Das Gitarrenbuch, das nie geplant war

Interview Peter Bursch

"Peter Burschs Gitarrenbuch“ gibt es seit 40 Jahren – in fast jedem musikalischen Haushalt. Über 1,5 Millionen Exemplare hat der „Gitarrenlehrer der Nation“ davon verkauft. Musikgrößen wie die Toten Hosen lernten nach seiner Methode Gitarre spielen. Jetzt hat Peter Bursch einen Gitarrenworkshop in der Musicfactory in Marten gegeben. Sarah Bornemann hat mit ihm über seine Lehrmethode, Gitarrensucht und Helene Fischer gesprochen.

MARTEN

, 09.11.2016, 00:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Lange Haare, Nickelbrille, Schnäuzer und ein entspanntes Lächeln: So kennt man Peter Bursch auch aus seinen Gitarrenbüchern, für die er sich als Comicfigur gemalt hat. Bei seinem Workshop in Marten kam am Sonntag Stimmung auf.

Lange Haare, Nickelbrille, Schnäuzer und ein entspanntes Lächeln: So kennt man Peter Bursch auch aus seinen Gitarrenbüchern, für die er sich als Comicfigur gemalt hat. Bei seinem Workshop in Marten kam am Sonntag Stimmung auf.

Herr Bursch, Sie sagen, nach wenigen Minuten mit Ihnen kann jeder Gitarre spielen.

Es gibt ganz leichte Griffe mit nur einem Finger, das kann jeder. Die zeige ich auch bei meinem Workshop, dann üben wir den Rhythmus, und dann singen wir schon das erste Lied: „Laterne, Laterne …“ (lacht) Es gibt auch viele Hits, die nur einen Griff haben – dann haben die schon ein Erfolgserlebnis. Dann zeige ich den zweiten Griff, wir spielen Eric Clapton, und sie sind ganz begeistert, wie einfach man selber Musik machen kann. Sie sehen: Mensch, ist überhaupt nicht schwer. Müssen nur selber dabeibleiben.

Warum sollte jeder Mensch Gitarre spielen lernen?

Weil sie da was fürs Leben haben. Wenn man sich schlecht fühlt, spielt man ein paar Griffe, hört den Klang, dann ist die schlechte Stimmung weg. So geht‘s mir und vielen anderen. Auch wenn manche meinen, sie haben kein Talent: Drei, vier Griffe, die schafft jeder. Ich hab noch nie einen gehabt, der das nicht konnte.

Was wollen Sie erreichen?

Ich will den Spaß vermitteln, ihnen die Angst nehmen und zeigen, dass Gitarre spielen gar nicht so schwer ist. Wenn man den Einstieg schafft, ist man auf jeder Party direkt der King. Jugendliche wollen oft beim anderen Geschlecht landen, mit der Gitarre klappt das meisten. Da habe ich auch selber Erfahrung (lacht). Fürs ganze Leben kann das ein wichtiges Hilfsmittel sein.

Wie meinen Sie das?

Ich kriege viel Post aus Gefängnissen, da haben die Leute Zeit, um mit meinem Buch zu lernen. Eine Mutter hat sich bei mir bedankt: Ihr Sohn sei drogensüchtig gewesen, dann lernte er Gitarre spielen – jetzt sei er gitarrensüchtig! Dadurch hat er den Sprung zurück ins normale Leben geschafft. Den Brief habe ich dem Justizminister geschickt und gesagt, da müssen wir mal eine Aktion machen. Ich habe für alle Justizvollzugsanstalten in NRW Gitarren und Bücher organisiert, manchmal gebe ich auch einen Workshop. Das ist eine schöne Arbeit, man kriegt viel zurück.

Wie haben Sie Gitarre spielen gelernt?

Ich hatte nie einen Lehrer, ich hab mir die Sachen immer bei anderen abgeguckt. In den 50er-Jahren gab es nur Klassikunterricht. Zum Glück spielten im Ruhrgebiet oft englische Bands, die konnten schon die Rock-n‘Roll-Spieltechniken. Dann stand ich in der ersten Reihe, hab mir das angeguckt und bin dann nach Hause geflitzt und hab versucht, es nachzuspielen. DVDs oder Bücher gab es ja damals nicht.

