«Da war ich bis zum Hals verschüttet»

Auf der Feier des Knappenvereins «Glück auf» 1867 wurden viele Erinnerungen wach

20.05.2007 / Lesedauer: 2 min

Dorstfeld Arbeiten unter Tage - heutzutage wissen nur noch wenige, was das bedeutet. Beim 140-jährigen «Geburtstag» des Knappenvereins (KV) «Glück auf» wurde die Tradition gepflegt, die Dorstfelder feierten kräftig mit und konnten aus erster Hand erfahren, wie gefährlich die Bergarbeit wirklich war. «Ich habe damals `in Halbstein´ gearbeitet, das heißt: auf dem Bauch liegend die Kohle abschlagen und mit den Füßen nach hinten schieben», erinnert sich Günter Heusinger. Der 77-jährige ist seit 53 Jahren Fahnenoffizier und Kassierer im Verein. An seine aktive Zeit denkt er gern zurück: «Mir ist selten was passiert. Nur einmal auf Schacht 5 ist der Stempel abgegangen, da war ich bis zum Hals verschüttet. Mit acht Mann mussten sie mich rausholen.». Auch Wilhelm Gorki hat schon zweimal «unterm Bruch gelegen». Der 76-jährige Ehrenvorsitzende des KV schätzt vor allem die Solidarität unter den Knappen: «Die Leute konnten sich über Tage spinnefeind sein, aber unten war man füreinander da.» «Die Kameradschaft hat uns menschlich weiter gebracht», findet auch Wolfgang Balzer, der 25 Jahre auf der Kokerei Kaiserstuhl arbeitete, «bis die Chinesen die Anlage abgebaut haben.» Balzer erinnert sich noch gut an die vielen Todesfälle durch ungesicherte Laufbänder oder Gasaustritte: «Das waren Fehler, aus denen wir gelernt haben.» Für die Zukunft hofft er, «dass ein lebensfähiger Bergbau in Deutschland erhalten werden kann.» Dieser Gedanke kam auch in den Festreden zum Ausdruck. Neben dem großen Umzug mit vielen Vereinen aus Dorstfeld und Knappenvereinen aus der Umgebung, traditionellen Gesängen und dem Besuch des Bundesumweltministers Sigmar Gabriel hatten die Veranstalter auch an die Kinder gedacht: Am Stand der JFS Dorstfeld wurde gebastelt und gespielt, eine «Kleine Olympiade» lud außerdem zum Austoben ein. tag

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