«Das hat mich beeindruckt»

Interview mit Umweltminister Sigmar Gabriel über die Bedeutung der Bergarbeiter

21.05.2007 / Lesedauer: 3 min

Herr Gabriel, kennen Sie ein Bergarbeiterlied? Gabriel: Na klar: «Glück Auf, der Steiger kommt», das wird auch im Harz gesungen. Der Dorstfelder Knappenverein blickt auf eine 140-jährige Geschichte zurück. Wie sehen Sie die Bedeutung der Bergbautradition für die Gegenwart? Gabriel: Knappenvereine repräsentieren Leistungsbereitschaft, Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und das Einstehen füreinander. Das sind die traditionellen Werte des Bergbaus. Die gelten nicht nur unter Tage, sondern auch über Tage, und daran müssen wir uns immer wieder erinnern. Können Sie ein Beispiel nennen, wie sich die kulturgeschichtliche Bedeutung des Bergbaus für die Zukunft erhalten lässt? Gabriel: Als bei uns im Harz eines der letzten großen Bergwerke geschlossen wurde, sollte es «geschliffen» werden, d.h. die Gebäude abgerissen und die Flöze aufgeschüttet. Das haben wir verhindert, das war mir sehr wichtig, und inzwischen ist es ein gut besuchtes Museum und Teil des Weltkulturerbes. Das ist ein gutes Beispiel, finde ich. Stichwort Strukturwandel: Der Dortmunder Stadtdirektor Ullrich Sierau machte den Vorschlag, in den Innenstädten viel mehr Bäume zu pflanzen, um die Lebensqualität der Großstädte zu erhöhen. Ein praktikabler Ansatz? Gabriel: Sicher. Die Stadtplaner nennen das `städtisches Begleitgrün´. Aber klar, es ist ja bekannt, dass Bäume die Temperaturentwicklung und den Sauerstoffgehalt der Städte positiv beeinflussen und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Können Sie abschließend eine persönliche Anekdote erzählen, die Sie mit dem Bergbau verknüpfen? Gabriel: Ich bin in Goslar aufgewachsen, und da gibt es ebenso wie hier eine lange Bergbautradition. Der Mann meiner Grundschullehrerin zum Beispiel war Bergmann. Er kam zu uns in die Schule und hat uns von seinem Beruf erzählt, von der harten Arbeit, den Gefahren und der Kameradschaft. Das hat mich sehr beeindruckt. Heutzutage müssen wir uns vor Augen halten: Der ganze Reichtum der EU basiert auf der Arbeit der Bergleute. In dem Bewusstsein müssen wir mit ihrem Andenken umgehen. Tilman Abegg Dortmunder Zeitung

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