Wie ist das Buch entstanden?

Ich wollte nie ein Buch schreiben, ich wollte als Rockmusiker um die Welt fahren und Geld verdienen. 1969 haben wir die Band Bröselmaschine gegründet. Wir lebten in einer Kommune zusammen, das war damals so. Als junger Musiker war ich schon in den USA und England unterwegs, da habe ich mir überall Spieltechniken abgeguckt. Wenn ich von der Tournee zurückkam, sagten im Freundeskreis alle: Zeig doch mal! Dann habe ich irgendwann VHS-Kurse gegeben, und die wurden immer voller. Dann kam irgendwann die Frage: Kannst du das nicht mal aufschreiben? In der nächsten Tourpause habe ich das auf der Schreibmaschine aufgeschrieben und Comics dazu gemalt. Daraus wurde das erste Gitarrenbuch. Und jeder wollte es haben, viele haben es sich kopiert. Aber die großen Verlage wollten es nicht, weil vorne drauf stand: ohne Noten.

Das ist Ihr Markenzeichen.

Alle, die zu mir kamen, hatten keinen Bock auf Noten, die wollten loslegen. Ich zeige das mit Griffen und einem Zahlensystem, der Tabulatur, da kann man direkt sehen, was man spielt. Das kommt aus dem Mittelalter. Ich hatte es in den USA bei Bluesmusikern gesehen. Nur ein kleiner Verlag sagte damals, komm, ich riskiere das. Dann wurde das Buch der große Renner. Wenn ich heute auf Musikmessen die großen Verlage treffe, schlagen die die Hände vors Gesicht und sagen: Meine Güte, hätte ich sie mal nicht abgelehnt!

Was ist Ihr Geheimnis?

Bei meiner Methode ist es so, dass ich populäre Lieder nutze, die alle kennen und singen können. Dann merkt man nicht, dass man Griffwechsel übt, dann fällt das nicht so schwer. Es ist schon eine Erlebnis, wenn man das erste Metallica-Stück spielen kann. Am Sonntag haben wir nicht nur Griffe und Songs geübt, sondern auch berühmte Gitarrenmelodien wie „Smoke On The Water“. Ich habe ihnen gezeigt, wie man das mit einem Finger lernen kann. Da kam schon Stimmung auf. Dann habe ich die CD von Deep Purple angemacht, schön langsam, dass alle mitspielen können. Und dann hab ich gesagt: Wenn ihr heute nach Hause kommt, sagt ihr, ihr habt mit Deep Purple gespielt (lacht). So kleine Erlebnisse braucht man, dadurch bleibt man dabei.

Heute lernen Ihre Schüler mit Songs wie „Atemlos“ von Helene Fischer …

Das kommt durch die Teilnehmer in den Workshops oder Kursen. Es gibt so ein paar Klassiker, „Blowing In The Wind“ oder „House Of The Rising Sun“, die werden wahrscheinlich ewig bleiben. Als „Atemlos“ rauskam, haben viele gesagt: Mensch, kannste mir das mal zeigen? Jeder wollte die Griffe lernen, dann haben wir eben mit allen „Atemlos“ gespielt. Wenn ich merke, das macht denen Spaß, habe ich kein Problem damit.

Warum geben Sie heute noch Gitarrenunterricht?

Ich mache das total gerne. Ich habe auch eine Gitarrenschule in Duisburg. Als ich da mal eine Pause hatte und mehr live gespielt habe, fehlte mir das. Es ist ein Teil meines Lebens, ich will auch sehen, dass es klappt. Wenn ich auf Festivals spiele, und da kommt eine junge Band und sagt, wenn dein Gitarrenbuch nicht wäre, dann würden wir hier nicht stehen – dann ist das ein schönes Erlebnis.

Weitere Informationen zu Peter Bursch unter www.peter-bursch.de

 

 

 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt