Darum wird die Brückstraße jetzt videoüberwacht

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Fünf 360-Grad-Kameras hängen seit wenigen Tagen in luftiger Höhe an den Gebäuden in der Brückstraße. Die runden, schwarzen Apparate sind unscheinbar, doch sie haben es in sich: Sie bilden die ganze Brückstraße inklusive der Straße Helle und den Platz von Leeds ab. Am Freitag startet die Videoüberwachung.

DORTMUND

, 16.12.2016, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach den Übergriffen an Silvester 2015/16 am Kölner Hauptbahnhof hat das Land NRW einen 15-Punkte-Plan beschlossen, der für mehr innere Sicherheit sorgen soll. Im Zusammenhang mit diesem Plan soll unter anderem auch die Videoüberwachung ausgeweitet werden. Der politische Beschluss hat jetzt auch Dortmund sichtbar erreicht. Am Freitagabend (22 Uhr) startet die Videoüberwachung der Brückstraße.  

Wer beschließt in Dortmund den Ort für die Videoüberwachung?

Das ist Sache des Polizeipräsidenten Gregor Lange. Dass die erweiterte Überwachung überhaupt möglich ist, liegt an dem politischen Beschluss. Wo genau in welcher Form überwacht wird, entscheidet aber jeder Polizeipräsident. Lange sagt, er habe nach "langer intensiver Beratung" die Entscheidung getroffen, die Kameras an der Brückstraße installieren zu lassen.

Warum die Brückstraße?

Die Brückstraße sei im Bereich der Innenstadt ein "Kriminalitätshäufungsbereich", sagt Lange, und das sei Voraussetzung dafür, überhaupt filmen zu dürfen. Zwar mache die Brückstraße flächenmäßig nur 7 Prozent der 1200 Quadratmeter der von der Polizei untersuchten Innenstadtfläche aus, jedoch fänden dort 22 bis 23 Prozent der Straßenkriminalität statt.

Das trifft doch auch auf andere Bereiche zu. Warum wird nicht beispielsweise an der Münsterstraße gefilmt?

Der Unterschied hier sei, dass an der Brückstraße nicht die Gefahr bestünde, dass sich die Kriminalität an andere Orte verlagere, gleichsam durch die Videoüberwachung also verdrängt werde. In der Nordstadt passiere das jedoch häufig, auch jetzt schon. "In der Brückstraße hängt die Art der Kriminalität eng zusammen mit dem Klientel, das diese Gegend besucht", sagt Lange. So hätten es potenzielle Täter gezielt auf Konzerthaus-, Gastronomie- und Partybesucher abgesehen.

Wird rund um die Uhr gefilmt?

Nein. Die Überwachung, sagt Lange, solle "mit Augenmaß" stattfinden: "Würden wir ohne groß nachzudenken an allen Kriminalitätsschwerpunkten der Stadt rund um die Uhr Kameras anbringen, ginge das verdächtig nah in Richtung Polizeistaat." Er sei sich bewusst, "dass wir mit der Videoüberwachung in das Persönlichkeitsrecht von Menschen eingreifen." Daher werden die Kameras auch nur zu Schwerpunktzeiten eingeschaltet, also in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag, jeweils von 22 bis 7 Uhr.

Wie sollen die Kameras denn Überfälle verhindern?

Es sind nicht nur die Kameras allein, die die Kriminalität zurückdrängen sollen. Gleichzeitig zu den Schwerpunktzeiten würden ebenfalls vermehrt Beamte in dem gefilmten Bereich unterwegs sein, die mit den Kollegen in der Leitstelle per Funk verbunden sind. Zwei Beamte sichten permanent die Filme und geben ihren Kollegen vor Ort Bescheid, wenn sich etwas zusammen braut. Die sollen dann so schnell wie möglich vor Ort sein. "Unser Ziel ist nicht 'Big brother is watching you'", sagt Lange. "Wir wollen vor allem die Vollendung von Straftaten verhindern." Die Besucher von "außerhalb" sollten das Gefühl einer größtmöglichen Sicherheit bekommen, und Täter merken, "die Polizei ist schon da und hat sie im Blick."

Werden die Bilder gespeichert?

Der politische Beschluss erlaubt, die Bilder zu speichern. Das passiert in Dortmund auch - und zwar für 14 Tage. Nicht gelöscht werden die Aufnahmen nur dann, wenn tatsächlich Straftaten darin aufgezeichnet sind und der Aufklärung eines Falls dienen können.

Wie lange läuft das Projekt?

Zunächst ein Jahr, danach findet eine Evaluation statt. Genaueres wird entschieden, wenn die Daten ausgewertet wurden und zeigen, ob die Maßnahme tatsächlich den erhofften Erfolg gebracht hat oder nicht. Während dieses ersten Jahres sollen in anderen Bezirken in Dortmund erst einmal keine Kameras mehr angebracht werden.

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