Trotz Coronavirus: Desinfektionsmittel sind Ladenhüter im Lagerverkauf

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Desinfektionsmittel sind wegen des Coronavirus Mangelware. Doch in einem Dortmunder Lagerkauf bleiben die Mittel liegen. Aus verschiedenen Gründen.

Oestrich

, 04.03.2020, 10:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hartmut Schützmann steht vor einem Stahl-Korbregal. In der Hand: eine kleine Sprühflasche Desinfektionsmittel. Er liest die Hinweise auf der Rückseite. „Ich halte das Ganze für Hysterie“, sagt er.

„Wie die Grippe ist Corona nur ein Virus.“ Er stellt die Flasche zurück. „Wenn man sich ganz normal die Hände wäscht, reicht das“, sagt Schützmann. Seit gut zwei Stunden stehen die Flaschen in Kartons im Korbregal.

Christoph Scheiding ist Geschäftsmann im Lebensmittelhandel. Über Wochen schon hat der Geschäftsführer von Scheidings Lagerverkauf den sich ausbreitenden Coronavirus im Blick: Handel mit China, Pandemiepläne für sein Unternehmen, Verkauf von Artikeln zum Schutz seiner Kunden. Nun ist Scheiding kein gewöhnlicher Lebensmittelhändler – und an diesem Dienstag (3.3.) hat er Mangelware im Angebot.

„Desinfektionsmittel sind eingetroffen“

Eine Filiale von Scheidings Lagerverkauf befindet sich in Oestrich. In der schmucklosen Halle verkauft Christoph Scheiding Überproduktionen, Saisonartikel, Restposten – und was gerade nachgefragt wird. BVB-Adventkalender etwa liegen für einen Euro in Kartons in den Metall-Regalkörben. Und Hüttensocken für 4,99 Euro – Winterende.

Christoph Scheiding ist der Geschäftsführer des Lagerverkaufs.

Christoph Scheiding ist der Geschäftsführer des Lagerverkaufs. © Uwe von Schirp

Direkt daneben: die Sprühflaschen für die Hand- und solche für die Flächendesinfektion sowie Desinfektionstücher und aseptische Seifenstücke – in Zeiten des Coronavirus eine extrem gefragte Ware. Christoph Scheiding bewirbt sein aktuelles Angebot über Facebook.

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Mehr als 72.000 Facebook-User haben allein die Seite des Oestricher Marktes abonniert. „Desinfektionsmittel sind eingetroffen – Klickt Euch durch die Bilder – Wo? Kammerstück 35 in Dortmund Oestrich – täglich von 9 bis 18 Uhr“, lautet sein Post vom Dienstagnachmittag.

Ein Drittel weniger Kunden

„Ich habe die Ware am Freitag in Nürnberg geordert“, sagt Christoph Scheiding im Gespräch mit dieser Redaktion. Dass es trotz des Facebook-Posts in seiner Verkaufshalle relativ ruhig ist, verwundere ihn nicht. „Seit Montag vergangener Woche haben wir im Durchschnitt ein Drittel weniger Kunden“, sagt er. „Die Leute haben Angst und kaufen nur noch ihre Grundnahrungsmittel ein.“

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Olaf Eisler gehört zu den Facebook-Abonnenten des Lagesverkaufs. Sein Halbschalen-Motorradelm ist der Einkaufskorb. Darin: eine Flasche Sherry für 3,99 Euro. Deswegen ist er her gekommen. Die Desinfektionsmittel interessieren ihn nur am Rande. „Ich bin da nicht so panisch“, sagt er. „Da wird zu viel Tamtam gemacht.“

Seife, Sprüh-Desinfektonsmittel, Desinfektions-Feuchttücher: ein rares Produkt im Handel. Bei Scheidings Lagerverkauf sind die Kunden eher zurückhaltend.

Seife, Sprüh-Desinfektonsmittel, Desinfektions-Feuchttücher: ein rares Produkt im Handel. Bei Scheidings Lagerverkauf sind die Kunden eher zurückhaltend. © Uwe von Schirp

Monika Költer schüttelt den Kopf. „Das ist mir zu teuer.“ 2,99 Euro für eine kleine Flasche, die zu anderen Zeiten in Drogeriemärkten als Probe für 1 Euro angeboten werden, gehen gar nicht. Sie schaut für ihre Enkel. Vorgegebene Preis-Obergrenze von deren Eltern: 2 Euro.

Einkaufspreise treiben wilde Blüten

Christoph Scheiding versteht das kritische Kaufverhalten. Er müsse sich allerdings den Marktpreisen im Einkauf beugen, erklärt er. Eine Epidemie treibt ihre Blüten. Deutlich wird das an einem Flächendesinfektionsmittel. Das No-Name-Produkt mit 85 Millilitern kostet bei Scheiding ebenfalls 2,99 Euro. Bei Amazon verkauft ein Händler die 250-Milliliter-Flasche eines Markenherstellers für 29 Euro.

Das Problem bei Hand- wie Flächendesinfektionsmitteln im Scheiding-Sortiment: Sie sind antibakteriell, aber nicht anti-viral – und töten die Corona-Viren damit nicht ab. Trotzdem: Die antibakteriellen Mittel sind auch in Drogeriemärkten vergriffen.

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Jennifer hilft das nicht. „Ich bin mit vielen Menschen in Kontakt“, sagt die ambulante Altenpflegerin. Sie will sich und ihr Umfeld schützen – vor allem im privaten Bereich. Beruflich verfüge sie über ausreichend Desinfektionsmittel. „Wir geben es auch an die Patienten ab.“ Angst vor dem Corona-Virus hat Jennifer nicht – „aber Respekt“.

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