Zwischen Absperrband und Seifenspender: Schule rüstet sich für Neustart

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Kleine Lerngruppen, Hygiene, Abstand. Am Donnerstag kehren die Abschlussklassen in die Schulen zurück. Welche Vorkehrungen haben sie getroffen? Einblicke – 21 Stunden vor dem Neustart.

Nette

, 22.04.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittwochvormittag, 11 Uhr: Zwischen den Bäumen vor der Albert-Schweitzer-Realschule weht rot-weißes Flatterband im Wind. „Schulhof gesperrt“, steht auf einem laminierten Schild. Noch. Morgen früh wird es nach fast sechs Wochen verschwunden sein. Die Abschlussklassen kehren als Erste in die Schule zurück.

Unter dem Vordach der Pausenhalle schwirren Lehrkräfte umher. Auf einem Tisch stapeln sich Ausdrucke. „Abstand halten!“ – „Rechts gehen“ – „Hände gewaschen?“ Ein Ausnahmezustand. Es sind gewiss 30 oder mehr Schilder, die die Lehrer nach einem ausgeklügelten Plan auf Türen und an Wände kleben werden.

Schüler kommen zeitversetzt

Am Rande des Schulhofs steht Christel Stegemann. „Die Schüler werden von zwei Richtungen auf das Schulgelände kommen – von der Dörwerstraße und hinten von der Neumarkstraße“, erklärt die Schulleiterin. „Lehrkräfte werden sie schon beim Betreten des Schulhofs in Empfang nehmen.“

Der größere Teil des Schulhofs der albert-Schweitzer-Realschule ist derzeit eine Baustelle.

Der größere Teil des Schulhofs ist derzeit eine Baustelle. Auf dem kleineren Teil vor der Schule bleibt aber genug Platz für jeweils zwei Lerngruppen in den Pausen. Wie der Unterrichtsbeginn, finden die Pausen auch zeitversetzt statt. © Uwe von Schirp

Die drei Klassen der Jahrgangsstufe 10 kommen zeitversetzt: um 7.30 Uhr, um 8 und um 8.30 Uhr. „Sie werden jeweils in zwei Lerngruppen geteilt“, erklärt Stegemann. „Die Schüler wissen bereits im Vorfeld, wo ihr Lernraum ist.“ Die Räume liegen weit auseinander – in unterschiedlichen Gebäudetrakten und verteilt auf drei Etagen.

Stadt liefert Nachschub an Seife und Handtüchern

Vom Schulhof geht es keineswegs direkt in die Klassenräume. Müllcontainer und Pausenbänke bilden eine provisorische Wand unter der Pausenhalle. Sie trennt Jungen und Mädchen auf dem Weg zu den Toiletten. Vor Betreten des Gebäudes: „Hände waschen!“

Flatterband sperrt die mittleren zwei von vier Waschbecken ab. Abstand ist auch beim Händewaschen oberstes Gebot. Seifenspender stehen bereit, Stapel Papierhandtücher liegen auf dem gefliesten Sims. Mehr Seife, mehr Papierhandtücher und ein Desinfektionssprühgerät sind auf dem Weg, hat kurz vor 10 Uhr das Schulverwaltungsamt per E-Mail mitgeteilt.

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Christel Stegemann atmet durch. „In der Mail wurde uns auch mitgeteilt, dass der neue Hygieneplan vom Gesundheitsamt autorisiert und von der Bezirksregierung genehmigt worden ist.“

Schilder mahnen wie ein Mantra

Eine Lehrkraft wird ab Donnerstag zwischen den Außentüren der Toiletten stehen und kontrollieren, dass jeweils nur zwei Jungen und Mädchen gleichzeitig die Sanitäranlagen betreten. Durch zwei getrennte Schultüren geht es dann in die Klassenräume. „Hände gewaschen?“, erinnern die mittlerweile an die Eingänge geklebten Schilder.

Zig Schilder klebt Schulsozialarbeiter Sven Eeckhout an Wände und Türen. "Nur rechts gehen" und "Abstand halten" wirken wie ein Mantra.

Zig Schilder klebt Schulsozialarbeiter Sven Eeckhout an Wände und Türen. „Nur rechts gehen“ und „Abstand halten“ wirken wie ein Mantra. © Uwe von Schirp

Im Treppenhaus kniet Mamadou Soumare. Schwarz-gelbes Klebeband markiert verschmälerte Laufwege. Niemand soll nebeneinander die Treppen steigen. „Ich hoffe, die 100 Meter reichen“, sagt der Hausmeister und grinst. Schulsozialarbeiter Sven Eeckhout klebt alle paar Meter Schilder. „Rechts gehen“. „Abstand halten.“ Immer wieder – Mahnungen wie ein Mantra.

