Während vor einem Jahr noch die Augen von über 700 Gästen auf ihn gerichtet waren, sprach IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann seine Jahresrede diesmal nur in eine Kamera. Erstmals fand der IHK-Jahresempfang nur virtuell statt. © IHK/Stephan Schütze
IHK-Jahresempfang

Corona-Verbote „nicht fair“ – Dortmunder Unternehmen im Stimmungstief

Düstere Stimmung bei vielen Firmen, Kritik an den Schutzmaßnahmen, aber auch Zuversicht: Beim virtuellen Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer drehte sich nicht alles um Corona.

So viel Auf und Ab in der Stimmungslage ihrer Mitglieds-Unternehmen hat die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund (IHK) innerhalb eines Jahres wohl noch nie festgestellt. Die Umfrage-Ergebnisse in diesem Jahr gleichen einer Achterbahnfahrt.

Das wurde am Montagnachmittag beim traditionellen Jahresempfang der IHK deutlich. „Noch Ende September zum Beispiel war die Stimmung angesichts relativ niedriger Neuinfektionen verhalten optimistisch. Danach stiegen die Corona-Zahlen wieder deutlich an und der von Bund und Ländern beschlossene Teil-Lockdown mit seinen neuen Einschränkungen hat sich sehr negativ bemerkbar gemacht“, sagt Kammerpräsident Heinz-Herbert Dustmann in seiner Jahresrede.

Anders als am ersten Dezember-Montag vor einem Jahr war der Große Saal der IHK diesmal allerdings ziemlich menschenleer. Wo sich damals noch über 700 Gäste tummelten, hielten sich diesmal vornehmlich Techniker auf, die Dustmanns Rede live ins Internet streamten.

Mehr als die Hälfte der Firmen beklagt schlechte Lage

Direkte Reaktionen auf die Themen des Jahres waren diesmal also bei Dortmunds Unternehmerschaft nicht zu spüren. Für mehr als die Hälfte der 460 im November befragten Firmen hat sich die wirtschaftliche Lage durch die Pandemie nach eigenen Angaben nun auf jeden Fall verschlechtert.

So war es vor einem Jahr. Mehr als 700 Gäste kamen am 2. Dezember 2019 zum IHK-Jahresempfang in den Großen Saal der Kammer an der Märkischen Straße in Dortmund
So war es vor einem Jahr. Mehr als 700 Gäste kamen am 2. Dezember 2019 zum IHK-Jahresempfang in den Großen Saal der Kammer an der Märkischen Straße. Die Corona-Pandemie war da in Deutschland noch kein Thema. © (A) Stephan Schütze © (A) Stephan Schütze

Dementsprechend gibt es andersherum betrachtet aber auch viele Betriebe in Handel und Industrie, die nichts zu meckern haben. Ein Drittel der Unternehmen sieht sich gegenwärtig in einer guten Lage. Und: Dass sich die wirtschaftliche Situation 2021 aufhellt, das glaubt ein Viertel der Unternehmen. Genauso viele Betriebe gehen aber auch davon aus, dass sich die Lage noch weiter verschlechtern wird.

„Erstaunlicherweise“, so Heinz-Herbert Dustmann, „hat sich die Bewertung der aktuellen Lage im Vergleich zum Juni in manchen Bereichen verbessert. Die Zahl der Unternehmen, die angegeben haben, ihre Lage sei schlecht, hat sich von 31,4 Prozent im Juni auf 23,9 Prozent im November reduziert.“ Über die Gründe sagte der Kammerpräsident nichts. „Ob es an den staatlichen Hilfen liegt oder ob sich die Unternehmen besser auf die Situation einstellen konnten, sei dahingestellt“, so Dustmann.

Und dann holte er zur Kritik am Teil-Lockdown im November und der Verlängerung bis zum 10. Januar aus. „Unserer Meinung nach gehen die Maßnahmen bei einigen wichtigen Punkten zu weit und setzen an der falschen Stelle an“, sagte der Präsident.

Und: „Die meisten Abstands- und Hygieneregeln haben sich in der Praxis bewährt. Und Gastronomie-, Freizeit- und Kulturbetriebe sollten nicht für die gestiegene Infektionsdynamik verantwortlich gemacht werden. Dennoch müssen sie schließen! Das ist nicht verhältnismäßig und nicht fair! Und die konsequente Anwendung des Verursachungsprinzips vermissen wir auch. Gleiches gilt für das Verbot von privaten Übernachtungen in Hotels; und dass Friseure öffnen dürfen – was richtig ist! – Tattoo- und Kosmetikstudios hingegen nicht, ist ebenfalls kaum nachvollziehbar.“

Smart Rhino und Mikrodepot wecken Zuversicht

Dustmann erinnerte dann daran, dass nach hartem Ringen das Karstadt-Warenhaus und Karstadt-Sport in Dortmund gerettet werden konnten. Ein Mutmacher für die Zukunft sei auch das Städtebauprojekt Smart Rhino auf dem ehemaligen HSP-Gelände.

Zuversichtlich stimme auch ein Projekt für die letzte Meile, auf der Pakete den Weg hin zum Kunden finden müssen. „Am Wall in Dortmund startet Anfang 2021 ein temporäres Mikrodepot, um den Lieferverkehr zu entlasten. Große Paketdienstleister wie die Deutsche Post, GLS, UPS und DPD unterstützen das Vorhaben“, so Dustmann.

Was daraus geworden ist, will der Präsident im nächsten Jahr verkünden. Dann hoffentlich wieder vor 700 Gästen im rappelvollen Großen Saal.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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