Nicht nur der Schneefall bremst den Flughafen Dortmund. Durch die Corona-Krise sind Schäden in Millionenhöhe entstanden. © Oliver Schaper
Flughafen

Corona-Hilfen: Airport Dortmund muss ohne Zuschüsse des Bundes auskommen

Dortmunds Flughafen sind nach aktueller Rechnung rund 12,5 Millionen Euro Corona-Schäden entstanden. Der Bund will dem Airport aber nur bedingt helfen. Das ist in anderen Städten anders.

Mit gemischten Gefühlen blickt Airport-Geschäftsführer Ludger van Bebber auf die aktuellen Nachrichten aus Berlin. Dort hatten sich die Fachminister und Regierungsfraktionen am Donnerstag (11.2.) verständigt, notleidende Airports mit insgesamt mehr als einer Milliarde Euro zu stützen.

Auch der Dortmunder Flughafen soll Geld bekommen – allerdings längst nicht so viel, wie man sich erhofft hatte. Und: Direkte Zuschüsse des Bundes gibt es für Dortmund nicht.

Das meiste Geld (400 Millionen Euro) soll als nicht rückzahlbarer Zuschuss an die drei Airports mit Bundesbeteiligung fließen. Das sind die Flughäfen Berlin, München und Köln-Bonn. Zwölf weitere Flughäfen “von verkehrspolitisch hoher Bedeutung” wie Bremen, Düsseldorf, aber auch Münster/Osnabrück, sollen ebenfalls Geld erhalten.

Ihnen sollen zumindest jene Kosten erstattet werden, die entstanden sind, weil die Airports trotz des ersten Lockdowns ihre Anlagen von März bis Juni 2020 betriebsbereit halten mussten. Beispielsweise für Ambulanz, Sonder- und Frachtflüge.

Flughafen-Chef: “Das ist nicht nachvollziehbar”

Gleiches galt für den Dortmunder Flughafen. Dennoch soll er bei der Erstattung der „Vorhaltekosten“ leer ausgehen. Nach Angaben von Airport-Chef van Bebber geht es um 4,5 Millionen Euro, auf denen der Airport nun sitzen zu bleiben drohe. Van Bebber quittiert das mit Kopfschütteln. „Das ist nicht nachvollziehbar“, kommentiert der Airport-Chef auf Anfrage.

Bund und Länder seien bestrebt, allen Corona-geschädigten Branchen so weit wie möglich zu helfen. „Das gilt für kleine wie für große Betriebe“, sagt van Bebber. Bei den notleidenden Airports hingegen werde von diesem Muster abgewichen. „Warum?“, fragt der Geschäftsführer.

Etwas zuversichtlicher blickt van Bebber auf einen weiteren Geldtopf: Nach langem Hin und Her darf Dortmunds Flughafen nun zumindest auf die Erstattung der Flugsicherungskosten hoffen. Die beziffert van Bebber auf 1,4 bis 1,6 Millionen Euro jährlich. Die Flugsicherungskosten allerdings haben mit Corona eigentlich nichts zu tun: Der Dortmund Airport (und mit ihm fünf weitere Flughäfen) mahnen seit Langem die Erstattung dieser Ausgaben an.

Wenigstens soll Geld für die Flugsicherung fließen

Das Geld sollte ursprünglich schon im Bundeshaushalt 2020 verankert werden – ausgezahlt wurde bislang nichts. Bereits van Bebbers Vorgänger Udo Mager hatte beim Thema Flugsicherungskosten eine „Benachteiligung“ des Dortmunder Flughafens ausgemacht. Lange vor der Corona-Pandemie.

Hintergrund: In Dortmund wird anders abgerechnet als an 16 weiteren Airports. Dort werden die Leistungen von der Deutschen Flugsicherung (DFS) erbracht, die etwa die Lotsen im Tower stellt. Die Rechnung legt die DFS allein den Airlines auf den Tisch, die Airports bleiben außen vor.

In Dortmund ist das anders: Hier agiert eine DFS-Tochter – und die holt sich die Gebühren vom Flughafen. Der wiederum argumentiert, dass sich die Kosten nur zum Teil auf die Airlines umlegen ließen. Folge: Es gibt eine Finanzierungslücke.

Flughafen-Mutter DSW21 ist gefordert

Genau das soll sich bald ändern. „Das Geld muss aber auch am Airport ankommen“, mahnt van Bebber. Zumindest das könne für etwas Entlastung sorgen. Zumal nun in Berlin erwogen wird, auf Dauer zu wechseln und die Flugsicherungskosten nicht nur für ein Jahr zu erstatten.

Der Bund will für seine direkten Airport-Hilfen auch die Bundesländer mit ins Boot nehmen. Sie sollen sich zur Hälfte beteiligen. Nach jüngster Berechnung beziffert van Bebber die Corona-Schäden am Dortmund Airport für 2020 auf rund 12,5 Millionen Euro.

1992 hatte der Airport mit seiner „Mutter DSW21“ einen „Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag“ vereinbart. Der gilt bis heute. Die Corona-Schäden fallen also DSW21 auf die Füße und müssen dort ausgeglichen werden.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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