Autos zulassen in der Krise: Mehrkosten und Umwege für Kfz-Besitzer

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Eigentlich stehen die Bürgerdienste still. Wer mit der Neuanmeldung eines Autos nicht warten möchte (oder kann), hat dazu jedoch eine Möglichkeit. Billig ist die aber nicht.

Dortmund

, 16.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Roland T. aus Körne Ende März ein gebrauchtes Motorrad kaufte, juckte es ihm in den Fingern: Das Wetter war schön, das Wochenende stand vor der Tür - er wollte raus auf die Straße.

Das Problem: das Motorrad war zwar gebraucht, wurde vom Vorbesitzer aber abgemeldet. Es musste also erst neu zugelassen werden. Keine einfache Aufgabe in Zeiten der Corona-Krise.

Die Kfz-Zulassungsstelle der Stadt steht nämlich eigentlich im Moment nur für Notfälle zur Verfügung: Fahrzeuge wie Lkw, Taxen, Krankenwagen oder auch Abschleppwagen können weiterhin angemeldet werden. Auch für Personen, die in Berufen, die zur kritischen Infrastruktur gehören, arbeiten - allen voran Ärzte, Krankenhausmitarbeiter, Polizisten oder Feuerwehrkräfte - sind Zulassungen möglich.

„Habe ich denn irgendeine Chance, diesen Monat noch mein Motorrad anzumelden?“, fragte T., als er mit einer Mitarbeiterin der Kfz-Zulassungsstelle telefoniert. Ja, antwortete die Dame ihm, eine Chance gebe es: Zulassungsdienste, die für ihre Kunden - etwa Autohäuser - die Kfz-Anmeldung bei den Behörden übernehmen, dürfen weiter arbeiten.

Anstieg der Privatkunden um fast 25 Prozent

Diese kommerziellen Zulassungsdienste arbeiten normalerweise für Autohäuser oder andere Kunden, die viele Fahrzeuge auf einmal anmelden wollen. Für Privatkunden lohnt sich der Weg über den privaten Dienstleister eigentlich nicht. Doch während die Großkunden wegen der Corona-Krise im Moment eher fern bleiben, steigt bei vielen Zulassungsdiensten die Nachfrage der privaten Kunden.

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Hinter der Ausnahmeregelung steckt laut der Stadt unter anderem die Idee, dass die Kfz-Zulassungsstelle nicht mit Zulassungen überrollt wird, sobald sie wieder geöffnet wird.

Mitarbeiter der Zulassungsstelle und der Zulassungsdienste müssen sich jedoch an strenge Regeln halten, wenn sie beispielsweise Dokumente annehmen oder abgeben. Außerdem werden die Ausweise kontrolliert, um bei möglichen Infektionen alle Kontakte zurückverfolgen zu können.

Bei der Firma Kroschke, einem deutschlandweit tätigen Dienstleister mit mehreren Filialen in Dortmund, schätzt man, dass die Zahl der Privatkunden um bis zu 25 Prozent in Dortmund gestiegen ist.

Kleiner Dienstleister will Preise nicht erhöhen

Auch Murat A., Inhaber von „Autoschilder Arda“, spürt den Anstieg. Seit fast 30 Jahren betreibt er sein kleines Ladenlokal an der Olpe, bisher gehörten auch bei ihm vor allem Autohäuser zu seinen Kunden. Doch seit einigen Wochen sind es stattdessen Privatkunden, die zu ihm kommen - wenn auch nicht so viele wie bei dem großen Wettbewerber.

Er betont, dass er die Preise trotz der größeren Nachfrage nicht erhöht hat. „Das wäre für uns eher negativ“, erzählt er. „Wir wollen ja auch, dass die Leute nach der Corona-Krise auch noch zu uns kommen.“

Murat A. (rechts) ist seit 28 Jahren Inhaber der Firma "Autoschilder Arda". Weil auch er Kurzarbeit anmelden musste, ist er im Moment nur mit einem Mitarbeiter (links) im Einsatz.

Murat A. (rechts) ist seit 28 Jahren Inhaber der Firma "Autoschilder Arda". Weil auch er Kurzarbeit anmelden musste, ist er im Moment nur mit einem Mitarbeiter (links) im Einsatz. © Marie Ahlers

Einen Neuwagen bei der Stadt Dortmund zuzulassen kostet grundsätzlich zwischen 70 und 100 Euro, darauf schlagen Zulassungsdienste dann die eigene Gebühr. Bei der Firma Kroschke zahlt man laut Website insgesamt 139 Euro für die Zulassung eines Fahrzeugs, Roland T. hat bei einem kleineren Zulassungsdienst 110 Euro gezahlt - zähneknirschend, wie er berichtet. „Die professionellen Anmeldedienste können sich während der Krise eine goldene Nase verdienen“, findet er.

Stadt empfiehlt Preisvergleich

Der benachbarte Kreis Recklinghausen warnt bereits vor unseriösen Anbietern, die auf den Zug aufspringen und nun auch Kfz-Zulassungen anbieten. Man solle deshalb die Preise der Anbieter sorgfältig vergleichen. Das empfiehlt auch die Stadt Dortmund auf Nachfrage.

Von einer goldenen Nase ist bei Murat A. im Übrigen noch nichts zu sehen. Eher im Gegenteil: Er hat für seine Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen müssen, auch auf die Soforthilfe des Bundes ist er angewiesen. Trotzdem weiß er noch nicht, ob sein kleiner Betrieb die Krise überleben wird.

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