Corona: Wie lange reichen die Intensiv-Plätze noch?

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Wie lange reichen die Intensivplätze in Dortmund, wenn die Corona-Zahlen weiter steigen? Sind genügend Spezialpfleger da? Das Klinikum kann den Zeitraum ziemlich genau einschätzen.

Dortmund

, 04.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Coronazahlen steigen – nicht nur die der Fälle allgemein, sondern auch die der Patienten in den Fachkliniken. „Wir haben aktuell 60 Patienten in unserem Klinikum in Nord“, sagt Dr. Bernhard Schaaf: „Letzte Woche waren es noch 30.“

Die Intensivmedizin sei zwar sehr dynamisch, heißt es aus dem Klinikum. Einfaches Hochrechnen allein reiche nicht. Durchkalkuliert hat man es trotzdem: Wie oft kann sich die Zahl der Intensivpatienten noch verdoppeln, bis es eng wird? Und was macht man, falls das passiert?

Ausbildung zum Intensivpfleger dauert lange

Denn es geht nicht nur um die Betten an sich. Einige Experten, etwa die Krankenhausgesellschaft NRW, warnen davor, dass das Personal knapp wird. Gerade das speziell ausgebildete: die Intensivpfleger.

„Wir halten diese Verdopplung noch zwei, drei Wochen aus, aber dann wird es eng“, sagt Klinikum-Sprecher Marc Raschke. Dann müsse man wohl umschichten.

Nicht jeder Pfleger kann rasch zum Intensivpfleger werden. Das bedingt eine jahrelange Weiterbildung. Grob vereinfacht: Wie man die medizinischen Maschinen und Geräte auf einer Intensivstation bedient, lässt sich zwar zügig lernen – zumindest technisch. An den Maschinen hängen allerdings Menschen, und Menschen sind verschieden, auch Krankheitsverläufe sind verschieden.

Deshalb sind die Einstellungen von allergrößter Bedeutung. Es kommt auf Erfahrungen und Details an.

Überlegung: Anästhesiepfleger könnten einspringen

Auf wen also könne man zurückgreifen, falls es hart komme? Eine Überlegung: Anästhesiepfleger könnten übernehmen, da sie immerhin die Erfahrungen aus dem OP mitbringen.

Sollten Intensivbetten im Bereich Lunge eng werden, müssten neue Covid-19-Patienten auf die Plätze ausweichen, die eigentlich für Herz-Patienten vorgesehen sind.

Dr. Schaaf unterstreicht: „Wenn wir mehr Intensivbetten betreiben können und wollen oder müssen, werden wir die mit Pflegekräften besetzen müssen.“ Die Besetzung sei vielleicht nicht im gleichen Maß wie jetzt. „Ich denke aber, dass wir trotzdem eine vernünftige Versorgung machen können – bis zu einem bestimmten Grad.“

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Sorge vor „zwei bis drei Wochen Blindflug“

Die Gewerkschaft Verdi warnt davor, beim Personal weiter zu sparen, etwa die Untergrenzen außer Kraft zu setzen. Das Klinikum Dortmund hält entgegen, man sei im Prinzip ähnlicher Meinung. Schon 2018 habe man schließlich an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geschrieben, die Untergrenze dürfe nicht weiter gesenkt werden.

Eine Sache, die den Verantwortlichen im Klinikum aber Sorge bereitet: Man habe „zwei bis drei Wochen Blindflug“, heißt es. Erst dann, so Dr. Schaaf, „werden die einschneidenden Maßnahmen wirken – vielleicht.“

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