„Das Herz schlug bis zum Hals“: Sanitäter über ihre Geburtshilfe im Pkw

mlzGeburt auf der Kreuzung

Den Rummel um seine Nothilfe bei der Geburt auf der Straße am Mittwochmorgen mag er gar nicht. Und jetzt wird das Ereignis für den Notfallsanitäter auch noch richtig teuer.

Mengede

, 23.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Der Micha hat wieder ein Kind gekriegt“, solche und ähnliche kameradschaftlichen Sprüche durfte sich Michael Erdmann (33) am Donnerstag (22.10.) in der Feuerwache Mengede an der Haberlandstraße anhören.

Da hatte er sich zumindest schon körperlich von dem stressigen Erlebnis am Tage zuvor erholt, als er und sein Kollege Tim Wiesner durch einen Notruf auf die Kreuzung Waltroper Straße/Ecke Königshalt gerufen wurden und auf ein Auto stießen, in dem eine Frau in den Wehen lag.

Im Auto war es sehr eng

„Da hat das Herz schon bis zum Hals geschlagen“, gibt der Notfallsanitäter zu. Da half ihm auch nicht, dass er bereits im Juli dazu beigetragen hatte, ein Kind auf die Welt zu bringen. „Das war ja auch eine Hausgeburt“, sagt er.

Diesmal war die Geburt viel kniffeliger. Als die beiden Retter eintrafen, war die Geburt bereits so weit fortgeschritten, dass die Mutter nicht mehr umgelagert werden konnte. Das Kind kam also zwischen Autositz und Armaturenbrett zur Welt. „Das war eng, das war die Schwierigkeit“, berichtet Tim Wiesner (22), der als Auszubildender im zweiten Jahr eine unerwartete und wertvolle Erfahrung machen durfte.

Die Silberwindel kam zum Einsatz

Zum Beispiel durfte er erstmals eine sogenannte Silberwindel einsetzen. Silberwindeln sind Schutzfolien in der Form eines Stramplers, die das Baby warmhalten.

Die beiden Nothelfer sind bescheiden und führen die gelungene Entbindung vor allem auf die erfahrene Mutter, den coolen Vater, die eilige Hebamme, und die Kollegen von der Polizei Mengede zurück. „Die Polizei war sofort da und hat den Verkehr um uns herumgeleitet“, so Michael Erdmann. „Da gab es dann auch keine Probleme mit Gaffern.“

„Die Entscheidung muss man erstmal treffen“

Ein Extralob gab es für den Vater des Kindes, das es so eilig hatte, dass es den Weg ins Krankenhaus nicht mehr abwarten wollte: „Der hat alles richtig gemacht. In der Situation zu erkennen, dass er nicht weiterfahren darf und den Mut hat, auch einfach mal an der Kreuzung zu halten, war klasse. Die Entscheidung muss man erstmal treffen.“

Kind gesund, Mutter gesund, Vater glücklich – für die beiden Notfallsanitäter hätte alles gut sein können. Doch dann kam am Donnerstag die Presse in die Feuerwache und der Reporter musste ausgerechnet fragen, ob Michael Erdmann nach seiner erneuten Geburtshilfe jetzt einen ausgeben muss.

Dazu hatten die Kameraden von der Feuerwehr eine ganz eindeutige Meinung und deshalb steht für Michael Erdmann nun ein Frühstück für alle auf dem Einkaufszettel.

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