Wirtin der letzten Kneipe im Dorf: „Aufgeben kommt nicht infrage“

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Die Dortmunderin Jasmin Nickstat ist erst seit November 2019 selbständige Gastronomin. Die Wirtin des „Dorfkrugs“ trotzt dem Coronavirus und blickt optimistisch in die Zukunft.

Kley

, 03.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Frage, auf die Corona-Krise hätte Wirtin Jasmin Nicktstat gerne verzichtet. Erst im November 2019 hat die 45-Jährige den „Dorfkrug“ übernommen. „Das erste Jahr gilt ja so schon als das schwerste.“

Dennoch blickt sie optimistisch in die Zukunft – im Gegensatz zu vielen anderen Dortmunder Gastronomen. Sie könne alle Stammgäste beruhigen: „Irgendwie werde ich überleben. Aufgeben kommt nicht infrage.“

Der Kleyer „Dorfkrug“ ist für Jasmin Nickstat eine Herzensangelegenheit

Für die Dortmunder Wirtin ist der Dorfkrug in Kley eine Herzensangelegenheit. Sie wolle die letzte Kneipe im Dorf retten, das habe sie sich im November 2019 fest vorgenommen und daran werde auch das Coronavirus nichts ändern.

Für die größte Entspannung sorge bei ihr aktuell die staatliche Unterstützung. Wie viele Solo-Selbstständige und Kleinstbetriebe habe sie in der vergangenen Woche bei der Landesregierung einen Antrag gestellt. Auf die Bewilligung warte sie noch.

„Die NRW-Soforthilfe ist wirklich eine gute Sache“, sagt die gebürtige Kleyerin. Da sie ein „Ein-Frau-Betrieb“ sei, habe sie glücklicherweise niemanden in die Kurzarbeit schicken müssen.

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Eine weitere gute Nachricht habe sie am Mittwoch (1.4.) erreicht: „Auf Nachfrage hat mein Stromversorger den monatlichen Abschlag halbiert.“ Statt 500 Euro müsse sie nur noch 250 Euro zahlen, auch das sei eine Erleichterung in einer Zeit ohne Einnahmen.

Gäste geben der Kleyer Wirtin die nötige Kraft für die Krise

Was die Getränke und Lebensmittel betrifft, hielten sich die Verluste in Grenzen. „Das Fassbier im Keller wird nicht schlecht, einiges habe ich eingefroren, nur ein paar Kleinigkeiten wie die Mettwürstchen habe ich verschenkt.“

Kraft, die Krise durchzustehen, gäben ihr vor allem ihre Gäste. Die Kleyer und Oespeler hätten sie von Anfang großartig unterstützt. Aktuell erhalte sie von ihnen viel Zuspruch am Telefon oder per WhatsApp. „Sie sagen, dass sich mich und die Kneipe voll vermissen. Da lohnt es sich doch, weiter zu kämpfen.“

Wie viele andere Kneipen und Gaststätten ist auch der Dorfkrug wegen der Corona-Krise geschlossen.

Wie viele andere Kneipen und Gaststätten ist auch der Dorfkrug wegen der Corona-Krise geschlossen. © (A) Stephan Schütze

Wirtin hofft, dass die Biergarten-Saison nicht ins Wasser fällt

Auch als Veranstaltungsort, etwa für Hochzeiten, Geburtstage oder Jahreshauptversammlungen, sei der Dorfkrug mit seinem großen Saal gut nachgefragt.

„Leider muss das alles in den nächsten Wochen ausfallen“, bedauert Jasmin Nickstat. Eine 89-Jährige habe ihr aber bereits zugesichert, ihren runden Geburtstag auf jeden Fall im Dorfkrug nachzufeiern.

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Jasmin Nickstat hofft, dass der Sommer 2020 für die Gastronomen nicht ganz ins Wasser fallen wird. „Es wäre so schön, wenn ich den Biergarten eröffnen und das geplante Sommerfest feiern dürfte.“

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