In Dortmund wurden Impftermine in Seniorenheimen verschoben. © Schaper
Holpriger Start

Corona-Impfungen in Dortmund direkt nach Start schon wieder verschoben

Der erste Impftag in Dortmund hat geklappt, doch schon beim zweiten Tag der Corona-Schutzimpfungen in Seniorenheimen lief einiges gewaltig schief – und sorgt für Ärger.

Martin Kaiser, Leiter der städtischen Seniorenheime und damit des größten Trägers in Dortmund, ist bekannt für klare Worte. Auch zu den Schutzimpfungen gegen Corona hat er eine Meinung: „Die vollmundige Ankündigung der Impfungen ist gelungen, der Start aber misslungen.“

Der Grund für seinen Ärger: Die Bewohner des städtischen Seniorenzentrums Haus am Tiefenbach sollten laut Ankündigung vom 22. Dezember am Montag, 28.12., geimpft werden. Doch am Montag um 8 Uhr morgens kam die Absage vom Impfzentrum Phoenix-West. Ohne Begründung. Und das nach den gründlichen Vorbereitungen, die das Seniorenheim neben der ohnehin vorhandenen Mehrbelastung des Personals für die Impfaktion treffen musste.

Impfzimmer mussten hergerichtet werden, für rund 150 Bewohner hatten die Heimmitarbeiter die Einwilligung zur Impfung einholen müssen. „Eine irre Vorarbeit“, sagt Kaiser: „Wir mussten uns mit kritischen Angehörigen und Mitarbeitern auseinandersetzen.“

Und dann habe man den nachfragenden Bewohnern sagen müssen, das finde jetzt doch erst mal nicht statt: „Das schafft kein Vertrauen in die Kommunikation für ein gutes Impfmanagement.“ Jetzt gebe es die Ankündigung, man werde in der ersten Januarwoche im Haus am Tiefenbach impfen.

Ablaufplan vom Ministerium

Am Dienstag, 29.12., sollte im privaten Alloheim Auf der Kronenburg geimpft werden. Auch hier erhielt die Leitung am Montagmittag die Nachricht, der Impftermin werde verschoben.

Und die Verschiebung ist nicht das Einzige, was Martin Kaiser ärgert. Es gibt eine ausführliche Verordnung des NRW-Gesundheitsministeriums vom 14. Dezember. Darin ist der Ablaufplan der aufsuchenden Impfungen minutiös festgeschrieben.

Unter anderem steht dort zu lesen, dass die zuständige Kassenärztliche Vereinigung oder der von ihr benannte Arzt „rechtzeitig vor der Impfung“ in einem „persönlichen Besuch“ der Einrichtung die erforderlichen Unterlagen zur Verfügung stellt, die notwendigen Vorbereitungen vor Ort bespricht und die erste Aufklärung des Personals, der Bewohner und gegebenenfalls der Betreuer vornimmt.

„Keine klare Strategie“

„Dieser Ablauf ist bisher bei uns so nicht aufgeschlagen“, sagt Kaiser, „wir sind nur per E-Mail immer mal wieder mit dem einen oder anderen Bogen versorgt worden. Wir erkennen darin keine klare Strategie.“

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe kann man nicht sagen, warum es zur Verschiebung von Impfterminen gekommen ist, habe aber eine Vermutung, sagt Heike Achtermann von der Stabsreichsleitung Kommunikation auf Anfrage: Am 27. Dezember habe jede Stadt und jeder Kreis nur 180 Impfdosen geliefert bekommen. Achtermann: „So ist es wahrscheinlich zur kurzfristigen Absage gekommen.“

Doch noch am Montag und am Mittwoch (30.12.) kämen mehr Impfdosen als zuvor für 2020 angekündigt, sagt Heike Achtermann. „Wenn ein, zwei Tage später geimpft wird, ist das nicht so schlimm. Hauptsache, die Vorbereitungen sind getroffen“, meint sie.

„Hohes Durcheinander“

Zum Vorwurf von Kaiser, dass der Ablaufplan des Gesundheitsministeriums vor Ort nicht eingehalten werde, sagt Heike Achtermann, alle Heime hätten das Aufklärungsmaterial geschickt bekommen. Wenn ein Heim Klärungsbedarf habe, müsse es den Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung suchen.

„Die Verordnung wird anscheinend so ausgelegt, wie es gerade passt“, kontert Kaiser: „Das ist ein hohes Durcheinander, das am Ende bei uns landet. Und die Angehörigen machen uns für das Chaos verantwortlich.“

Wie drei Bierkästen vor dem Stadion

Auch vom Gesundheitsministerium in Düsseldorf gibt es keine Erklärung für die Verschiebung der Impftermine. Dort verweist man auf die örtliche Ebene.

Martin Kaiser sagt zum verunglückten Start mit den nur 180 Impfdosen: „Das ist, als ob man drei Kästen Bier vors Stadion stellt und sagt: Dann besauft euch mal.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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