Darum knallte es Freitag und Samstag an der Westfalenhütte

Mysteriöses Feuerwerk

"Was sind das für Explosionen im Norden Dortmunds?" - das fragten uns viele Menschen in den vergangenen zwei Tagen über Twitter. Auch bei Polizei und Feuerwehr liefen die Telefone heiß. Die Antwort: Es war ein Feuerwerk, aber kein normales. Wir haben mit dem Veranstalter gesprochen.

DORTMUND

, 29.03.2015, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Was die Pyrotechnik-Branche Neues entwickelt hat, um spektakuläre Himmelsfeuer wie hier in Ostfildern abzubrennen, erfuhren die Teilnehmer der Fachtagung "Pyroforum" am Freitag und Samstag in Dortmund und Witten.

Was die Pyrotechnik-Branche Neues entwickelt hat, um spektakuläre Himmelsfeuer wie hier in Ostfildern abzubrennen, erfuhren die Teilnehmer der Fachtagung "Pyroforum" am Freitag und Samstag in Dortmund und Witten.

In den sozialen Netzwerken häuften sich am Freitag und Samstagabend die Fragen, was das für Explosionen seien. Bei der Feuerwehr und der Polizei gingen jeweils über 100 besorgte Anrufe ein.

@netzvagabund @RN_DORTMUND So, dass in Sölde das Haus erschüttert wird und meine Kinder Angst kriegen? Am anderen Ende der Stadt?

— Terrorzicke (@terrorzicke)

@RN_DORTMUND was ist das für ein Geböller in Dortmund? Muss ich mir Sorgen machen?

— LIFAD (@mynameisbaal)

Was am Freitag und Samstag jeweils zwischen 20 und 23 Uhr weithin zu hören war - bis nach Syburg, Aplerbeck, Kurl und Wambel - war das "Vorschießen" der Fachtagung "Pyroforum", der internationalen Fachtagung für Pyrotechniker.

Fachtagung mit Ausstellung der neusten Knallkörper

Die Tagung veranstaltete Wolfgang Stabe von der Bochumer "Stabe! Company" an diesen Tagen im Saalbau in Witten. 500 bis 600 Menschen seien dagewesen, sagte Stabe am Sonntag auf unsere Anfrage. Das Pyroforum ist einerseits eine Tagung mit Fachvorträgen, andererseits eine Messe für Pyrotechniker, bei der Hersteller zeigen, was sie Neues im Sortiment haben.

Viele ihrer Neuigkeiten führten die Hersteller auch vor, und zwar beim Vorschießen auf dem Gelände der Westfalenhütte an der Brackeler Straße. Die Stadt hatte genehmigt, dass Freitag und Samstag jeweils von 20 bis 23 Uhr geschossen und gesprengt werden durfte. Insgesamt seien an beiden Tagen Material im Wert von 80.000 Euro in die Luft gejagt worden, sagt Stabe.

Landeskriminalamt war vor Ort

Die Fachtagung und das Vorschießen besuchten sowohl Pyrotechniker als auch Beschäftigte verschiedener Behören wie zum Beispiel Bezirksregierung und Landeskriminalamt, die sich über die Risiken der neuen Pyrotechnik auf dem Laufenden halten wollen. Auch Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks waren da, zum Beispiel um die richtigen Mittel für verschiedene Schadensdarstellungen bei ihren eigenen Vorführungen und Tests zu finden.

Pyrotechniker: Oft reicht es nur für den Nebenberuf

In ganz Deutschland gebe es nur ein paar hundert Pyrotechniker, sagt Stabe. Viele von ihnen betreiben diese Arbeit nur im Nebenberuf, weil nur wenige davon leben könnten. Zum Pyroforum sind ausschließlich Pyrotechniker zugelassen, die einen der vier Scheine haben, die sie zur Ausübung ihres Berufes ermächtigen:

  • Sprengberechtigte, die zum Beispiel Sprengungen von Gebäuden oder in Steinbrüchen ausführen
  • Bühnenfeuerwerker, die Feuerwerke an überdachten Orten ausführen dürfen, zum Beispiel in Hallen oder auf Theaterbühnen 
  • Großfeuerwerker, die die oft spektakulären Feuerwerke unter freiem Himmel veranstalten
  • SFX-Leute, die für Spezialeffekte in Film, Fernsehen und auf Bühnen zuständig sind.

Übrigens: Wolfgang Stabe selbst besitzt den Status als SFX-Mann. Am Sonntagabend ist er am Schauspiel Essen bei der Inszenierung "Casanova" dabei und sorgt dafür, dass die weibliche Hauptrolle am Ende von drei täuschend echt wirkenden Schüssen blutende Wunden erleidet.

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