Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer auf. Immer mehr Fälle werden bekannt von Menschen, die sich außerhalb der Reihenfolge haben impfen lassen. © dpa
Überschüssiger Impfstoff

Coronavirus: Dortmunderin drängelte sich bei Impfung vor

Die vorzeitige Impfung von Politikern, Klinikchefs und Funktionären in Deutschland hat viel Kritik hervorgerufen. Immer öfter häufen sich Meldungen über Impf-Vordrängler. Und in Dortmund?

Klare Frage, klare Antwort: Nein, Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (53) hat noch keine Spritze erhalten, sagt Verwaltungssprecher Frank Bußmann auf Anfrage. „Weder OB Thomas Westphal noch die Dezernentinnen und Dezernenten sind bereits gegen das Corona-Virus geimpft.“

In einem Video-Interview auf den städtischen Social-Media-Kanälen unterstreicht Westphal die geltende Impfordnung und warnt vor Vordränglern. Ja, er bekomme Briefe von Menschen, die fragen „Warum nicht wir?“, berichtet der OB. Er könne allen nur raten, sich das Ansinnen genauer zu überlegen. „Das bedeutet ja immer, dass man anderen, die eigentlich dran sind, einen Impfstoff wegnimmt.“

So sieht das auch Dr. Reinhard Büker, ärztlicher Leiter des Dortmunder Impfzentrums auf Phoenix-West. Auch er hat diverse Anrufe von Dortmundern in Erinnerung, die aus der Impf-Reihenfolge ausscheren und früh mit dabei sein wollten. „Manche Anrufer haben gedroht, andere haben ihre persönliche Situation geschildert“, erzählt Büker. Inzwischen habe das aber deutlich nachgelassen.

Die Verteilung von Rest-Impfstoff ist klar geregelt

Eine Garantie gegen Aus-der-Reihe-Tänzer, die eben nicht zur priorisierten Gruppe gehören, kann Büker zwar nicht geben. „Mir persönlich ist aber bis heute kein Fall bekannt.“ Zumindest kein Prominenter.

Einen Vorfall indes hat es gegeben: Bei der Impfung eines Rettungssanitäters mit restlichem Vakzin soll auch gleich dessen Frau beziehungsweise Lebensgefährtin die Spritze erhalten haben – obschon die Frau nicht zur Risikogruppe mit der höchsten Priorität gehört.

Wie das herauskam? Die betreffende Dortmunderin, offensichtlich froh über ihre Impfung, hatte sich im Netz in den sozialen Medien selber geoutet.

Dabei ist der Ablauf zum Umgang mit Rest-Impfstoff klar geregelt: Bleibt nach der Impfung in einem Seniorenheim Impfstoff zurück, der bereits aufbereitet ist und möglichst schnell in die Arme muss, hält das Impfteam Rücksprache mit der Koordinierungseinheit im Impfzentrum auf Phoenix-West. Von dort kommt dann die Ansage, wer das restliche Vakzin erhalten soll.

„Rückmeldungen teilweise bis 2 Uhr nachts“

„Das können Rettungsdienstler sein, die bei ihren Einsätzen mit Corona-Patienten in Berührung kommen“, sagt Büker. Oder beispielsweise priorisierte Gruppen innerhalb der Pflegeheime. Büker: „Wir haben eine strikte Zuordnung und gehen hier in Dortmund streng nach Prioritätenliste vor.“

Die Impfärzte vor Ort hätten da so gut wie keinen Entscheidungsspielraum. Teilweise habe es „bis zwei Uhr nachts“ Rückmeldungen aus den Impfteams gegeben, berichtet Büker.

Ob jemand in Einzelfällen versucht, sich doch an der Impfreihe vorbei zu mogeln, vermag die Stadt Dortmund nicht zu sagen. Gänzlich ausschließen kann das wohl niemand.

Entsprechend vorsichtig fällt auch die Stellungahme der Verwaltung aus: Es gebe keine Kenntnisse, „dass die Stadt dafür gesorgt hat oder es willentlich und wissentlich zugelassen hat, dass Menschen geimpft wurden, die nicht berechtigt sind oder waren“, teilt das Presseamt auf Anfrage mit.

KVWL: Klare Vorgaben der Impfverordnung

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) weist indirekt darauf hin, dass sie in die konkrete Verwendung von Rest-Impfstoffen vor Ort nicht eingebunden sei. Sie erinnert nochmals „an die klaren Vorgaben der Impfverordnung“, die von allen Beteiligten einzuhalten seien.

„Wichtig ist, dass die Personen ebenfalls der höchsten Priorität angehören“, sagt die KVWL. Dazu zählen beispielsweise Beschäftigte in Notaufnahmen und auf Intensivstationen, Rettungsdienstler, Mitarbeiter in Pflege- und Seniorenheimen mit engem Kontakt zu Bewohnern und die Teams im Impfzentrum selbst.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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