Corona-Krise: Evangelische Gemeinde Brackel setzt auf moderne Technik

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Die Kirchengemeinden wollen den Menschen in Krisenzeiten Trost spenden, dürfen aber nicht mit ihnen in Kontakt treten. Wir sprachen darüber mit Pfarrerin Sandra Sternke-Menne aus Brackel.

Brackel

, 01.04.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch die Kirchen müssen in der Corona-Krise umdenken und neue Wege finden, um mit ihrer Gemeinde in Kontakt zu treten. Wir haben darüber mit Pfarrerin Sandra Sternke-Menne von der Evangelischen Gemeinde Brackel gesprochen.

Hallo, Frau Sternke-Menne, wie geht es Ihnen?

Ach, ganz gut. Insgesamt ist es natürlich schon eine komische Situation.

Wie läuft in diesen Tagen das Gemeindeleben?

Wir sind nach wie vor telefonisch und per E-Mail erreichbar, und auch Trauerfeiern finden weiterhin statt - allerdings draußen und auch nicht mit mehr als zehn Personen. Die Gottesdienste fallen aus, aber wir haben für alle, die einen Moment der Einkehr suchen, die Kirche sonntags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Auch einer von uns Hauptamtlichen ist in dieser Zeit anwesend. Manchmal spielt unser Kantor an der Orgel, man kann eine Kerze anzünden, in der Kirche sitzen und beten.

Nun steht bald Ostern an. Was ist da geplant?

Wir öffnen die Kirche am Gründonnerstag zusätzlich von 19 bis 20 Uhr sowie an Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag jeweils von 10 bis 12 Uhr.

Ihre Gemeinde ist bekannt dafür, sich immer etwas ganz Besonderes zu solchen Feiertagen auszudenken. Im vorigen Jahr zu Ostern haben wir Sie auf einer Schaukel fotografiert, um zu symbolisieren, dass das Leben wie eine Schaukel mit Aufs und Abs ist.

Ja, das muss leider in diesem Jahr ausfallen. Wir wollten etwas mit Tanz machen. Das holen wir 2021 nach.

Nutzen Sie das Internet und die modernen Kommunikationstechniken?

Ja, wir haben zum Beispiel ein paar Kurzandachten per Video auf unsere Homepage gestellt. Auch für Kinder wollen wir so etwas machen und ihnen im Video zum Beispiel zeigen, was sie zu Hause tun können. Unser Gemeindebrief ist online erhältlich. Und die nächste Presbyteriums-Sitzung der Kirchengemeinde wird per Videokonferenz laufen. Viele Ältere müssen da jetzt nochmal dazulernen. Aber das ist wichtig, weil viele von ihnen zur Risikogruppe gehören. Neulich hatte ich ein Traugespräch am Telefon. Ich habe die beiden gebeten, mir Selfies von sich zu schicken. Sie haben mir eine ganze Fotostory geschickt. Das war wunderbar und lustig.

Das hört sich in meinen Ohren alles sehr ungewöhnlich für eine Kirchengemeinde an.

Die Situation bietet eine große Chance für die Kirchen sich weiterzuentwickeln. Überhaupt sehe ich in der Corona-Krise nicht nur Negatives. Ich nenne nur mal das Stichwort „Entschleunigung“.

Wie ist beim Haus Beckhoff, in dem Sie ja auch einen Mittagstisch anbieten, der Stand der Dinge?

Das Haus Beckhoff hat momentan geschlossen, auch weil viele Gäste und Mitarbeiter zur Risikogruppe gehören. Die Menschen hängen daran. Wir haben viele Reaktionen mit dem Tenor „Ihr könnt doch nicht das Haus Beckhoff schließen!“ erhalten. Aber wir haben schließlich auch eine Verantwortung. Wir möchten ab dem 20. April einen Außer-Haus-Verkauf an einem Mitnehm-Fenster anbieten – und den Service, das Essen nach Hause zu liefern. In diesem Verkauf sollen vor allem die Jüngeren arbeiten – und natürlich nur mit Mundschutz.

Sie sprachen vorhin von „wir“, als Sie die Hauptamtlichen erwähnten. Wer ist damit gemeint? Pfarrer Ulrich Mörchen ist doch nicht mehr bei Ihnen, oder?

Nein, er ist seit vergangenen Oktober im Kontaktstudium und seit dem 1. März im Kirchenkreis Unna tätig. Mir zur Seite stehen seit 2017 Pfarrerin Bettina Schreiber und seit September 2019 Pfarrer Rudolf Rahn im Entsendungsdienst. Es ist nicht ganz einfach, neue Pfarrer zu finden. Wir werden die Stelle demnächst ausschreiben.


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