Strenge Regeln für Dortmunder Reitvereine – Pferde spüren angespannte Lage

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Beim Reit- und Fahrverein Wickede-Asseln-Sölde bestimmen strenge Vorschriften den Alltag. Für die Tiere darf es nur eine Notversorgung geben. Wallach Larry vermisst die Schmuseeinheiten.

Brackel

, 08.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Larry weiß nichts über das Coronavirus, denn Pferde beschäftigen sich normalerweise wenig mit Pandemien oder gesellschaftlichen Problemen. Und dennoch bekommt auch der elfjährige Wallach die Krise derzeit am eigenen Leib zu spüren. Denn Reitvereine sind von strengen Regelungen betroffen, die Mensch und Tier mit grundlegenden Veränderungen konfrontieren.

„Manche Pferde wollen zunächst einmal schmusen, bevor sie den Reiter aufsteigen lassen“, sagt Larrys Besitzerin Heike Sostak, zugleich kommissarische Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Wickede-Asseln-Sölde. „Aber dazu haben wir momentan kaum Zeit, denn wir dürfen uns nur anderthalb Stunden täglich auf dem Vereinsgelände aufhalten. Und in dieser Zeit kann nur eine Notversorgung der Tiere erfolgen.“

Vermisst derzeit seine Schmuseeinheiten: Wallach Larry (11).

Vermisst derzeit seine Schmuseeinheiten: Wallach Larry (11). © Michael Schuh

Tatsächlich war der Reiter-Dachverband FN gezwungen, die einschneidenden Maßnahmen der Behörden in die Tat umzusetzen. Und die haben auch auf die Asselner Anlage gravierende Auswirkungen. Dort gehe es ab sofort nicht mehr um Reitsport oder Freizeitgestaltung, ist auf der Homepage des Vereins zu lesen, sondern „ausschließlich um die notwendige Versorgung und Bewegung der Pferde“.

Die Vorschriften beginnen damit, dass sich die Mitglieder bei ihrer Ankunft in Anwesenheitslisten ein- und nach spätestens 90 Minuten wieder austragen. „Und diese Zeit muss man für Putzen, Misten und eine artgerechte Bewegung der Pferde nutzen“, erläutert Jacqueline Rumann, Geschäftsführerin des 323 Mitglieder zählenden Vereins. „Kein normales Training, kein Schulreitbetrieb, kaum soziale Kontakte.“

Von 100 auf 0 ist unmöglich

Klar: Die derzeit allgemeingültigen Regeln sind mit einem Mehraufwand an Arbeit auch in einem Reitstall umsetzbar, wie die regelmäßige Desinfektion von Kontaktflächen oder das Händewaschen beim Betreten des Areals beweisen. Aber ihre Anlage – so wie andere Sportvereine – einfach kurzerhand schließen, das sei bei Reitern nun mal nicht möglich, verdeutlicht Rumann: „Wir können hier nicht von 100 auf 0 runterfahren.“

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Deshalb dreht sich beim Reit- und Fahrverein Wickede-Asseln-Sölde momentan alles darum, die Vorschriften und den Tierschutz unter einen Hut zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, zumal die beiden Hallen derzeit nur von jeweils vier Reitern gleichzeitig benutzt werden dürfen und der Weidegang aufgrund der Jahreszeit nur eingeschränkt möglich ist.

Für die Vierbeiner, die vornehmlich in ihren Boxen stehen, bedeutet das: Auch sie müssen auf Bewegung verzichten. „Sie spüren die angespannte Situation ebenfalls“, sagt die Geschäftsführerin, die aber schon einen Silberstreif am Horizont sieht: „Demnächst, wenn es der Wiesenzustand zulässt, werden die Sommerweiden wieder geöffnet. Dann können die Pferde länger raus.“

Die kommissarische Vorsitzende Heike Sostak und die anderen Mitglieder des Reit- und Fahrvereins müssen momentan jede Menge strenger Regeln beachten.

Die kommissarische Vorsitzende Heike Sostak und die anderen Mitglieder des Reit- und Fahrvereins müssen momentan jede Menge strenger Regeln beachten. © Michael Schuh

Dass aber auch der Verein unter den Maßnahmen leidet, weiß Heike Sostak nur zu gut: „Wir haben momentan ausschließlich Ausgaben und keine Einnahmen.“ So müssten die sieben Schulpferde auch ohne Unterrichtsstunden weiterhin verpflegt und bewegt werden, zudem schloss das vom Verein bewirtschaftete „Reiterstübchen“ wegen der Corona-Vorschriften seine Pforten.

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Glücklicherweise sei schon im Vorfeld von Corona das große Turnier „Asselner Reitertage“ aus organisatorischen Gründen abgesagt worden: „Zumindest die hohen Kosten dafür entfallen somit.“

Und noch etwas habe sich geändert: „Früher schauten oft Besucher bei uns vorbei, aber das ist jetzt nicht mehr möglich; Gäste werden nun der Anlage verwiesen. Das soll wirklich nicht unhöflich wirken, aber wir wollen auf gar keinen Fall gegen die Auflagen verstoßen.“

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