Darum wartet eine Kita fast zwei Jahre aufs neue Klettergerüst

Bürokratie-Probleme

In der Fabido-Kita Kletterland riss die Stadt Dortmund im Mai 2016 das Klettergerüst ab, weil es nicht mehr sicher war. Bis heute gibt es keinen Ersatz - und auch die Möglichkeit, ein neues Gerüst anzuschaffen, gestaltet sich wegen bürokratischer Wege und Vorgaben schwierig. Dabei ist das Geld da. Wir erklären die Hintergründe.

LÜTGENDORTMUND

, 09.02.2017, 10:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Da war die Kindergartenwelt am Käthe-Schaub-Weg noch in Ordnung: Das Bild zeigt das Klettergerüst im Jahr 2012. Jetzt ist es weg. Und vor Februar 2018 gibt es offenbar auch kein Neues.

Da war die Kindergartenwelt am Käthe-Schaub-Weg noch in Ordnung: Das Bild zeigt das Klettergerüst im Jahr 2012. Jetzt ist es weg. Und vor Februar 2018 gibt es offenbar auch kein Neues.

Das Gerüst wurde im Mai abgerissen, weil es nicht mehr sicher war, sagt die Stadt. Warum hat es bis heute keinen Ersatz gegeben?

Das Geld ist da. Finanziert werden soll das Klettergerüst durch Restgelder aus dem Vorjahreshaushalt. Doch beschaffen lässt es sich nicht so leicht, weil die Aufträge für mehr als 500 Schulen, Kindergärten und öffentliche Spielplätze zweimal im Jahr beim Tiefbauamt zusammenlaufen - das ist viel Arbeit auf einmal und dauert lange. Genauer: im Durchschnitt 50 Wochen. So lange dieses Nadelöhr nicht vergrößert werde, bleibe es auch dabei, sagt Jürgen Skaliks von Fabido.

Ist das tatsächlich der einzige Grund?

Nein. Was vor allem Zeit kostet, sind die bürokratischen Wege und Vorgaben, die eingehalten werden müssen. Den gesamten Prozess vom Antrag bis zum Aufbau erklärt Heiko Just vom Tiefbauamt: Erst müsse bei Gas-, Wasser-, Strom-, Telefon- und Fernwärmeunternehmen geklärt werden, ob sich im Boden Leitungen befinden. Dann würden Bergbaubelastungen und Kampfmittel abgefragt. Weil 2008 neue Luftaufnahmen von abgeworfenen Bomben aufgetaucht waren, müssen Auswertungen aus den Jahren davor wiederholt werden. Allein diese Abfrage dauere 20 bis 24 Wochen.

Was ist, wenn irgendwo ein Verdachtspunkt auftaucht?

Dann kann es schon einmal eineinhalb Jahre dauern, bis gebohrt werde. Falls nicht, würde das Tiefbauamt anschließend Fallschutzflächen ausmessen und Ausschreibungen vorbereiten. Aber auch da gebe es rechtliche Vorgaben. "Wir können nicht einfach zu einer Firma gehen und sagen: Bau uns ein Spielgerät", sagte Heiko Just. Die öffentlichen Ausschreibungen dauerten drei Monate. Vom Auftrag bis zur Lieferung vergingen noch einmal bis zu zwölf Wochen.

Wie reagieren die Eltern und Erzieher?

Vor allem mit Kopfschütteln. "Es ist ein Unding, dass ein zertifizierter Bewegungskindergarten ohne Klettergerüst dasteht", sagt beispielsweise Vater Manfred Klein. Andreas Weber sagt: "Ich bin sehr verwundert und auch ärgerlich, dass erst eins abgerissen wird und es dann kein neues Klettergerüst gibt. Wenn ich so arbeiten würde, wäre ich meinen Job los." Die Erzieher täten ihr leid, sagt eine Mutter. "Die müssen jetzt fast 100 Kinder beschäftigen und haben nur diese Sandfläche und zwei Schaukeln."

Gibt es im Kindergarten Alternativen zum Klettergerüst?

Der stellvertretende Einrichtungsleiter Mark Bieniek sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich das Fehlen des Klettergerüstes nicht auf den Alltag der Kinder auswirke: "Als es weg war, haben wir in Bewegungsmaterialien wie eine Slackline investiert, um den Bewegungsdrang weiter fördern zu können." Außerdem gebe es Waldtage, Taekwondounterricht und Spaziergänge zu anderen Spielplätzen in der Nähe. Den Ärger der Eltern könne er verstehen, es ginge allerdings auch um die Sicherheit der Kinder.

Die Kita Kletterland

Die Fabido-Kita Kletterland am Käthe-Schaub-Weg 33 ist einer von drei städtischen Bewegungskindergärten.
75 Kinder zwischen null und sechs Jahren besuchen die Kita.
14 Erzieherinnen und Erzieher arbeiten dort.

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