Himmlische Stille statt Fluglärm über dem Dortmunder Süden

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Sechs Flieger steigen pro Woche vom Flughafen Dortmund auf. Die Anwohner im Süden der Stadt genießen die Stille, während die Schutzgemeinschaft Fluglärm gar das wirtschaftliche Ende des Airports erwartet.

Hörde

, 20.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Budapest und Sofia. Diese beiden Ziele werden laut Dortmund Airport noch immer angeflogen. Jeweils dreimal pro Woche von der Fluggesellschaft Wizz Air. Mehr ist in Zeiten von Corona-Reiseeinschränkungen nicht los auf dem Flughafen, berichtet ein Sprecher.

Momentan dürfen demnach nur Passagiere fliegen und internationale Flughäfen nutzen, die mit einer entsprechenden Lizenz ausgestattet sind. Diese Lizenz muss die Dringlichkeit ihres Reisegrundes dokumentieren.

Lärmopfer horchen auf

Diese Flug-Flaute bekommen die Menschen im Dortmunder Süden deutlich zu spüren – durch die Stille am Himmel. Mario Krüger als Vorsitzender der Dortmunder Schutzgemeinschaft Fluglärm mit Sitz in Hörde hat schon zahlreiche Rückmeldungen von Lärmopfern bekommen, die plötzlich aufhorchen.

Stille, sagt Krüger, bemerkt man nicht einfach so, aber Veränderungen in Gewohnheiten, die mit Lärm in Verbindung stehen – die bemerke man. So berichtet Krüger von einer Ballett-Tänzerin, die beim Proben feststellte, dass sie die Musik nicht mehr lauter stellen musste.

Chance für eine längere Lärm-Pause?

Auch Hörder Anwohner, die es gewohnt waren, ihre Gespräche zu unterbrechen, wenn ein Flieger kam, hätten nun festgestellt, dass sie durchgängig reden konnten. Praktisch kein Fluglärm mehr.

Mario Krüger freut sich als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Fluglärm über die derzeitige Stille.

Mario Krüger freut sich als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Fluglärm über die derzeitige Stille. © Andreas Wegener (Archiv)

Das alleine könnte Mario Krüger bereits freuen, doch der Fluglärmgegner sieht in der Corona-Krise eine noch größere Chance, als nur eine einfache Lärm-Pause. Er hält es für möglich, dass die Dortmunder sich grundsätzlich vom Fluglärm verabschieden könnten.

Wiederaufnahme des alten Flugbetriebs noch gar nicht absehbar

Seine Erwartung basiert auf zwei Annahmen. Da ist zum einen die wirtschaftliche Situation des Airports und der Fluglinien, die von Dortmund aus starten. „Der Flughafen schreibt schon bei Normalbetrieb rote Zahlen“, sagt Krüger.

Er erwartet im Zuge der Corona-Krise das wirtschaftliche Ende des Betriebes. Es sei noch gar nicht abzusehen, wann die Staaten in aller Welt wieder anfangen, ihre Reisebeschränkungen abzubauen.

Und selbst dann müsse sich das Reise-Aufkommen erst wieder entwickeln, meint Krüger. „Vielleicht erreicht es nie wieder den Stand vor Corona.“

Mario Krüger hofft auf stärkeren Widerstand

Der zweite Effekt, mit dem Krüger rechnet, hängt von den Anwohnern der Flugschneise im Dortmunder Süden ab. „Die Menschen lernen jetzt, wie es sich lebt ohne Fluglärm“, so Krüger.

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Er geht davon aus, dass viele Menschen, die die Geräusche der startenden Flieger bislang hingenommen hätten, bei einer Rückkehr des Lärms nicht mehr so passiv blieben. Demnach wäre die Erfahrung der Stille die beste Unterstützung für die Gegner des Lärms.

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