 1000 Mitarbeiter großen SHDO einen neuen Personalvorschlag unterbreiten. 2021 soll die Nachfolge endgültig geregelt werden. Der Posten des Geschäftsführers bei den städtischen Seniorenheimen war zuletzt mit rund 226.000 Euro dotiert.

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Soll die EDG ihre Führungsriege wieder abspecken?

Spannung versprechen die kommenden Diskussionen über den wichtigen Führungsposten bei der Entsorgung Dortmund (EDG). Der EDG-Konzernverbund verfügt über rund 1100 Mitarbeiter und wird von insgesamt drei Geschäftsführern gelenkt. Das Problem: Klaus Niesmann, der Vorsitzende des Dreier-Gremiums, ist seit langer Zeit erkrankt und wird seinen Dienst aller Voraussicht nach nicht wieder antreten können.

EDG-Vorsitzender Klaus Niesmann im Jahr 2015

EDG-Chef Klaus Niesmann im Jahr 2015: Er ist seit langer Zeit erkrankt und wird seinen Dienst aller Voraussicht nach nicht wieder antreten können. © Dieter Menne (Archivbild)

Die Politik muss sich also die Karten legen, ob der zuletzt mit knapp 340.000 Euro dotierte Posten überhaupt wieder besetzt werden soll. Teile der CDU sind da skeptisch.

Sie verweisen auf die Anfänge der EDG, als das Unternehmen von lediglich zwei Geschäftsführern gelenkt wurde. 2011 stieß dann auf Wunsch der SPD und der EDG-Arbeitnehmer ein Arbeitsdirektor hinzu – was bei der CDU bis heute zu einem unterschwelligen Grummeln geführt hat. Die aktuelle Zweier-Konstellation (ein Geschäftsführer, ein Arbeitsdirektor) wirft aber weitere Fragen auf.

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Wer hat umgekehrt den Zugriff, sollte sich die Politik entscheiden, den Führungsjob beim städtischen Entsorger doch nicht zu streichen, sondern neu zu besetzen? Kommen dann die Grünen ins Spiel? Ausgeschlossen sei das nicht, heisst es im Umfeld des Rates. Bei der Kommunalwahl zur zweitstärksten Fraktion gewachsen, könnten die Grünen geneigt sein, die Abfallwirtschaft (als Teil der Umweltpolitik) für sich zu reklamieren.

Klar ist: Wollen die Grünen ihre Politikvorstellungen real werden lassen, müssen sie bestrebt sein, „eigenes Personal“ an den Schaltstellen zu verankern. Und dazu gehören neben dem Verwaltungsvorstand der Stadt vor allem auch die Stadt-Töchter. 2021 soll bei der EDG Klarheit herrschen. So oder so.

Erste Interessenten für DSW21-Verkehrsvorstand

Eine Personaldebatte steht auch den Dortmunder Stadtwerken (DSW21) ins Haus. Seit geraumer Zeit wird hinter vorgehaltenen Händen gerätselt, wer Verkehrsvorstand Hubert Jung (CDU) beerben soll. Jungs Vertrag endet zwar erst am 31. Dezember 2022. Inoffiziell aber mehren sich die Zeichen, dass sich Jung bereits Ende 2021 von seinem Posten verabschieden könnte.

Der mit rund 417.000 Euro vergütete Job ist offenbar hochbegehrt: Erste Interessenten aus anderen Verkehrsunternehmen haben bereits Rauchzeichen gegeben.

DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung im Jahr 2016.

DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung im Jahr 2016: Sein Vertrag endet zwar erst am 31. Dezember 2022, inoffiziell mehren sich aber die Zeichen, dass sich Jung bereits Ende 2021 von seinem Posten verabschieden könnte. © Dieter Menne (Archiv)

Wann der Job neu besetzt wird, hängt also von der persönlichen Entscheidung des amtierenden Verkehrsvorstandes ab. Mit wem der Vorstandsposten bei der AG besetzt wird, entscheidet die Politik – respektive der DSW21-Aufsichtsrat. Reklamiert die CDU den Chefsessel im Verkehrsbereich wieder für sich?

