Coronavirus: Seniorensportler Klemens Wittig (82) läuft weiterhin – aber nur allein

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Wie steht man zum Coronavirus, wenn man 82 Jahre alt ist, sich aber als Leistungssportler von den meisten Gleichaltrigen unterscheidet? Wir haben mit Klemens Wittig gesprochen.

Brechten

, 19.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die über 80-Jährigen gehören in der Coronakrise zur gefährdeten Risikogruppe. Wir haben mit einem besonderen Vertreter dieser Generation gesprochen: Klemens Wittig (82). Der Brechtener gehört im Laufsport zu den erfolgreichsten deutschen Senioren. 2017 lief er beim Frankfurt-Marathon einen europäischen Rekord in seiner Altersklasse: 3:39:54 Stunden.

Hallo Herr Wittig, haben Sie Angst vor dem Coronavirus?

Nein, ich glaube, dass mein Immunsystem durch das viele Laufen intakt ist. Ich habe ja auch sonst keinerlei Krankheiten. Meist werde ich auf 10 bis 15 Jahre jünger geschätzt <er lacht>.

Aber Sie befolgen schon die allgemeinen Schutzempfehlungen, oder?

Natürlich, ich wasche mir ständig die Hände und verzichte auf soziale Kontakte. Und ich laufe momentan meist alleine. Das heißt, nein, am Dienstag bin ich noch mit den Mitgliedern des Lauftreffs Brechten zusammen gelaufen - aber mit eineinhalb Metern Abstand. Ich bin sogar am Ende hinter der Gruppe hergelaufen und hatte noch mehr Abstand. Jetzt ist der Lauftreff zunächst abgesagt. Auch die Sammlung für Namibia der St.-Antonius-Gemeinde in Brechten, für die ich mich seit Jahren engagiere, haben wir abgesagt.

Haben Sie Verständnis für die viele Einschränkungen, die jetzt in Kraft sind?

Vollstes Verständnis. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man sich jetzt zum Beispiel für die Hallen-Europameisterschaften der Senioren in Braga oder die Senioren-EM in Madeira angemeldet und vielleicht schon ein Hotelzimmer gebucht hat. Aber was sind fehlende Medaillen und Rekorde im Vergleich zum Beispiel zu dem, was wir im 2. Weltkrieg durchgemacht haben? Meine Familie wurde aus Schlesien vertrieben. Wir haben vier Wochen rohe Kartoffeln mit Marmelade gegessen. Ich fühle mich heute voll versorgt und umsorgt. Wir haben es jetzt selbst in der Hand, wie schnell sich das Virus verbreitet.

Leider halten sich nicht alle an die Schutzempfehlungen.

Ja, das ist schlimm. Ich habe das Gefühl, dass der Egoismus in der Gesellschaft in der letzten Zeit zugenommen hat. Andererseits habe ich bei Ihnen gelesen, wie viele Hilfsgruppen sich inzwischen gegründet haben. Das macht doch wieder Hoffnung.

Wieviel laufen Sie momentan?

So zwischen 40 und 50 Kilometer pro Woche. Ich hatte sechs Wochen mit einer kleinen Wadenverletzung zu kämpfen. Zusammen mit dem Dortmunder Karl-Walter Trümper und zwei Sportlern aus Hamburg will ich im Sommer den Weltrekord in der 4 x 800-Meter-Staffel knacken.

Könnten Sie eigentlich auch aufhören mit dem Laufen?

Nein, dann würde ich Herzprobleme kriegen. Das ist einem Trainingspartner des Radsportlers Gustav Kilian passiert. Ich habe ihm immer gesagt: „Mach weiter.“ - hat er aber nicht und ist prompt krank geworden.

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