Die Corona-Warn-App zeigt acht Risiko-Begegnungen an – Was jetzt?

mlzErfahrungsbericht

Plötzlich ist das Display rot. Acht Risiko-Begegnungen zeigt die Corona-Warn-App unserem Autor an. Was macht man dann? Ein unfreiwilliger Erfahrungsbericht über einige Unwägbarkeiten.

Dortmund

, 22.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ich wische auf meinem Handy nach unten, um die Corona-App zu aktualisieren. Gerade war das Display noch grün. Alles okay also. Jetzt ist die Anzeige tiefrot. Okay, das ist nicht gut, schießt es mir durch den Kopf. Es ist erstaunlich, wie schnell die Signalfarbe Rot ihre Wirkung entfaltet. Zack. Alarm.

Erhöhtes Risiko steht in der App. Ich hatte acht Risiko-Begegnungen in den vergangenen 14 Tagen, wird mir angezeigt. Die letzte soll vor zwei Tagen gewesen sein. Was mache ich jetzt, frage ich mich. Dann aber: Wo kommen die denn auf einmal her? Das kurze Alarm-Signal wird schnell von Verwunderung abgelöst. Es rattert im Kopf.

Ein Screenshot der Corona-App von Lukas Wittland vom 8. Oktober.

Ein Screenshot der Corona-App. Das wird unserem Autor am 8. Oktober angezeigt. © Screenshot Corona-App

Letzte Woche war ich auf diesem Seminar, da waren wir aber nur acht Leute im Kurs und alle saßen weit auseinander, vielleicht saß bei der Bahnfahrt jemand neben mir, eigentlich war der Zug aber ziemlich leer. Freitag vielleicht, als ich kurz ein Bier am Bergmann-Kiosk getrunken habe? Oder Montag, als ich mit einem Freund etwas essen war?

Tag für Tag werden es weniger Risiko-Begegnungen

Die App gibt mir darauf keine Antwort. Irgendwann in den vergangenen 14 Tagen gab es diese Risiko-Kontakte, der letzte war vor zwei Tagen. Wann diese Kontakte gewesen sind und ob ich diese acht Personen an einem Ort getroffen habe, kann ich nicht erfahren. Ich hatte aber nicht so engen Kontakt zu so vielen Leuten und kann es mir deshalb nicht vorstellen. Die darauffolgenden Tage zeigt sich auch: Ich liege richtig.

Fünf Tage, nachdem mir der Bildschirm rot entgegenleuchtet hat, werden mir nur noch vier Risikobegegnungen angezeigt. Von Tag zu Tag wurden es weniger. Die anderen sind aus der 14-Tage-Frist herausgerutscht. „Ältere Tage werden automatisch gelöscht, da sie aus Sicht des Infektionsschutzes nicht mehr relevant sind“, erklärt die App.

Fünf Tage nach dem ersten Blick aufs Handy sind noch vier Risiko-Begegnungen registriert. Die letzte Begegnung liegt sieben Tage zurück.

Fünf Tage nach dem ersten Blick aufs Handy sind noch vier Risiko-Begegnungen registriert. Die letzte Begegnung liegt sieben Tage zurück. © Screenshot Corona-App

Gemeldet wurde mir allerdings keine einzige der Begegnungen per Push-Nachricht. Dabei habe ich die Benachrichtigungen in der App aktiviert. Das hatte ich eigentlich erwartet. Hätte ich nicht aktiv in die App geschaut, hätte ich die Meldungen nicht mitbekommen. Und das tue ich ehrlicherweise nicht jeden Tag. Wann ich davor zuletzt nachgeguckt habe, weiß ich nicht mehr.

Acht Risiko-Begegnungen - Was mache ich denn jetzt?

Aber jetzt zur Frage „Was mache ich denn jetzt?“, die eigentlich die wichtigste ist. „Begeben Sie sich, wenn möglich, nach Hause bzw. bleiben Sie zu Hause“, rät die Corona-App. Gut, das habe ich gemacht. Als ich im Innenhof des Medienhauses auf mein Handy geschaut habe, dachte ich: Jetzt arbeiten zu gehen, ist vielleicht nicht die beste Idee und bin wieder umgekehrt.