Oder sind es die Grünen, die mit Blick auf Themen wie Verkehrswende und ÖPNV-Ausbau den Anspruch erheben, einen Kandidaten ihrer Wahl zu DSW21 zu schicken – und damit zum ersten Mal einen „eigenen“ Vertreter in den insgesamt vierköpfigen, von SPD und CDU besetzten Stadtwerke-Vorstand zu pflanzen?

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Auch das ist zurzeit völlig offen. Fest steht: Mit eigener Kraft allein können CDU und Grüne die Personalentscheidungen nicht treffen, dazu fehlt die Ratsmehrheit. Schwarz-Grün bedarf der Stimmen aus anderen Fraktionen – mindestens aber deren Enthaltung.

Die Dortmunder Hafen AG als frühere Bastion der CDU

Auch den Vorstandsposten der Dortmunder Hafen AG, einer Tochter von DSW21, gilt es, mittelfristig neu zu besetzen. Der Vertrag von Vorstand Uwe Büscher (SPD), der auch Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft d-port21 ist, läuft zum 31. August 2022 aus. Auch da hatte die Politik zwischenzeitlich mal vorgefühlt – das allerdings lange vor der Kommunalwahl.

Der Vertrag von Hafen-Vorstand Uwe Büscher läuft Ende August 2022 aus.

Der Vertrag von Hafen-Vorstand Uwe Büscher läuft Ende August 2022 aus. © Gregor Beushausen (Archiv)

Die vor Jahren gepflegte Variante, den mit sonst 230.000 Euro dotierten Vorstandsposten nebenamtlich zu besetzen und den Hafen aus der Stadtwerke-Zentrale heraus zu lenken, ist mit Blick auf das kommende städtebauliche Entwicklungsszenario für die Speicherstraße ausgeschlossen.

Vorab dürfte zu klären sein, ob der künftige Hafen-Vorstand von der Mutter DSW21 bestellt wird – oder ob der Rat der Stadt die Regie übernimmt. In früheren Zeiten galt der Posten als Bastion der CDU.

Chef am Dortmunder Klinikum hinterlässt große Fußspuren

Für den Job des Arbeitsdirektors am Dortmunder Klinikum gibt es nach langem Hin und Her inzwischen eine Lösung: Im Dezember soll der Hertener Beigeordnete Dr. Karsten Schneider (SPD) vom Rat bestätigt werden.

Stellt sich die Frage, wer Klinik-Chef Rudolf Mintrop beerbt, der spätestens Ende 2022 mit dann 67 Jahren in den Ruhestand geht. Mintrop, Vorsitzender der Geschäftsführung, ist es gelungen, das Klinikum, das vor Jahren fast vor der Insolvenz stand, neu aufzustellen.

Klinikum-Chef Rudolf Mintrop im Jahr 2018

Klinikum-Chef Rudolf Mintrop im Jahr 2018: Er geht spätestens Ende 2022 mit dann 67 Jahren in den Ruhestand. © Dieter Menne (Archiv)

Er hat es geschafft, das von Verlusten geplagte Haus bis zum Beginn der Corona-Pandemie mit seinen insgesamt 4300 Beschäftigten peu a peu in die schwarzen Zahlen zu führen.

Laut Beteiligungsbericht war Mintrops Posten zuletzt mit 369.000 Euro vergütet. Da das Klinikum eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) ist und als 100-prozentige Stadt-Tochter geführt wird, bestimmt der Rat über Mintrops Nachfolge als Chef der dreiköpfigen Klinikums-Geschäftsführung.

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Wer wird Arbeitsdirektor am Klinikum? Zwei Bewerber sind auf der Strecke geblieben. Mit Karsten Schneider, Beigeordneter aus Herten, hat sich der dritte Kandidat dem Aufsichtsrat vorgestellt. Von Gregor Beushausen

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