Coronavirus: Dortmunder Forscher arbeiten an Ultra-Schnelltest

mlzVirensensor

Viren sind zu klein, um sie zu sehen – selbst für Mikroskope. Doch Dortmunder Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, das Viren wie das Coronavirus sichtbar macht - in Echtzeit.

Dortmund

, 05.05.2020, 04:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmunder Physiker, Informatiker und Mathematiker der Technischen Universität (TU) Dortmund und des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften (ISAS) haben eine Messmethode entwickelt, die sie auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 anwenden wollen. Das Analyseverfahren soll das Virus vor Ort und in Echtzeit aufspüren und so zu seiner Eindämmung beitragen.

Pamono heißt der Virensensor. Er kann auch außerhalb von Speziallaboren genutzt werden, um den Infektionsstatus großer Gruppen, zum Beispiel von Flughafen-Passagieren oder Bewohner ganzer Wohnsiedlungen zu erfassen, teilen TU und ISAS mit.

Nur wenige Minuten bis zum Testergebnis

Von der Probenentnahme – messbar sind Speichel, Blut oder auch Abwässer – bis zum Testergebnis vergehen nur wenige Minuten. Durch dieses Messverfahren können laut der Wissenschaftler die Einschleppung, weitere Ausbreitung und das Wiederauftreten von Viren verhindert werden.

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Das eigentliche Messinstrument haben das ISAS und ein Sonderforschungsbereich der TU Dortmund entwickelt. Sein Einsatz wird nun auch gegen das Coronavirus geprüft. Die Dortmunder Wissenschaftler arbeiten zurzeit unter Hochdruck mit Anti-Sars-CoV-2-Antikörpern, um den Virensensor auf die Coronaviren vorzubereiten.

Physikalischer Effekt

Viren – so auch Coronaviren – sind Objekte des Nanometer-Bereichs und damit zu klein, um mit herkömmlichen Mikroskopen nachgewiesen zu werden; denn optischen Mikroskopen fehlt zum direkten Nachweis die nötige Vergrößerungskraft.

Der Pamono-Sensor dagegen funktioniert durch Ausnutzung eines physikalischen Effekts, der eine Brücke zwischen Mikrometer- und Nanometer-Bereich schlägt. Er weist die Viren also indirekt nach - und misst dafür Oberflächenveränderungen, die die Viren auf dem Sensor verursachen.

Stolz auf den Virensensor

Damit würden „Viren optisch nachweisbar, was einen kostengünstigen, mobil einsetzbaren Sensor und sehr schnelle Tests ermöglicht“, erläutert Dr. Roland Hergenröder, der die Projektgruppe aufseiten des ISAS leitet. Er hofft, dass mit der Verfügbarkeit von Anti-Sars-CoV-2-Antikörpern der Pamono-Sensor schon bald zum Nachweis des neuartigen Coronavirus eingesetzt werden kann.

Der beteiligte und 2011 eingerichtete Sonderforschungsbereich der TU Dortmund wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit insgesamt 25 Millionen Euro gefördert. Prof. Dr. Katharina Morik, Gründerin und Leiterin des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz an der Fakultät für Informatik an der TU Dortmund, die den Sonderforschungsbereich eingeworben hat, sagt: „Auf den Pamono-Sensor sind wir ohnehin stolz; wenn er nun gegen Corona eingesetzt werden kann, ist das wunderbar.“

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