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„Halten Sie mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen.“ Das habe ich auf dem Weg nach Hause auch hinbekommen. „Für Fragen zu auftretenden Symptomen, Testmöglichkeiten und weiteren Isolationsmaßnahmen, wenden Sie sich bitte an eine der folgenden Stellen“:

  • Ihre Hausarztpraxis
  • Den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst
  • Ihr Gesundheitsamt

Probiere ich‘s mal zuerst beim Hausarzt, denke ich mir. Immer besetzt. Dann rufe ich das Gesundheitsamt an. Warteschlange. Nach drei Minuten geht eine Frau ans Telefon. Die Hotline sei dem Gesundheitsamt vorgelagert, sagt sie und ergänzt sinngemäß: damit die Kollegen sich nicht noch zusätzlich mit jeder Anfrage herumschlagen müssen. Verständlich. Ich schildere meinen Fall und frage: „Was mache ich denn jetzt? Muss ich mich testen lassen?“

Kein Rückruf des Gesundheitsamtes

So richtig kann mir die Frau am Telefon das auch nicht sagen. Dass ich zu Hause bin, sei gut. Sie merkt aber auch an, dass es ja sein könne, dass ich an den Leuten nur vorbeigelaufen sei. Ich entgegne, dass ich das nicht glaube, weil dann die App nicht anschlagen würde.

In dieser steht nämlich: „Sie haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, da sie zuletzt vor 2 Tagen mindestens einer nachweislich Corona positiv-getesteten Person über einen längeren Zeitraum und mit einem geringen Abstand begegnet sind. Die Infektionswahrscheinlichkeit wird daher als erhöht für Sie eingestuft.“

Sie werde weitergeben, dass ich angerufen habe, sagt die Frau am Telefon und notiert sich meine Nummer. „Im Laufe des Tages wird sich jemand bei ihnen melden.“ Ich schreibe diesen Text, am neunten Werktag nach meinem Anruf, zwei Wochenenden lagen auch noch dazwischen. Einen Rückruf habe ich nicht erhalten.

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Klar, das Gesundheitsamt hat viel zu tun. Ein Anruf mit der Aufforderung, ich solle zu Hause bleiben und meinen Hausarzt kontaktieren, müsste ja sicherlich drin sein. Das Gesundheitsamt kann ja nicht davon ausgehen, dass das jeder von selbst tut, denke ich.

Und was ist jetzt mit dem Test-Ergebnis?

Immerhin erreiche ich wenig später meinen Hausarzt. Acht Begegnungen seien schon viel, sagt er. Obwohl ich keine Symptome zeige, sei es besser, einen Test zu machen. Allerdings wissen wir ja nicht genau, wann die Begegnungen waren, nur dass die letzte vor zwei Tagen war. Deshalb soll ich nicht noch am selben Tag (Donnerstag) zum Abstrich kommen, sondern erst am Dienstag.

Sollte ich infiziert sein, könne man das sonst wahrscheinlich noch nicht nachweisen, sagt er. Bis dahin sollte ich mich häuslich isolieren, heißt also: fünf Tage in meiner Wohnung bleiben. (Kleine Randnotiz: Die Küche glänzt jetzt übrigens.)

Der Test wurde erfolgreich hinzugefügt, zeigt die App an. Das Ergebnis steht dort aber auch eine Woche nach dem Test noch nicht, dabei liegt es schon seit vier Tagen vor.

Der Test wurde erfolgreich hinzugefügt, zeigt die App an. Das Ergebnis steht dort aber auch eine Woche nach dem Test noch nicht, dabei liegt es schon seit vier Tagen vor. © Screenshot Corona-App

Das Testen selbst ist dann ein bisschen unangenehm, aber eigentlich halb so wild. Ich bekomme einen QR-Code, den ich über die Corona-App einscannen kann. Der Test ist jetzt in der App registriert. Liegt ein Ergebnis vor, kann ich es einsehen. So die Theorie. Nur klappt das nicht. Der vierzehnte Tag ist um, meine App zeigt mir wieder ein beruhigendes Grün an. 14 Tage seit dem letzten Risiko-Kontakt sind schließlich um.

Ein Test-Ergebnis wird mir in der App aber nicht angezeigt (Stand 21.10.). Dabei liegt es meinem Hausarzt schon seit Freitag (16.10.) vor. Hätte ich gewusst, dass ich mich auf die Verknüpfung mit dem QR-Code nicht verlassen kann, hätte ich meinen Arzt schon früher angerufen. So bin ich dann noch mal das ganze Wochenende zu Hause geblieben. Immerhin eine gute Nachricht: Der Test ist negativ.

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