Reicht das Geld? Eine Studie der Commerzbank zeigt jetzt, wie viele Dortmunder Unternehmer in der Corona-Krise staatliche Unterstützung beantragt haben - und wie die Wirtschaft in der Stadt dasteht. © (A) Montage Menne
Corona-Krise

Commerzbank-Studie zeigt Ausmaß der Corona-Krise in Dortmund

Wie viele Unternehmen haben staatliche Unterstützung beantragt? Wie kommt Dortmund wirtschaftlich durch die Krise? Das hat die Commerzbank in einer Studie untersucht. Das Fazit überrascht.

Regelmäßig gibt die Commerzbank Studien und Umfragen in Auftrag, um sich ein Bild von den Befindlichkeiten und der Situation bei ihren Unternehmerkunden zu machen. In diesem Jahr wurde das Ergebnis mit besonders großem Interesse erwartet, da der jeweiligen Hausbank in einer Krise eine besondere Rolle zukommt.

Wenig überraschend kommt die Studie zu dem Schluss, den auch die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund gerade im Rahmen ihres Jahresempfangs kundtat: Mehr als die Hälfte der Dortmunder Unternehmen sind von der Corona-Krise stark getroffen worden. Für 77 Prozent der Dortmunder Unternehmen, die stark betroffen sind, ist die Krise sogar existenzbedrohend, so die im August erhobene und am Mittwoch, 9.12., vorgestellte Commerzbank-Studie. Das sind deutlich mehr als im bundesweiten Durchschnitt (55 Prozent).

Alles ganz schlimm also? Mitnichten. Manfred Nix, der verantwortliche Leiter für das Geschäft mit Unternehmerkunden in der Region Dortmund, hat auch ganz aktuell nochmal auf die Konten und die Kreditlinien geguckt. Entgegen der Kritik an den sich verzögernden Novemberhilfe-Zahlungen stellt er fest: „Wir sind überrascht, wie gut unsere Unternehmer bis heute durch die Pandemie kommen. Und da, wo wir die Beantragung vornehmen konnten und alle Unterlagen da waren, sind nun auch Gelder der Novemberhilfe geflossen.“

Tilgungsaussetzungen kaum in Anspruch genommen

„Bisher“, so sagt Christian Erber, der Niederlassungsleiter der Commerzbank Dortmund, „fühlen sich die Unternehmer trotz der Existenzängste gut aufgefangen von staatlichen Hilfen und Banken. Obwohl natürlich Veranstalter, Reisebüros, Messebauer oder Gastronomen aktuell große Probleme haben.“

Christian Erber ist Niederlassungsleiter der Commerzbank in Dortmund
Christian Erber ist Niederlassungsleiter der Commerzbank. Er sagt: „Bisher gibt es in Dortmund keine Insolvenzwelle.” © Commerzbank © Commerzbank

Existenzangst bedeute aber noch nicht das wirtschaftliche Aus. „Es gibt bisher keine Insolvenzwelle in Dortmund“, sagt Christian Erber. Und Manfred Nix ergänzt: „Von Kreditnehmern wurde zwar in diesem Jahr viel nach Tilgungsaussetzungen gefragt, aber diese wurden bis heute wenig in Anspruch genommen.“

36 Prozent der Unternehmen in Dortmund haben Zuschüsse einer Landesförderbank beantragt. Das sind deutlich mehr als auf Bundesebene (25 Prozent). Knapp ein Fünftel der Unternehmen – und damit weniger als im bundesweiten Vergleich – hat Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen, so die Commerzbank-Studie.

Hilfspakete stabilisieren Wirtschaft

Die staatliche Unterstützung stabilisiert also augenscheinlich die Wirtschaft. Weshalb auch Sophie Donat, die Sprecherin der Sparkasse, sagt: „Die Kunden der Sparkasse Dortmund sind bisher gut durch die Krise gekommen. Die umfangreichen Hilfspakete haben den Unternehmen die ersten Sorgen genommen. Ein finales Resümee kann man aber erst in einigen Jahren ziehen, wenn die Kredite zurückgezahlt wurden.“

Ähnlich auch die Einschätzung der Volksbank. „Als Dortmunder Volksbank können wir bestätigen, dass ein Großteil unserer Firmenkunden bislang gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es Branchen und Betriebe gibt, die extrem unter der Situation leiden“, sagt Martin Hoffmann, Bereichsleiter Firmenkunden der Dortmunder Volksbank.

Manfred Nix ist verantwortlicher Leiter für das Geschäft mit Unternehmerkunden in der Region Dortmund
Manfred Nix ist verantwortlicher Leiter für das Geschäft mit Unternehmerkunden in der Region Dortmund. „Wir sind überrascht, wie gut unsere Unternehmer bis heute durch die Pandemie kommen“, sagt er. © Commerzbank © Commerzbank

Für die Commerzbank-Studie wurden zwischen Juni und August 2020 bundesweit mehr als 3500 Unternehmer mit einem Jahresumsatz bis 15 Millionen Euro befragt, 50 davon in Dortmund. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragte sowohl Commerzbank-Kunden als auch Kunden anderer Banken. „Die Stichprobe ist durchaus repräsentativ“, sagt der hiesige Niederlassungsleiter Christian Erber.

Keine Kündigungen, weniger Kurzarbeit

Gefragt wurde auch nach den Personalmaßnahmen in der Corona-Krise. Dabei kam heraus, dass 68 Prozent aller Unternehmer in Dortmund ohne Kündigungen oder Kurzarbeit auskommen. Nur jeder fünfte hat Kurzarbeit angemeldet. 14 Prozent verzichten auf Neueinstellungen, sechs Prozent müssen Kündigungen aussprechen.

Auch an diesen Zahlen zeigt sich, dass die finanziellen Hilfen greifen und sich positiv auf die Arbeitsplätze in Dortmund auswirken. Jetzt gelte es, sagt Christian Erber, die Krise auch in den nächsten Monaten zu bewältigen. „Mit nachlassender Infektionsgefahr nach den Wintermonaten und einer dann wachsenden Impfquote sieht alles nach einem super zweiten Halbjahr 2021 aus. Wenn die Pandemie bekämpft ist, gibt es großen Nachholbedarf.“

Bis dahin allerdings drohe bestenfalls eine schwarze Null beim Bruttoinlandsprodukt und das Risiko einer zweiten Rezession sei gestiegen. An Krediten aber solle es nicht scheitern, um Firmen quasi auf den letzten Metern der Corona-Krise zu helfen. „Am Ende ist es immer eine Einzelfallprüfung. Aber wir werden keine Lichter ausknipsen“, sagt Christian Erber und verweist auf ein in diesem Jahr um sechs Prozent höheres Kreditvolumen als 2019: „Das ist ein Beweis dafür, dass wir uns nicht zurückziehen.“

Commerzbank

Gut 70.000 Kunden in Dortmund

  • Die Commerzbank ist eine international agierende Geschäftsbank mit Standorten in knapp 50 Ländern.
  • In der Niederlassung Dortmund (dazu gehören die Dortmunder Filialen sowie die Filialen Unna, Schwerte, Lünen, Castrop-Rauxel, Kamen und Herdecke) werden rund 115.000 Privat- und Unternehmerkunden betreut. Darunter sind gut 70.000 Kunden in Dortmund.
  • In der Hauptstelle am Hansaplatz sind rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Sie arbeiten unter anderem in der Kreditabteilung oder in den Kompetenzzentren auch für andere Standorte.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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