Viele Dortmunder Friseure lehnen es im Moment ab, Kindern die Haare zu schneiden. Das hat mit den strengen Corona-Verordnungen zu tun. (Symbolbild) © Jonathan Weiss/Unsplash
Friseure und Hygieneregeln

Corona-Krise: Viele Dortmunder Friseure frisieren keine Kleinkinder mehr

Die Friseursalons in Dortmund sind unter strengen Auflagen wieder geöffnet. Doch wer sein Kind zum Friseur schicken möchte, muss lange suchen. Einige Friseure schneiden ihnen nicht mehr die Haare.

Nicht nur Erwachsene haben sich gefreut, als sie endlich wieder zum Friseur durften. Auch die Frisuren von Kleinkindern dürften in den Monaten des Lockdowns gelitten haben.

Eine Mutter aus Dortmund, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, erzählte uns, dass sie vor ungeahnten Problemen stand, als sie für ihre Tochter einen Friseur suchte.

Kinder bekommen keinen Haarschnitt: Hinweisschild und keine Neukunden

Drei Jahre ist ihr Mädchen alt und noch zu klein und schüchtern, um einen Friseurbesuch ohne Begleitung von Mama oder Papa auszuhalten.

„Einen Marathon habe ich zwar nicht abtelefoniert“, sagt sie, aber zwei Dinge hätten sie dazu gebracht, aufzugeben. Eine Friseurin sagte ihr, dass sie keinen unbekannten Kleinkindern die Haare schneidet und im Salon-Schaufenster von Kinkys sah die Mutter ein Schild mit dem Hinweis, dass Kindern hier nicht die Haare geschnitten würden.

„Bei dem Irrwald von Bestimmungen blickt auch keiner mehr durch“, sagt Frank Griewel, der das Kinkys an der Rittershausstraße und den Barberbella Shop betreibt. Seit dem ersten Lockdown steht in seinem Schaufenster ein Hinweisschild seiner Berufsgenossenschaft, nach dem Kinder unter zehn Jahren nicht die Haare geschnitten bekommen.

Dieses Hinweisschild hat Friseur Frank Griewel seit dem ersten Lockdown im Schaufenster seines Salons hängen.
Dieses Hinweisschild hat Friseur Frank Griewel seit dem ersten Lockdown im Schaufenster seines Salons hängen. Kindern unter zehn Jahren kann er im Moment nicht die Haare schneiden. © Frank Griewel © Frank Griewel

Ausnahmen mache er inzwischen aber trotzdem, schließlich sei es auch wieder erlaubt. Nur ob ein Kind mit Begleitperson als Extraperson gezählt wird und damit ein Kunde weniger in der Zeit bedient werden kann, das weiß er nicht zu hundert Prozent.

Auch Friseurin Renate Jermann geht lieber auf Nummer sicher, sie nimmt momentan keine neuen Kinder als Kunden an.

Die Sache mit dem Haareschneiden bei Kindern, sei „ganz schwierig“, sagt sie.

In ihren Salon „Kunterbunt“ dürfen sich zeitgleich sechs Leute aufhalten. Das heißt drei Mitarbeiter schneiden gleichzeitig drei Kunden die Haare.

Ein Kind, das sich nur mit Elternteil in Begleitung die Haare schneiden ließe, würde im Grunde gleich zwei Termine benötigen, nimmt sie an.

Frank Kulig, der einen Salon in der Dortmunder Innenstadt betreibt und Obermeister der Friseurinnung Dortmund und Lünen ist, kann Kolleginnen wie Renate Jermann und Frank Griewel verstehen. „Die Friseure denken sich, eh ich was falsch mache, lasse ich es lieber“, sagt er.

Was ist erlaubt?

Er moniert, dass die Kommune dem Friseurhandwerk keine klare Linie vorgibt. „Ich bekomme meine Informationen von meiner Innung, aber nicht jeder ist dort Mitglied“, weiß Frank Kulig. Friseure müssten sich die Regeln mühsam in der aktuellen Verordnung zusammensuchen.

Eine Person je zehn Quadratmeter dürfen sich mit FFP2-Maske in einem Friseursalon aufhalten, Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahrs brauchen keine Maske zu tragen, müssen aber ebenfalls einen Test vorweisen, sagt die Stadt.

Auf Anfrage der Redaktion sagt Stadtsprecher Christian Schön mit Verweis auf die Corona-Arbeitsschutzverordnung, dass bei der Personenanzahl nicht zwischen Kindern und notwendigen Begleitungen unterschieden werde.

„Das würde dem Zweck der Regelung widersprechen“, sagt er und meint damit, die Berechnung der maximalen Personenanzahl abhängig von der Ladengröße.

Dass im Kinkys immer noch das Schild hängt, erklärt Frank Griewel so: „Es besteht ja auch die Pflicht des Friseurs, die Haare vorm Schneiden zu waschen.“ Bei Kleinkindern sei das mitunter nicht so einfach.

Die Mutter des dreijährigen Mädchens kann die Argumente der Friseure verstehen. „Wir machen niemandem einen Vorwurf.“ Am Ende hat ihr Mann ganz pragmatisch selbst zur Schere gegriffen. „Ich finde, es sieht gut aus“, sagt die Mutter.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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