Zwangsschließungen: Was ist Dortmunds City ohne ihre Geschäfte?

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Das Herz des Dortmunder Einzelhandels schlägt vorerst nicht mehr: Wegen der Corona-Krise sind meisten Geschäfte der City samt Westenhellweg zu. Was macht das mit einem Zentrum? Ein Streifzug.

Dortmund

, 19.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es liegt dieser Tage eine komische Stimmung über Dortmunds City: Die meisten der ansonsten trubeligen Läden entlang des Westenhellwegs sind verrammelt und dunkel, das gleiche gilt für die Brückstraße. An den Glasscheiben kleben Zettel. Ihre Botschaft ist immer gleich: geschlossen wegen des Coronavirus.

Anfang der Woche hatte die NRW-Landesregierung nach einigem Hin und Her per Erlass verfügt, dass alle Geschäfte abseits des täglichen Bedarfs schließen müssen. So hoffen die Behörden, die Bürger voneinander fern zu halten, um die momentan rasend fortschreitende Verbreitung von Covid-19 zu verlangsamen.

Doch wer am Donnerstagmittag eine Geisterstadt im Dortmunder Zentrum erwartet, wird überrascht: Zwar begegnet man nicht den Menschenmassen wie an einem normalen Tag unter der Woche - aber eben auch keinen ausgestorbenen Straßenzügen.

Am Platz von Netanya waren einige Tische einer Pizzeria noch besetzt.

Am Platz von Netanya waren einige Tische einer Pizzeria noch besetzt. © Thomas Thiel

Egal wohin man schaut, immer läuft einem mindestens ein Passant durchs Blickfeld. An den Tischen einer Pizzeria am Platz von Netanya gegenüber der Mayerschen trinken ein paar Rentner das erste Bier des Tages, auf einigen Bänken entlang der Kleppingstraße isst der ein oder andere Angestellte sein Mittagessen. Dortmunds City wirkt nicht wie ein Schauplatz einer Pandemie, sondern eher wie ein Zentrum im entschleunigten Sonntagsmodus.

Dana Henze sind das zu viele Menschen: „Es ist gruselig, wie viele Leute noch trotz Ansteckungsgefahr unterwegs sind“, sagt sie. Sie hat einen guten Blick auf den Westenhellweg, als Mitarbeiterin des Brillenhändlers Mr. Spex hält sie mit einigen anderen Kollegen die Stellung in einem der wenigen noch geöffneten Ladenlokale an Dortmunds Shoppingmeile.

Der Brillenhändler Mister Spex am Westenhellweg hat nur im Notbetrieb geöffnet.

Der Brillenhändler Mister Spex am Westenhellweg hat nur im Notbetrieb geöffnet. © Thomas Thiel

Einfach reinspazieren kann man dort nicht, es muss einem erst einmal jemand von innen aufmachen. Es kommen nur wenige Kunden, bis 14 Uhr sind es erst etwa ein Dutzend - normalerweise wären es zu dem Zeitpunkt bestimmt 20 Mal mehr, schätzt sie. Das ist aber auch gewollt: „Wir lassen Kunden nur zum Abholen von bestellten Brillen oder in wirklich dringenden Fällen in den Laden.“ Den Rest der Zeit nutzen Henze und ihre Kollegen für Schulungen und das Aufräumen des Lagers.

Ein paar Meter weiter geht das normale Arbeitsleben weiter: An der Hansastraße verlegen Bauarbeiter neue Fernwärmeleitungen für DEW21, eine Parallelstraße weiter wächst der neue Studentenwohnungskomplex Basecamp an der Kampstraße in die Höhe.

Der Food-Court der Thier-Galerie war am frühen Donnerstagnachmittag ziemlich verlassen.

Der Food-Court der Thier-Galerie war am frühen Donnerstagnachmittag ziemlich verlassen. © Thomas Thiel

Ein bisschen Endzeitstimmung kommt dann doch noch auf, und zwar in der Thier-Galerie: Nur wenige Passanten verirren sich in die Gänge der Shopping-Mall, in denen einem wegen der dunklen Läden rechts und links etwas mulmig wird.

Im Food-Court unter dem Dach halten nur noch einzelne Imbisse die Stellung, der Großteil ist ebenfalls zu. „Jetzt fehlen nur noch die Zombies“, witzelt ein Imbiss-Mitarbeiter.

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