Trotz der schwierigen Zeiten bleibt Balletttänzerin Clara Sorzano optimistisch. © Oliver Schaper
Profi-Tänzerin

„Corona lässt alle meine Träume platzen!“

Clara Sorzano machte als Balletttänzerin in Dortmund Karriere: Seit dem ersten Lockdown ist das Leben der jungen Mutter aber auf den Kopf gestellt. Sie erzählt, wie sie trotzdem positiv bleibt.

Clara Carolina Sorzano Hernandez liebt das Publikum, liebt die Bühne und tanzt aus Leidenschaft Ballett. Bis März 2020 war die 35-Jährige im Dortmunder Theater zu sehen und zu bewundern – dann setzte der erste Corona-Lockdown der Karriere abrupt ein Ende. „Es war eine absolute Katastrophe!“, sagt sie. Seitdem hat die gebürtige Südamerikanerin nicht mehr vor Live-Publikum getanzt.

Corona stellt das Leben der Tänzerin auf den Kopf

Seit 2014 war Clara Teil des Dortmunder Ballett-Ensembles. Im August 2020 endete der Vertrag. Im Mai und Juni vergangenen Jahres hätte Clara erste Gastauftritte in Köln haben sollen, das war in Dortmund so abgesprochen, und sie hätte dann dort fest übernommen werden sollen.

Wegen Corona kam aber alles anders. Die Veranstaltungen fielen aus, der neue Vertrag kam nicht zustande und eins war in diesem Moment klar: „Corona lässt alle meine Träume platzen!“, dachte sie.

Von jetzt auf gleich änderte sich alles. Das Leben der Tänzerin wurde komplett auf den Kopf gestellt. Ob sie für einen neuen Vertrag schon zu alt sein würde? Darüber habe sie sich den Kopf zerbrochen.

Und ihre Ballettschule „Dance & Art“, die sie mit ihrem Mann Carlos erst im Oktober 2019 gegründet hatte, musste auch schließen. Einen kurzen Lichtblick gab es zur Wiedereröffnung im Mai, die Schließung im Oktober setzte dem wiederum ein jähes Ende.

Im Lockdown trainiert Clara Sorzano zwei Stunden täglich, um fit zu bleiben.
Im Lockdown trainiert Clara Sorzano zwei Stunden täglich, um fit zu bleiben. © Dean Barucija © Dean Barucija

Familie aus Venezuela an Corona erkrankt

Zusätzlich zu den beruflichen Sorgen wegen Corona machten ihr die Nachrichten von ihrer Familie aus Venezuela schwer zu schaffen: Ihre Geschwister und ihre Eltern haben sich alle mit dem Coronavirus infiziert. Jetzt gehe es zwar allen wieder gut, der Schock habe aber tief gesessen.

Sie alle nicht sehen zu können, mache sie traurig und die Angst vor der Krankheit sei groß. Mit ihrem Mann und ihrer dreijährigen Tochter Luna sei sie deshalb sehr viel zuhause, erzählt die 35-Jährige.

Trotz der schwierigen Zeiten bleibt die Balletttänzerin optimistisch - auch zum Wohl ihrer Familie.
Trotz der schwierigen Zeiten bleibt die Balletttänzerin optimistisch – auch zum Wohl ihrer Familie. © privat © privat

Anstatt 8 Stunden trainiert Clara jetzt nur noch zwei Stunden täglich. Immer dann, wenn ihre Tochter Luna schläft. Ansonsten gebe es jetzt zu Hause ein Kinderprogramm aus Tanzen, Yoga und Singen gegen die Langeweile.

Doch auch das kann ihre kleine Tochter nicht immer aufmuntern: „Es gibt Tage, da weint Luna den ganzen Tag. Ich habe Hochachtung vor allen Vollzeit-Mamas. Das ist härter als jedes Balletttraining!“, sagt sie und lacht.

Videos auf Instagram sollen Dortmunder fröhlich machen

Sie und ihr Ehemann Carlos versuchen sich trotz der ungewissen Zeiten zu motivieren und positiv zu bleiben. Finanziell könnten sie sich bisher noch über Wasser halten, erzählt Clara.

Er gebe Tanz- und Yogastunden und sie modele zwischendurch. Schwieriger als die finanzielle Lage sei aber für sie nicht tanzen zu können – und für ihr Publikum nicht präsent zu sein.

Die Dortmunder hätten immer viel Respekt für die Ballettwelt gezeigt, sagt Clara. Wenn sie schon nicht auf der Bühne für sie tanzen könne, wolle sie sie immerhin virtuell erreichen und ihnen etwas in den schwierigen Zeiten zurückgeben.

In den sozialen Medien, auf Instagram etwa, wolle sie deswegen ihre Kunst darbieten, um die Menschen wieder ein bisschen fröhlicher zu machen – und sich selbst auch. Die Motivation zu behalten, sei eine große Herausforderung.

Die Hoffnung, ganz bald wieder auf der Bühne tanzen zu können, sei ihr Ansporn. Wenn alles gut laufe, werde sie im kommenden April in dem Stück „My generation“ des US-Choreografen Richard Siegal zu sehen sein und ab August seine Kompanie namens Ballet of Difference als fester Bestandteil am Schauspiel Köln vervollständigen – wenn Corona ihr nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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