„Das ist gefährlich“ – so bewertet Bier-Experte Antonio Link das Weihnachtsstadt-Bier

mlzBier-Test

Zum ersten Mal gibt es auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt ein speziell gebrautes Bier. Wir haben es mit einem Experten getestet und der erklärt, warum es mit Vorsicht zu genießen ist.

Dortmund

, 20.11.2019, 21:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es wirkt eigentlich paradox: Ausgerechnet in Dortmund war Bier auf dem Weihnachtsmarkt bisher tabu. Das ändert sich in diesem Jahr. Erstmals gibt es ein eigens gebrautes „Weihnachtsstadt-Bier".

Am Mittwochabend wurde es in kleiner Runde zum ersten Mal an Hövels Hausbrauerei am Wall verköstigt. Während des Weihnachtsmarktes wird es dann einige Meter weiter vor der Petrikirche bei „Go-Gärtchen Glühwein" ausgeschenkt. Allerdings ausschließlich dort.

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Die Veranstalter hatten sich bisher gegen den Ausschank von Bier auf dem Weihnachtsmarkt entschlossen, aus Sorge, der könne den Charakter der Veranstaltung verändern. „In der Zeit, in der man einen Glühwein trinkt, schafft man fünf Bier", rechnet der Veranstalter Patrick Arens vor. Der Weihnachtsmarkt solle kein Trinkgelage sein.

Wunsch der Besucher

Jetzt hat sich die selbsternannte Weihnachtsstadt scheinbar an ihre Tradition als Bierstadt erinnert. Wohl auch auf Drängen der Dortmunder. „Wir haben gehört, dass die Dortmunder zwischendurch mal ganz gerne ein Bier trinken", sagt Arens. „Das wurde zuletzt häufiger an uns herangetragen."

Rund um den Hansaplatz und den Alten Markt sei das aber immer schon problemlos möglich gewesen, weil dort genug Gastronomie sei. An der Petrikirche sieht es dahingehend allerdings ein bisschen mauer aus. „Deshalb haben wir uns dort für einen Stand entschieden, um das mal auszuprobieren", erklärt Arens.

Lob für den feinporigen Schaum

Und wir haben uns für Antonio Link entschieden, um das Bier vorab mal auszuprobieren. Er ist Geschäftsführer des „Hopfen und Salz" in Lütgendortmund. Mit seinem Restaurant hat er den Fokus auf Bier und Brautradition gelegt. 486 verschiedene Biere schenkt er dort aus. Nach eigener Angabe sei das die größte Auswahl Deutschlands - zumindest was Gastronomien angeht. Link hat also genug Vergleichsmöglichkeiten.

Sich selbst bezeichnet er als Bierliebhaber, der mit Bier groß geworden sei. In seinem Restaurant lädt er immer wieder zu Biertastings ein. Am Mittwochabend testete er das „Weihnachtsstadt-Bier". Nach dem ersten Schluck urteilt er: „Das schmeckt."

„Das ist gefährlich“ – so bewertet Bier-Experte Antonio Link das Weihnachtsstadt-Bier

Bier-Experte Antonio Link hat das Dortmunder Weihnachtsstadt-Bier für uns getestet. © Lukas Wittland

Nach dem zweiten erklärt er dann ein klein wenig genauer: „Das Bier geht in Richtung Export. Es hat aber weniger Kohlensäure, mehr Charakter und ist noch volumiger. Bitterkeit und Malz sind schön ausbalanciert. Der leicht bittere Geschmack kommt erst hinten raus." Außerdem lobt er den feinporigen Schaum.

„Spanferkel und Krustenbraten passen wundervoll dazu."

Für den gemeinen Biertrinker zieht Link dann aber nochmal ein etwas anschaulicheres Fazit: „Das ist schön süffig. Es schmeckt nach mehr. Das ist gefährlich." Das sei allerdings durchaus als Lob zu verstehen, sagt er und lacht. Man müsse aber aufpassen, nicht zu viel zu trinken. Zum Bier empfiehlt er eine scharfe Currywurst. „Aber auch Spanferkel und Krustenbraten passen wundervoll dazu."

80 Fässer abgefüllt

80 Fässer á 50 Liter hat Hövels-Braumeister Martin Neuhaus von dem Bier gebraut. Bei 0,3 Liter, die ausgeschenkt werden, sind das immerhin mehr als 13.000 Gläser. Ein Glas kostet drei Euro plus drei Euro Pfand. Sollten die alle ausgetrunken sein, könnten sie zur Not noch nachbrauen, sagt Neuhaus. Das dauere aber etwa vier Wochen.

Den Glühwein wird das Bier in der Weihnachtsstadt also wohl nicht ablösen. Bei all dem Lob hat es ihm gegenüber auch einen entscheidenden Nachteil. Es kommt kalt aus dem Hahn. Zum Händewärmen eignet es sich also definitiv nicht.

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