Corona-Krise: Dortmunds Friseure dürfen weiter schneiden – doch manche wollen gar nicht

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Friseursalons gehören zu den wenigen Geschäften, die trotz Coronakrise noch in Dortmund öffnen dürfen. Doch wie funktioniert waschen, schneiden, föhnen in allgegenwärtiger Ansteckungsgefahr?

Dortmund

, 18.03.2020, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie man sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützt, weiß inzwischen wohl jedes Kind: Häufig Händewaschen und desinfizieren, in die Armbeuge husten und niesen, und - am Wichtigsten - auf Distanz zu anderen Menschen gehen.

Das alles weiß auch Thorben Bühne. Doch besonders mit dem letzten Punkt hat der 30-jährige Dortmunder so seine Probleme - aus beruflichen Gründen: Der Friseurmeister betreibt einen Barbershop in der Dortmunder Innenstadt.

Damit gehört Bühne zu den wenigen Ladenbesitzern Dortmunds, die weiter geöffnet haben dürfen. Die Landesregierung zählt Haare schneiden zum täglichen Bedarf ihrer Bürger und nahm deshalb Frisöre vom generellen Schließungserlass für Geschäfte aus - ebenso wie unter anderem Supermärkte, Lieferdienste oder Banken.

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Seine Ausnahmestellung sorgt bei Bühne jedoch weniger für Freude, sondern für ein mulmiges Gefühl: „Ich habe Schiss um meine Existenz“, sagt er. Wenn er sich jetzt mit dem Coronavirus anstecke, falle er bestimmt für einen Monat aus. Diese Umsatzverluste könne er nicht verkraften. Deshalb überlegt er, seinen Laden nicht trotzdem vorsorglich zu schließen, kontrolliert, für eine kürzere Zeit: „Ich entscheide jeden Tag neu, ob ich aufmache.“

Solange er geöffnet hat, gelten in seinem Barbershop an der Hohen Straße verschärfte Hygienevorschriften: Mit zwei Aushängen an der Eingangstür macht Bühne klar, dass nur ein Gast gleichzeitig im Laden sein darf, außerdem dürfen nur gesunde „Männers“ eintreten.

Zwei Zettel am Eingang von Bühnes Barber Shop "La Barberia" weisen die Gäste auf die Hygienevorschriften im Laden hin.

Zwei Zettel am Eingang von Bühnes Barber Shop "La Barberia" weisen die Gäste auf die Hygienevorschriften im Laden hin. © Thomas Thiel

Im Laden selbst bekommt jeder Gast sein persönliches Handtuch. Mit dem werden die Kunden erst einmal zur Toilette geschickt, zum Hände waschen und desinfizieren. Das Gleiche macht Bühne, auch mit seinem Werkzeug, vor jedem Kunden. „Wir organisieren uns gerade auch Mundschutze“, sagt der Friseurmeister. Auch wenn ihre Schutzwirkung für den Träger nur sehr begrenzt ist, sei das „gut für den Kopf“, sagt Bühne.

Die Verunsicherung in den Köpfen spürt Bühne auch bei seinen Kunden: „Normalerweise sind wir auf ein Jahr ausgebucht“, sagt Bühne, der sich auf das Trimmen, Stutzen und Pflegen von Bärten spezialisiert hat. „Doch jetzt haben die Hälfte der Kundschaft abgesagt, und auch die Männer auf der Nachrückliste wollen nicht. Das reißt derbe Lücken.“

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Damit ist Bühne nicht allein. Auch andere Friseure auf der Hohen Straße, die es auf die stolze Zahl von rund einem Dutzend Salons auf ihren 1300 Metern Länge bringt, berichten von Kundenabsagen.

Bei Bettina Lange in der Frisierbar einige Hundert Meter weiter stadtauswärts waren es allein am Montag acht Kundinnen, die Zuhause blieben. Die 54-Jährige wird trotzdem solange Haare schneiden, bis es ihr jemand verbietet.

Sie glaubt, dass ihr trotz der Angst vor Ansteckungen nicht die Kunden ausgehen: „Am Ende siegt die Eitelkeit.“

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