Darf Bordell Jugendliche vertreiben?

DORTMUND Aufruhr auf dem Höchsten: Die Auseinandersetzung zwischen einem FKK-Club und dem Jugendtreff „Youngster Point“ und dessen vorläufige Schließung zieht Kreise.

01.02.2008, 18:23 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der offene Treff an der Wittbräucker Straße ist seit Freitag geschlossen, weil dessen Besucher angeblich die Bordellgäste stören. Die fühlen sich offensichtlich beim Gang ins Etablissement peinlich beobachtet. Der Bordellbetreiber macht den Jugendclub für Umsatzeinbußen verantwortlich und wirft den Betreibern in einem langen Brief an den Vermieter „Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum“ vor. Entnervt warfen die Jugendbetreuer nun das Handtuch.

Das Jugendamt stärkt ihnen nun den Rücken und setzt ein Zeichen: Ab nächster Woche fährt ein Bus – ausgestattet mit PC und Musikanlage – zum Höchsten: „Wir wollen kurzfristig Ersatz anbieten“, sagt Elisabeth Hoppe, Fachbereichsleiterin Kinder- und Jugendförderung im Jugendamt. Der Jugendtreff, sei „zwingend notwendig“.

Nächste Woche wird es ein Gespräch geben, um die Chancen auszuloten, ob und wie das vom Ordnungsamt konzessionierte Bordell und die privaten Jugendclub-Initiatoren zukünftig miteinander auskommen können. Josef Niehaus, Geschäftsführer des Dortmunder Jugendrings, macht sich angesichts dieses Falls noch ganz andere Sorgen: „Die Entwicklung der letzten eineinhalb Jahre mit den Vorkommnissen in Scharnhorst und entlang der Hellweg-Schiene gibt mir das Gefühl, dass manche Menschen Jugendliche generell als Gefahr für die Gesellschaft betrachten“.

Nicht alle Jugendlichen seien sozial vernachlässigt, betont er ebenso wie Friedhelm Sohn, Vorsitzender des Kinder- und Jugendausschusses. Aber auch um die müsse man sich kümmern, damit sie eben nicht auffällig würden.

„Mal Klingelmännchen“

Als „auffällig“ bezeichnen sich die Kinder und Jugendlichen hier nicht. „Sich hier zu treffen ist abends immer ganz gemütlich“, sagt Thimo Kortmann (18). „Voll cool hier“, sagt auch die 13-jährige Eileen Wilhelm. Ihr drei Jahre jüngerer Bruder Luis meint, dass man im Youngster Point schnell gute Freunde kennen lernen würde. Und haben sie wirklich nicht über die Stränge geschlagen? „Höchstens mal Klingelmännchen.“

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