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Die Stimmung ist konzentriert und dennoch gelöst. Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Hausmeister, Sekretärin, Schulleitung: Sie geben in diesen Stunden alles für einen reibungslosen Ablauf unter Ausnahmebedingungen. Ein Neustart nach dem Lockdown, der auch Freude auf das Wiedersehen der Schüler weckt.

„Herzlich Willkommen zurück“, steht auf der Tafel im Musikraum. „Schön, dass ihr alle gesund und putzmunter seid, liebe 10B. Einen guten Neustart und viel Erfolg!“, grüßen die Lehrer. Auf jedem Tisch liegt ein kleiner verpackter Willkommensgruß.

Jeder Tisch hat ein Namensschild

Der Musikraum ist das größte Klassenzimmer im Gebäude. Die Instrumente stehen zusammengeräumt an einer Wand. Christel Stegemann geht zwischen den Tischen her und zieht sie noch ein wenig weiter auseinander. Sie ist noch nicht ganz zufrieden: „Da misst ein Kollege gleich noch mal nach.“ Jeder Tisch trägt ein aufgeklebtes Namensschild.

Schulleiterin Christel Stegemann im größten Raum der Albert-Schweitzer-Realschule. Die Tische hat sie noch ein wenig auseinander gerückt.

Schulleiterin Christel Stegemann im größten Raum der ASR. Die Tische hat sie noch ein wenig auseinander gerückt. © Uwe von Schirp

Die Klassenleiter haben die Plätze in Abstimmung mit den Schülern fest zugewiesen. Es gibt zudem einen Sitzplan. Im Fall einer Infektion, den niemand will, lassen sich die nächsten Kontakte nachvollziehen.

Wie bei den Abschlussprüfungen liegen Listen bereit, die dokumentieren, welcher Schüler wann zur Toilette gegangen ist. Vor den Toilettenräumen werden Aufsichtspersonen sitzen, die darauf achten, dass die stillen Örtchen nur einzeln betreten werden.

Lehrer zeigen Ehrgeiz an der Nähmaschine

Ortswechsel, zwei Etagen tiefer. Im Nähraum im Souterrain wird eine Hälfte der 10A für den Abschluss lernen. Jetzt rattern hier noch die Nähmaschinen. Zehn Lehrer und die Schulsozialarbeiterin nähen Stoffmasken.

Raphaela hilft den Kolleginnen und Kollegen ihrer Mama beim Anfertigen der Community-Masken.

Raphaela hilft den Kolleginnen und Kollegen ihrer Mama beim Anfertigen der Community-Masken. © Uwe von Schirp

„Spontaneität ist unser zweiter Vorname“, sagt Melanie Issleib. Die Idee, jedem Schüler eine „Community-Maske“ zu nähen, entstand erst am Dienstag in der Konferenz. „Man spürt in dieser Krise erst einmal, wie wichtig es ist, auch solche Fertigkeiten zu haben“, sagt Birgit Bartusch.

Die Sonderpädagogin hat ihre zehnjährige Tochter mitgebracht. Damit ist auch die Betreuung gleich geregelt. Raphaela steht am Bügelbrett und plättet die fertigen Masken. Bei den 80 Mund- und Nasenschutzen für die Schüler solle es nicht bleiben, sagt Melanie Issleib: „Wir versuchen, auch das Kollegium noch auszustatten.“

Ruhe in der Verwaltung

So emsig es im Keller zugeht, so ruhig ist es in der Schulverwaltung. Konrektor Ralf Krieger sitzt über den Ausnahme-Stundenplänen. Sekretärin Tanja Körner heftet hinter einer Plexiglasscheibe Unterlagen ab. Vom „Spuckschutz“ abgesehen, wirkt es wie „business as usual“.

Schulsekretärin Tanja Körner arbeitet nun hinter einer Plexiglasscheibe.

Schulsekretärin Tanja Körner arbeitet nun hinter einer Plexiglasscheibe. © Uwe von Schirp

12 Uhr, in 20 Stunden kehrt ein wenig Leben in die Schule zurück. Vom Alltag ist sie weit entfernt.

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