Noch sind Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche in Deutschland nicht zugelassen. Trotzdem weckt Gesundheitsminister Jens Spahn Hoffnungen, dass viele Schüler bis zum Ende der Sommerferien geimpft sein könnten. © dpa (Symbolbild)
Neues Schuljahr

Corona-Impfung für Kinder bis Schulstart? Dortmunder Ärztin: „Utopisch“

Der Gesundheitsminister weckt Hoffnungen, dass es bei den Impfungen für Kinder schnell geht: Noch in den Sommerferien werde es Impfangebote geben. Eine Dortmunder Kinderärztin hat Zweifel an dem Plan.

Damit die Schulen nach den Sommerferien sicher ins neue Unterrichtsjahr starten können, sollen Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren in den Sommerferien Corona-Impfungen bekommen. So stellt es sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, brachte für die schnelle Umsetzung Reihenimpfungen in Schulen ins Gespräch.

Beide Punkte sieht die Sprecherin der Kinderärzte in Dortmund skeptisch: „Der Zeitplan bis zum Schulbeginn ist utopisch“, sagt Hendrike Frei. Und das auch ganz abgesehen von Impfstoffknappheit oder Formalia.

Kinderärztin setzt auf Corona-Impfungen in den Praxen

Geht man von zwei Impfungen im Abstand von sechs Wochen aus, müsste man für vollständigen Impfschutz gleich zu Beginn der Sommerferien ein erstes Mal impfen, spätestens mit Schulstart dann zum zweiten Mal. „Es wird im Sommer viele geben, die Urlaub machen – ob nun weiter weg oder nur 50 Kilometer weit weg bei den Großeltern“, sagt Hendrike Frei – das mache den Zeitplan unmöglich.

Aus ihrer Sicht realistischer: „Das Ziel sollte der Herbst sein. Dann würde es in den Praxen geregelter ablaufen können.“ Denn es sei wichtig, dass die Impfungen in den Praxen der Kinderärzte stattfinden, „damit man Eltern beraten kann, es Chancen für Nachfragen gibt. Reihenimpfungen in Schulen halte ich unter diesem Aspekt für schwierig.“

Schriftliches Einverständnis der Eltern notwendig

„Wir kennen die Eltern“, sagt sie – das sei ein entscheidender Vorteil, insbesondere bei einer ganz neuen Impfung.

Zudem sind Ärzte bei der Impfung von Kindern angehalten, das schriftliche Einverständnis der Eltern einzuholen. „Es wird empfohlen, dass beide Eltern ihr Einverständnis geben.“ Bei Pflegekindern müsse der Vormund zustimmen – auch dieses Hintergrundwissen über die persönlichen Lebensumstände eines Kindes benötige man.

Daher sei die Impfkampagne für Kinder und Jugendliche bei den niedergelassenen Ärzten am besten aufgehoben.

Kurzfristige Impfstoff-Lieferungen machen Planung schwierig

Die Impfung an sich sei dabei das kleinste Problem, Impfungen gehören für Kinderärzte zum Tagesgeschäft. Ein viel größeres: der weiterhin knappe Impfstoff. „Was wir bekommen, ist nicht ausreichend“, so die Ärztin, die in ihrer Praxis in Mengede bereits jetzt die Eltern schwer kranker Kinder impft, sowie Risikopatienten ab 16 Jahren.

„Aktuell bestellen wir am Dienstag, erfahren dann Mittwochabend oder Donnerstagmorgen, was wir wirklich bekommen. Dann telefonieren wir die Eltern ab. Wenn die Lieferung verlässlicher wäre, wäre es viel entspannter. Man könnte die Betroffenen einfach nacheinander einbestellen“, so Frei.

Ein Aspekt, der zum Start ins neue Schuljahr für sie wichtiger ist: Lehrer werden bis dahin in Masse geimpft und damit besser geschützt sein. Und das sei entscheidender. Denn bisher gelte, dass Kinder und Jugendliche nur äußerst selten schwer an Covid-19 erkranken.

Ob es daher wirklich sinnvoll ist, diese Gruppe flächendeckend zu impfen, ist noch nicht geklärt. Die Stiko berät noch, ob es nach der Impfstoffzulassung nicht zunächst eher sinnvoll ist, nur chronisch kranke Kinder zu impfen.

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Jessica Will

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