Coronavirus: Hamsterkäufe sind nicht die einzigen Auswirkungen auf Dortmunds Handel

mlzCoronavirus

Das Coronavirus ist das beherrschende Thema in diesen Tagen. Die Wirtschaft vor Ort spürt die Auswirkungen – nicht nur, weil sich Dortmunder mit Lebensmitteln und Schutzmaterial bevorraten.

Dortmund

, 05.03.2020, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, auch an den Dortmunder Verbrauchern gehen die allgegenwärtigen Nachrichten um das Coronavirus nicht spurlos vorüber. Immerhin wurden am Donnerstag auch hier die Fälle bestätigt. Hamsterkäufe und teilweise leere Regale sind keineswegs die einzigen Auswirkungen auf den heimischen Handel und die Tourismusbranche. Doch die Dortmunder brechen auch nicht in Panik aus.

„Bei Neubuchungen bemerken wir momentan eine starke Zurückhaltung“, sagt Max Ahlheit, Geschäftsführer des First Reisebüros an der Kleppingstraße, des Central Reisebüros an der Hansastraße und des TUI-Reisecenters an der Kampstraße. „Eine Verunsicherung unserer Kunden ist sicherlich da, aber deshalb betreiben wir auch sehr viel Aufklärungsarbeit.“

„Da hat das Virus keine Chance“

Wie manche Experten geht Ahlheit davon aus, dass die steigenden Temperaturen dem Virus den Garaus machen werden: „Und unsere Kunden buchen vor allem Reisen in südliche Länder, wo es warm ist. Da hat das Virus keine Chance. Wer also zu Ostern nach Thailand möchte - kein Problem.“

Stornierungen indes verzeichnete Ahlheit bislang noch nicht, zumal längst nicht alle Veranstalter ihre Stornierungsregeln aufgrund des Virus gelockert haben. „Die Reiseveranstalter müssen ihre Verträge mit Hotels oder Fluggesellschaften ja auch einhalten“, erläutert der Experte.

Jetzt lesen

Denn eine offizielle Reisewarnung hat das Auswärtige Amt bisher für kein Land ausgesprochen – eine Teilreisewarnung für die chinesische Provinz Hubei ausgenommen. „Aber nach China will momentan ohnehin niemand“, weiß der Geschäftsführer.

Auch Kurt Hosbach, Inhaber des City Reisebüros an der Kuckelke, bemerkt eine Unsicherheit und ein Abwarten der Kundschaft bei neuen Buchungen. Stornierungen hingegen gebe es so gut wie nicht, was Hosbach unter anderem auf die Beratung im Reisebüro zurückführt: „Und viele Reisen lassen sich ja auf einen späteren Termin, zum Beispiel im Herbst, umbuchen.“

Kein Handschlag im Reisebüro

Eine Absage musste der Reise-Fachmann, in dessen Betrieb derzeit nicht per Handschlag begrüßt wird, aber doch verzeichnen: Zwei Geschäftsleute stornierten ihre Flüge. „Aber nicht, weil sie Angst vor dem Virus hatten“, sagt Hosbach, „sondern, weil sie befürchteten, dass es Probleme beim Rückflug geben könnte und sie dann andere Geschäftstermine absagen müssten.“

Einige Male habe er gehört, dass es zurzeit ein bisschen ruhiger als sonst zugehe, sagt Thomas Schäfer, als Geschäftsführer beim Handelsverband Westfalen-Münsterland unter anderem für rund 400 Einzelhändler in Dortmund zuständig. „Aber ob das am Coronavirus liegt, lässt sich nicht sagen.“

Handelsverband-Geschäftsführer Thomas Schäfer verzeichnet kaum einen Kunden-Rückgang, weiß aber von Problemen aufgrund der Hamsterkäufe.

Handelsverband-Geschäftsführer Thomas Schäfer verzeichnet kaum einen Kunden-Rückgang, weiß aber von Problemen aufgrund der Hamsterkäufe. © Archiv

Häufiger werde hingegen von Problemen aufgrund des reißenden Absatzes von Nahrungsmitteln wie Konserven oder Nudeln berichtet: „Die Lieferkette ist zwar gesichert, aber es kann schwierig sein, alles zeitnah wieder einzuräumen. Denn das Personal ist knapp und die Abläufe sind oft genau getaktet.“

Gebuchte Führung abgesagt

Im „Schauraum: Comic + Cartoon“ am Max-von-der-Grün-Platz hätten einige Teilnehmer einer gebuchten Führung mit dem Hinweis auf Angst vor Ansteckung abgesagt, teilt Stadtsprecherin Katrin Pinetzki mit. Ansonsten gebe es in den Dortmunder Museen bisher aber keine Auffälligkeiten aufgrund des Virus.

Ähnlich verhält es sich bei den Schwimmbädern, dem Konzerthaus sowie dem Schauspiel und dem Kinder- und Jugendtheater, die allesamt melden: keine Besonderheiten! Es bedarf wohl tatsächlich größerer Katastrophen, damit der Dortmunder in Panik verfällt.

Lesen Sie jetzt

Der ärztliche Direktor des Klinikums Dortmund, Prof. Michael Schwarz, zeigt sich alarmiert angesichts der sinkenden Bereitschaft, Blut zu spenden. Das könnte tödlich enden. Von Gaby Kolle

Lesen Sie jetzt