Schwangere unter Coronavirus-Quarantäne – Warten auf die erlösende Mail vom Gesundheitsamt

mlzHäusliche Quarantäne

Weil sie Kontakt hatte zur infizierten 61-Jährigen aus Unna, kam eine hochschwangere Dortmunderin in häusliche Quarantäne. Eine ausbleibende Mail sorgte für Verwirrung. Ein Erfahrungsbericht.

Dortmund

, 05.03.2020, 17:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Dienstag (3. März) schaut sie ständig auf ihr Handy. Wartet auf die erlösende Mail vom Gesundheitsamt. Die 27-Jährige aus Dortmund-Rahm ist im 9. Monat schwanger und steht unter häuslicher Quarantäne – als Geisel des Corona-Geschehens.

Die Frau, die ihren Namen nicht in den Medien lesen möchte, hatte Kontakt mit der 61-Jährigen aus Unna, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Beide trafen sich bei einer Tagesmutter, wo die Seniorin ihre Enkelin abholte, während die 27-Jährige im Eingangsbereich einen Baum an die Wand malte. Die Enkelin war vier Tage lang fünf bis sieben Stunden bei der Tagesmutter.

„Ich war im selben Raum mit der infizierten Frau und habe dieselbe Türklinke angefasst“, erzählt die werdende Mutter im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie ist schon seit Wochen erkältet und hatte seit anderthalb Wochen Halsschmerzen. Auch wenn sie nicht wirklich besorgt war, habe sie wegen der Schwangerschaft von sich aus beim Gesundheitsamt nachgefragt, ob sie sich testen lassen sollte.

Am Dienstag zum Gesundheitsamt

Sie sollte – und musste sich dafür an ihren Hausarzt wenden, der aber laut seiner Patientin gar nicht darauf vorbereitet war und die Modalitäten mit dem Gesundheitsamt nicht klären konnte.

Weil die Isolierstation des Klinikums Nord von der Stadt zunächst als erste Anlaufstelle genannt worden war, rief die Frau dort am Montagabend (2.3.) an. „Dort hat man mir gesagt, wenn es mir schlecht gehe, würde man mich stationär aufnehmen“, erzählt sie.

Sie blieb lieber zu Hause und ließ sich am Dienstagmorgen nach telefonischer Rücksprache zum Gesundheitsamt fahren. Wenn sie keinen Fahrer gehabt hätte, hätte das Gesundheitsamt ihr einen Fahrservice gestellt; denn Bus und Bahn wären angesichts der möglichen Ansteckungsgefahr nicht die Transportmittel der Wahl gewesen.

Warten auf eine E-Mail

Wie die Familie der 61-jährigen Frau aus Unna wurde die Schwangere dann am Dienstagmorgen im Gesundheitsamt per Abstrich getestet. Und dann begann die Verwirrung:

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Bereits am Mittwochabend gab die Stadt in einer Pressemitteilung Entwarnung für „alle Personen“, die im Verdacht standen, Kontakt zu der am Coronavirus erkrankten Frau aus Unna gehabt zu haben. Eine beim Abstrich angekündigte E-Mail bekam die Frau aus Rahm aber nicht - und war verwirrt.

„Mir wurde gesagt, ist der Test negativ, bekomme ich eine E-Mail vom Gesundheitsamt. Bei einem positiven Ergebnis werde ich angerufen. Ich habe keine E-Mail erhalten und habe oft meinen Mail-Account aktualisiert, um die Nachricht zu lesen“, erzählt sie.

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„Ich habe vor dem Virus überhaupt keinen Schiss“, betont die junge Frau, „aber wenn man zwei bis drei Tage wartet, wird man ungeduldig.“ Zumal ihre Familie und der Arbeitgeber ihres Mannes, der ebenfalls besser zu Hause bleiben sollte, davon ausgingen, dass die Quarantäne aufgehoben war. „Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran“, sagt sie.

Erst mal raus und Kuchen essen

Klarheit bekam die Frau am Donnerstagmorgen (5.3.), kurz nach der Pressemeldung der Stadt, dass es die ersten beiden bestätigten Coronavirus-Infektionen in Dortmund gibt. Die Mail des Gesundheitsamtes erreichte sie um 10.53 Uhr. Zwar war ihr Puls zwischenzeitlich kurz etwas heftiger geworden, doch panisch sei sie zu keinem Zeitpunkt gewesen, versichert sie wiederholt, aber eben an die Wohnung gefesselt und angesichts der Meldungen verwirrt.

Die erlösende Mail vom Gesundheitsamt. Der Test war negativ.

Die erlösende Mail vom Gesundheitsamt, hier ein Auszug aus dem Original. Der Test war negativ. © Screenshot

Jetzt ist alles wieder in der Reihe. Ihr Kind, ein Junge, soll im April zur Welt kommen. Keine Stunde nach der Mail vom Gesundheitsamt sagt sie: „Jetzt gehen wir erst mal vor die Tür. Kuchen essen.“

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