Containerwände sollen Klinikviertel-Häuser bei Blindgänger-Explosion schützen

mlzMega-Evakuierung

Die Berliner Mauer ist Geschichte. Dafür gibt's in Dortmund jetzt mehrere unüberwindbar scheinende Mauern. Sie sollen Schutz bieten vor einer möglichen Blindgänger-Explosion im Klinikviertel.

Dortmund

, 11.01.2020, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Samstagvormittag war es mit der Ruhe, die während der Nacht in den autofreien Straßen des Klinikviertels geherrscht hatte, vorbei. Neben Rettungswagen zum Abtransport von Patienten aus den Kliniken rollten Sattelzüge mit Containern an, Gabelstapler rangierten mit monströsen Metallkisten auf den engen Straßen. Nach und nach wuchs so eine eindrucksvolle Mauer aus Containern auf den Straßen des Klinikviertels - ein völlig neuartiger Schutz bei Bombenentschärfungen.

Hinweise aus Forschungsprojekt

Das heißt: Ganz neu ist die Idee nicht. Die Dortmunder Firma Bloedorn war mit ihren gewichtigen Containern schon bei Bombenentschärfungen in Kamen, Essen und Gladbeck im Einsatz. In Dortmund hatten die Experten aus Wickede 2018 eine Lärmschutzwand am Rande des Festi Ramazan am Rabenloh gebaut. Bei Entschärfungen waren sie hier aber bislang noch nicht im Einsatz.

Jetzt war es das vom Bund geförderte Forschungsprojekt des Freiburger Ernst-Mach-Instituts und der Berliner Firma Virtualcitysystems, das Hinweise für den Einsatz der Containerschutzwände für die Bombenentschärfungen im Klinikviertel gab. Mit einer 3D-Simulation hatten die Forscher ermittelt, wie sich eine Druckwelle in den Straßenschluchten des Klinikviertels im Falle eine Explosion ausbreiten würde.

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Auf dieser Grundlage hat das Lagezentrum die Standorte der Containerwände geplant. Vor allem die Kliniken, die nicht vollständig evakuiert werden können, sollen so besonders geschützt werden.

Drei Dutzend Container wurden dafür herangekarrt und zu 5,50 Meter hohen Wänden gestapelt - jeweils acht an der Beurhausstraße und an der Alexanderstraße, vier an der Josephstraße und sechs an der Johannesstraße.

Containerwände sollen Klinikviertel-Häuser bei Blindgänger-Explosion schützen

Eine eindrucksvolle Containerwand ist an der Luisenstraße entstanden. © Stephan Schütze

Besonders eindrucksvoll sind die Wände am Bombenverdachtspunkt an der Luisenstraße. Eine neun Meter lange Containerwand wurde direkt neben dem Gebäude des Sozialamts aufgebaut, eine zweite 20 Meter lange Wand direkt über die Luisenstraße. Um die Lücken zu den Hauswänden abdichten zu können, wurden 625 Sandsäcke verbaut, erklärte Bloedorn-Prokurist Björn Henkel.

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Containerwände als Bombenschutz

Für die Bombenentschärfungen im Klinikviertel wurden Schutzwände aus Containern aufgebaut.
11.01.2020
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Mit Gabelstapler und Kränen wurden die Container aufgebaut. © Stephan Schuetze
Mit Gabelstapler und Kränen wurden die Container aufgebaut. © Stephan Schuetze
Drei Dutzend Container wurden bereitgestellt. © Stephan Schuetze
Mit Sattelzügen wurden die Container angeliefert.© Stephan Schuetze
Mit Gabelstapler und Kränen wurden die Container aufgebaut. © Stephan Schuetze
Zwei Containerwände entstanden direkt neben der Verdachtsstelle an der Luisenstraße. © Stephan Schuetze
Auch an der Alexanderstraße wurde eine Containerwand aufgebaut. © Stephan Schuetze
Mit Sandsäcken wurden Lücken gestopft. © Stephan Schuetze
Mit Sandsäcken wurden Lücken gestopft. © Stephan Schuetze
Die größte Containerschutzwand entstand an der Luisenstraße. © Stephan Schuetze
Die größte Containerschutzwand entstand an der Luisenstraße. © Stephan Schuetze
Mit Sandsäcken wurden Lücken gestopft. © Stephan Schuetze
Mit Sandsäcken wurden Lücken gestopft. © Stephan Schuetze

Eindrucksvoll ist auch das Gesamtgewicht. Jeder Container hat ein Eigengewicht von zwei Tonnen, dazu wurden in den unteren Lagen der Wände Betonblöcke mit jeweils 3,6 Tonnen Gewicht als Ballast eingebaut. Die Containerwände bringen so also insgesamt ein Gewicht von mehr als 152 Tonnen auf die Waage.

15 Mitarbeiter waren für den Aufbau am Samstag im Einsatz. Und damit während der Entschärfung am Sonntag im Notfall schnell eine Lücke in den Wänden geöffnet werden kann, stehen am Rande des Sperrgebiets zwei Staplerfahrer bereit, um eingreifen zu können. „Der Einsatz ist für uns ein Heimspiel, aber auch eine besondere Herausforderung“, sagt Henkel.

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Am Sonntag mussten rund 13.000 Dortmunder ihre Wohnungen verlassen, weil Blindgänger im Klinikviertel gefunden wurden. Beide Bomben wurden am Nachmittag entschärft. Die Ereignisse im Ticker. Von Oliver Volmerich, Bastian Pietsch

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