Christina Stürmer: „Ein Stück zu Hause habe ich ja quasi mit eingepackt“

mlzKonzert im FZW

Nach zwei Jahren Babypause steht Christina Stürmer wieder auf der Bühne. Am 9. Mai kommt sie ins FZW. Wir haben mit ihr über das neue Album, die kommende Tour und ihr Mama-Dasein gesprochen.

Dortmund

, 06.03.2019, 12:36 Uhr / Lesedauer: 4 min

Lange war es still um Sängerin Christina Stürmer. Nun ist sie zurück auf Konzerttour – und legt dabei auch einen Halt in Dortmund ein. Am 9. Mai kommt sie ins FZW. Mit ihrem neuem Album will sie eine andere Seite von sich zeigen: noch persönlicher, noch fröhlicher und mit einem Lebensgefühl, das jedem, der ihre Songs hört, ein gutes Gefühl geben soll. Wir haben mit ihr über Dortmund, ihr Familienleben und ihre Songs gesprochen.

Sie waren schon öfters in Dortmund. Wie finden Sie die Stadt?
Auf der letzten Tour hatten wir einen freien Tag in Dortmund. Ich weiß nicht mehr, wie der Italiener hieß, auf jeden Fall waren wir so, so lecker essen. Mit Kind und Kegel. Das Essen und das super Wetter sind mir in Erinnerung geblieben. Ich muss immer lachen. Wir reden so oft über Essen. Wenn wir frühstücken, reden wir schon drüber, was es zum Mittag gibt. Auch auf Tour hangelt man sich von Essen zu Essen.

Sie haben schon in den Westfalenhallen und im FZW gespielt. Das FZW ist deutlich kleiner und damit auch privater. Gefällt Ihnen das?
Das ist schwer. Also ich sag natürlich auch nicht Nein, wenn irgendwann mal so viele Menschen kommen, dass ich eine Stadiontournee machen kann. Aber wenn ich es mir aussuchen kann, spiele ich lieber zehn Konzerte und das im kleineren Rahmen als einmal ein Großes. Ich mag es, wenn man die Leute richtig sehen kann. Das FZW ist schön kuschelig. Natürlich passen da auch mehr als 1000 Leute rein. Das sind auch viele Menschen. Aber es ist halt einfach ein bisschen so wie in einem großen Wohnzimmer. Ich mag es, mit den Fans zu kommunizieren und die Leute kennenzulernen, die meine Musik hören. Das finde ich immer extrem spannend.

In der Ankündigung zu Ihrer Tour heißt es, dass Sie sich musikalisch neu erfunden haben. Wie drückt sich das in Ihren Songs aus?
Ich habe einfach in der Schwangerschaft und danach sehr viel Pop gehört: ob das jetzt Ed Sheeran war, Imagine Dragons oder One Republic. Ich hatte nach dem letzten Album „Seite an Seite“, was doch sehr melancholisch und ruhig war, Bock auf was extrem Positives. Wenig Melancholie. Sondern nach vorne schauen. Und das haben wir umgesetzt. Da hat sicherlich meine Tochter viel dazu beigetragen.

Ihr neues Album heißt „Überall zu Hause“. Fühlen Sie sich tatsächlich überall zu Hause?
Tatsächlich ja. Vor allem wenn wir auf Tour sind und meine Tochter mit ist, mein Freund mit ist, Oma und Opa mit sind. Ich brauche nicht unbedingt die vier Wände zu Hause, um mich wohl oder geborgen zu fühlen. Meine Tochter macht da sehr viel aus, und mein Freund. Wenn die mit sind, ist es eigentlich egal, wo ich bin. Ein Stück zu Hause habe ich ja quasi mit eingepackt.

Ihr Freund Oliver Vega ist Gitarrist in Ihrer Band. Wie funktioniert das mit Ihrer Tochter, wenn Sie beide auf der Bühne stehen?
Sie kommt auf alle Fälle mit. Wir fahren mit zwei Bussen. Es gibt den Familienbus und den „Partybus“. Einfach aus dem Grund, dass wir sehr viele Menschen sind. Und gerade, wenn wir von der Bühne kommen, ist man noch in dieser ganzen Euphorie drin und etwas lauter. Und die Kleine soll schlafen können. Die Eltern meines Freundes kommen mit und passen auf unsere Tochter auf, während wir den Soundcheck machen, Interview-Termine haben oder am Abend auf der Bühne stehen. Ich weiß, ihr wird es an nichts fehlen. Es wird wie Urlaub für sie sein. Sie wird ja von allen Seiten bespaßt, und wenn Oma und Opa mit sind, dann… Das kennt ja jeder, bei denen darf man so viele Sachen, die man bei Mama und Papa nicht darf.

Gibt es ein Lied auf der neuen Platte, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Es gibt einige. „Fahrtwind“ ist sicherlich eins. Das Schnelllebige ist ein Thema, was mich schon lange betrifft und ich glaube, viele andere Menschen auch. Als Musiker will man mit den Fans in Kontakt bleiben. Da hat man Facebook, Instagram und Twitter und was es alles noch gibt. Manchmal ist es schon ganz schön viel. Und „Fahrtwind“ ist so ein Song, bei dem es um dieses Gefühl geht, wenn dir die Decke auf den Kopf fällt und wenn man glaubt, man schafft das alles nicht. Man sollte einfach auch mal abschalten und alles stehen und liegen lassen können, nicht auf dieses dämliche Handy gucken. Das hilft so extrem, dass man die Batterien wieder auflädt.

Ein Lied des neuen Albums heißt „In ein paar Jahren“. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Fünf Jahre sind so kurz und doch wieder so lange. Da kann so viel passieren. Ich hoffe, dass ich immer noch Musik mache. Ich nehme auch mal an, dass es mir immer noch Spaß macht. Falls es mir kein Spaß mehr macht, dann werde ich auch keine Musik mehr machen. Aber in fünf Jahren werden wir auf alle Fälle, wenn die Kleine dann Sieben ist, das Touren anders organisieren müssen. Dann kann ich nicht einfach drei Wochen weg sein. Da wird man vielleicht nur am Wochenende spielen oder unsere Tochter muss bei ihren Großeltern zu Hause bleiben. Ich glaube aber nicht, dass wir selbst als Eltern das aushalten. Es wird sich also viel verändern. Aber hoffentlich werde ich immer noch auf der Bühne stehen.

Sie engagieren sich für verschiedene soziale Projekte. Bei der „Überall zu Hause“-Tour geht pro verkauftem Ticket ein Euro an den Verein „Brustkrebs Deutschland“. Steckt bei der Wahl des Vereins eine persönliche Intention hinter?
Ja. In meinem Bekanntenkreis war das irgendwie immer schon Thema und vor Jahren gab es eine Diagnose Brustkrebs. Da habe ich alles mitbekommen. Da ist prinzipiell auch alles gut gegangen. Aber es war einfach so, dass es die ganze Familie zusammengehalten hat. Und da habe ich gemerkt, was da für ein Lebensgeist in jemanden drin steckt. Der Lebenswille, das Kämpfen und das Zusammenhalten. Dass Liebe so viel bewirken kann. Und dann war da der Verein. Der ist einfach wie eine riesengroße Familie. Das liebe ich einfach an denen.

Das Konzert

  • Das Konzert im FZW, Ritterstraße 20, beginnt am 9. Mai um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.
  • Karten kosten 48 Euro. Erhältlich sind sie über die FZW-Webseite.
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