Corona-Datensammlung: Was passiert mit den persönlichen Informationen?

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Im Zuge der Corona-Lockerungen müssen vielerorts persönliche Daten hinterlegt werden. Diese Praxis ist nicht unumstritten. Doch wo landen die Daten eigentlich und wer hat darauf Zugriff?

Dortmund

, 19.05.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob beim Friseur, im Kosmetikstudio oder beim Restaurantbesuch - in vielen Bereichen müssen Kunden derzeit ihre persönlichen Daten angeben. Als wichtiger Bestandteil der Lockerungsmaßnahmen soll diese Regelung eine Nachverfolgung möglicher Infektionsketten gewährleisten. Was jedoch im Nachhinein mit den Daten passiert, ist nicht immer sofort klar.

Normalerweise reicht der Name, um einen Friseurtermin zu vereinbaren, oder einen Tisch in seinem Lieblingsrestaurant zu reservieren. Momentan müssen Kunden allerdings auch andere persönliche Daten hinterlegen. Der Umgang mit den vielfältigen Informationen ist in den verschiedenen Branchen jedoch unterschiedlich.

Daten werden maximal sechs Wochen aufbewahrt

So werden die Daten bei Friseuren und in Kosmetikstudios beispielsweise laut Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) maximal sechs Wochen aufgehoben und anschließend gelöscht.

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Dieses Vorgehen diene dazu, Kunden informieren zu können, wenn sich herausstellt, dass sie während des Aufenthalts in Kontakt mit einer infizierten Person waren. „Sollte eine Infektion festgestellt werden, können wir andere Kunden über die Gefährdung informieren. Der Name wird in diesem Fall nicht genannt“, heißt es in einer Erklärung des BGW.

Kundschaft ist größtenteils verständnisvoll

Sechs Wochen? Marc Ringel, Geschäftsführer des Friseur- und Kosmetikverbandes Nordrhein-Westfalen plädiert für eine kürzere Aufbewahrungszeit der Kundendaten: „Wir vertreten in diesem Zusammenhang eher die Meinung, dass eine Frist von drei Wochen ausreicht und die Daten dann vernichtet werden können.“

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Die Kundschaft reagiere derweil in den meisten Fällen sehr verständnisvoll, „aber wie immer im Leben ist es nicht auszuschließen, dass es auch Skeptiker gibt“, betont Ringel.

Unterschiedliche Auslegung der Regelung

Ähnliches gilt für die Gastronomie-Betriebe. Auch hier müssen neben den Namen der Kunden laut Corona-Schutzverordnung des Landes NRW unter anderem auch deren Anschrift und die Mail-Adresse erfasst werden. Die gesammelten Kundendaten sollen dann vom Gastronom bis zu vier Wochen aufbewahrt und anschließend sicher vernichtet werden.

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So unterschiedlich die jeweiligen Aufbewahrungszeiten sind, so verschieden gehen die einzelnen Bundesländer zum Teil mit dieser Maßnahme um. Während die Betriebe in NRW und den meisten anderen Ländern verpflichtet sind, die Daten ihrer Kunden aufzunehmen, belassen es die Behörden beispielsweise in Berlin bei einer dringlichen Empfehlung.

Vorgehensweise bei Demos hat sich verändert

Unterdessen haben sich die Vorgaben für Versammlungen und Demonstrationen in der Öffentlichkeit verändert, wie der Ordnungsdezernent der Stadt Dortmund Norbert Dahmen in einem Gespräch mit dieser Redaktion am Donnerstag (14.5.) bestätigte.

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Zu Beginn der Lockerungen seien die jeweiligen Versammlungsleiter verpflichtet gewesen, eine Kontaktliste mit den Daten aller Teilnehmer zu erstellen. „Diese wurde dann in einem Briefumschlag der Stadt übergeben und nach drei Wochen ungeöffnet vernichtet“, erklärte Dahmen.

Teilnehmerliste nur noch eine Empfehlung

Seit dem 9. Mai gelte diese Verpflichtung allerdings nicht mehr. Das bestätigt auch die Polizei Dortmund: „Nach zwei Gerichtsurteilen haben wir die Verfahrensweise bezüglich einer solchen Liste noch einmal angepasst“, erklärt Sprecherin Nina Kupferschmidt.

Und sie ergänzt: „Der Versammlungsleiter sollte eine Liste vorhalten, in die sich die Teilnehmer freiwillig eintragen können. Diese Liste wäre dann drei Wochen aufzubewahren.“ Es handele sich somit also lediglich noch um eine Empfehlung.

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