Das hätte die Hiroshima-Bombe in Dortmund angerichtet

Zerstörungskarte

Die Dortmunder City, das Klinikviertel und der Hauptbahnhof wären auf einen Schlag weg, in den restlichen Innenstadt-Quartieren würden 70 Prozent aller Menschen sterben - zum 70. Jahrestag des Atombomben-Abwurfs auf Hiroshima zeigt eine interaktive Karte, welche verheerenden Wirkungen die Bombe auf andere Städte gehabt hätte.

DORTMUND

, 06.08.2015, 12:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das hätte die Hiroshima-Bombe in Dortmund angerichtet

Verstrahlte Ödnis, wohin das Auge reicht. So sah es in Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe am 6. August 1945 aus.

Vor 70 Jahren - am 6. August 1945 - warf die US-Armee eine Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab. 140.000 Menschen starben, entweder direkt oder an den Spätfolgen. Zum Jahrestag hat das in den USA beheimatete internationale Netzwerk öffentlich-rechtlicher Radio-Stationen PRI eine interaktive Karte entwickelt, in der man die Folgen der ersten Atombombe auf seine Heimatstadt simulieren kann.

Lässt man die Bombe im Dortmunder Zentrum digital detonieren, ergibt sich ein schreckliches Bild (folgen Sie den englischen Anweisungen, um den Zerstörungsradius zu zeichnen):

Quelle: Public Radio International, zum Artikel

Von der Innenstadt Dortmunds wäre nach der Explosion der "Little Boy" genannten Atombombe nicht mehr viel übrig geblieben. Innerhalb eines Radius von rund 1,5 Kilometern wären 70 bis 90 Prozent aller Menschen gestorben, die Schockwelle und die Feuersbrunst der Explosion wären über die Gebäude der Innenstadt von der B1 bis zum Hafen, von der Dorstfelder Brücke bis zum Ostfriedhof hinweggefegt. Schwangere Frauen, die überlebt hätten, hätten ihr ungeborenes Kind durch die Strahlung verloren.

Durch die Feuersbrünste nach der Explosion wären noch in Hörde und Hombruch im Süden und Kemminghausen und Deusen im Norden viele Häuser schwer zerstört worden. Die Wucht der Explosion hätte noch in Unna und Bochum Fenster bersten lassen.

Gedenken in Dortmund

Damit sich solche Explosionen mit hunderttausenden Toten wie auf Hiroshima am 6. August und Nagasaki wenige Tage später am 9. August 1945 nicht wiederholen, gibt es weltweit Gedenkveranstaltungen. In Dortmund organisieren zum Jahrestag die Deutsch-Japanische Gesellschaft und Dortmunder Friedensinitiativen den Mahngang „Atomwaffen weltweit ächten und vernichten“. Anschließend gibt es eine Gedenkveranstaltung im Rathaus.

„Wir gestalten gemeinsam mit den Dortmunder Friedensinitiativen den Hiroshima-Tag und setzen ein Zeichen“, sagen die Initiatoren Horst und Yoko Schlütermann von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft. „Opfer von Atomwaffen und Unfällen in Atomkraftwerken ereilt dasselbe Schicksal. Also demonstrieren wir gegen atomare Energien“, sagt Yoko Schlütermann.

Mahngang führt ab 18 Uhr zum Rathaus

Der Mahngang führt am 6. August um 18 Uhr von der Reinoldikirche durch die Innenstadt zum Rathaus, wo ab 19 Uhr die Gedenkveranstaltung stattfindet. Neben der Initiatorin Yoko Schlütermann wird dort auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau eine Gedenkrede halten. Begrüßt werden die Teilnehmer nach dem Marsch im Rathaus vom Dortmunder Lichtmaler Leo Lebendig.

Er wird mit 28 Demonstranten im Zentrum des Rathauses eine Welt-Friedens-Blume als Mahnmal gegen Atomkraft errichten. „Ich will ein Hoffnungsbild erzeugen: Die Blume steht für die Religionen der Welt und für Frieden.“ So erklärt der Künstler seine Inspiration und seinen Beitrag zum Gedenktag.

Nachkomme eines Hiroshima-Überlebenden spielt Posaune

Musikalisch wird die Veranstaltung vom Posaunentrio „Buccinate“ begleitet. Das Trio besteht aus dem Ehepaar Rima Ideguchi und Fabian Liedtke und einem weiteren Musiker. Nach den Gedenkreden will das Ehepaar aus dem Buch „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“ vorlesen. Autor des Buches ist Rima Ideguchis Großvater, der den Atombomben-Abwurf in 500 Metern Entfernung überlebt habe, erzählt Fabian Liedtke. Das Paar hat das Buch selbst übersetzt.

Der Gedenktag wird durch ein loses Bündnis aus Friedensaktivisten unterstützt, wie Margret Ullrich und Renate Schmitt-Peters, die zu den Dortmunder Ablegern von Frauenfriedensinitiative, Attac und Pax Christi gehören. Yoko Schlütermann freut sich über viele Teilnehmer: „Wir rufen alle Dortmunder und das Umland auf, mitzulaufen oder zum Rathaus zu kommen.“

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