Corona: Mia (13) aus Dortmund ist chronisch krank - kann sie jetzt der Schule fernbleiben?

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Eine Mutter aus Dortmund möchte ihre chronisch kranke Tochter wegen des Coronavirus zu Hause lassen. Bisher galt die Schulpflicht. Jetzt gibt es eine neue Regelung, die für Eltern wichtig ist.

Dortmund

, 12.03.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Maren Middendorf ist in großer Sorge. Ihre Tochter Mia leidet seit dem fünften Lebensjahr an Diabetes. Am liebsten würde die Mutter die 13-Jährige nicht mehr in die Schule schicken. Sie hat Angst, dass Mia sich mit dem Corona-Virus infizieren könnte.

Doch die allgemeine Schulpflicht erlaubt es normalerweise nicht, Kinder eigenmächtig vom Unterricht zu befreien. Deshalb hat die Dortmunderin schon viele Stellen angeschrieben - von der Stadt bis hin zum Bundesgesundheitsministerium.

„Es geht mir darum, chronisch kranke und immunschwache Kinder und Jugendliche vor einer möglichen Covid-19-Infektion zu schützen“, erklärt die 46-Jährige.

„Ich bin da wirklich verzweifelt.“

Bisher hatte sich noch niemand zurückgemeldet - weshalb sich die Mutter an unsere Redaktion gewandt hatte. „Ich bin da wirklich verzweifelt.“

Beim Gesundheitsamt habe sie am Donnerstag die Rückmeldung bekommen, dass ihre Anfrage - neben vielen weiteren zum Thema Coronavirus - weitergeleitet werde. „Die haben natürlich viele Anfragen im Moment, das ist mir schon klar“, sagt Maren Middendorf.

Mia ist Achtklässlerin und besucht die Realschule. Sie geht gern zur Schule und kommt auch mit ihrem Diabetes gut zurecht. „Ihre Erkrankung ist zwar gut eingestellt, dennoch bedeutet ein Infekt eine extreme Belastung für ihren Körper, der bei uns immer mit der Sorge einer Stoffwechselentgleisung verbunden ist“, erklärt Maren Middendorf. Dementsprechend sei die Furcht vor einer Covid-19-Infektion sehr hoch.

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Bei jeder Pressekonferenz, die sie verfolgt, gerät die Mutter in Rage. „Es heißt immer, dass besondere Risikogruppen geschützt werden müssen. Aber chronisch kranke Kinder gehören doch dazu.“

Der Schulleiter von Mias Schule könne die Entscheidung nicht treffen, selbst wenn er wollte. „Den Schulen sind die Hände gebunden, die Schulen müssen sich doch an die allgemeinen Anweisungen halten“, sagt Maren Middendorf.

Auf Anfrage bei der Bezirksregierung Arnsberg erklärt Pressesprecherin Ursula Kissel am Donnerstagmittag von einer neuen Entwicklung: „Es hat gerade einen Austausch mit den Gesundheitsämtern gegeben. Chronisch kranke Kinder können der Schule ab sofort auch ohne ärztliches Attest fernbleiben.“

Dazu erklärt die Pressesprecherin: „Man sollte auf jeden Fall Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten. Danach können die Eltern in einem Schreiben an die Schule erläutern, dass sie ihr Kind auf Empfehlung des Arztes lieber zu Hause lassen.“

Absprache mit dem Arzt und der Schule ist wichtig

Wichtig sei, erklärt Kissel, die Lage gemeinsam mit dem Arzt und der Schulleitung regelmäßig neu einzuschätzen. „Ich wünsche der Familie alles Gute“, sagt sie. Maren Middendorf ist erleichtert: „Diese Nachricht ist großartig. Mir fällt gerade ein Riesenstein vom Herzen.“

Info des Schulministeriums Nordrhein-Westfalen
  • Die Bezirksregierung Arnsberg verweist auf den Punkt „Fernbleiben vom Unterricht“, der auf der Homepage des Schulministeriums unter dem Punkt „Information zum Umgang mit dem Corona-Virus im Schulbereich“ zu finden ist.
  • Dort steht: „Sofern eine Schule nicht von den zuständigen Gesundheitsbehörden geschlossen wurde, besteht grundsätzlich Schulpflicht nach § 43 Absatz 1 SchulG.
  • Ist eine Schülerin oder ein Schüler durch Krankheit oder aus anderen nicht vorhersehbaren Gründen verhindert, die Schule zu besuchen, so benachrichtigen die Eltern unverzüglich die Schule und teilen schriftlich den Grund für das Schulversäumnis mit.
  • Eltern sollten dahin beraten werden, die Entscheidung über die Teilnahme am Unterricht zur Vermeidung einer Corona-Infektion nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt zu treffen.“
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