Sorgenkind Oelbachtal: Hilfe für eines der wertvollsten Bachtäler des Ruhrgebiets naht

mlzNaturschutz in Dortmund

Die seltene Tier- und Pflanzenwelt im Oelbachtal ist gefährdet: Das Naturschutzgebiet wuchert immer mehr zu und verdrängt den Bestand. Nun gibt es gute Nachrichten für Dortmunds Naturjuwel.

Lütgendortmund, Bövinghausen

, 15.02.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende Oktober 2019 funkte der Lütgendortmunder Vogelkundler und ehemalige Landschaftswächter Felix Ostermann SOS: Das Naturschutzgebiet Oelbachtal sei zu lange vernachlässigt worden und nun in einem besorgniserregenden Zustand.

Denn unter der unkontrolliert und üppig wuchernden Vegetation sowie den ausgetrockneten Tümpeln leide die dort beheimatete und seltene Tier- und Pflanzenwelt.

Die Folge seien drastische Bestandsrückgänge, etwa bei Vogelbrutarten wie Rohrammer, Sumpfrohrsänger, Dorngrasmücke und Wasserralle. Das Oelbachtal in Lütgendortmund, Bövinghausen und Bochum-Harpen/Gerthe gilt als eines der wertvollsten Bachtäler des Ruhrgebiets.

Ein Bild aus dem Jahr 2000, vor 20 Jahren gab es im Oelbachtal deutlich weniger Bäume und Büsche.

Ein Bild aus dem Jahr 2000, vor 20 Jahren gab es im Oelbachtal deutlich weniger Bäume und Büsche. © Felix Ostermann

Auch andere Ärgernisse zählte Felix Ostermann auf, die dem Naturgeschehen zusetzen: Nicht nur Hunde liefen dort frei herum, auch Spaziergänger würden mitten durchs Naturschutzgebiet trampeln, weil die Wanderwege zugewuchert sind.

Naturschutzgebiet soll vom neuen Landschaftsplans profitieren

Auf diese schlechten Nachrichten folgen nun gute: Die Situation für die gesamte Talaue und das wertvolle Schilf-Gebiet könnte sich schon bald verbessern.

Die Rohrammer als Bodenbrüter ist stark gefährdet und als Brutvogel immer seltener im Oelbachtal zu sehen.

Die Rohrammer als Bodenbrüter ist stark gefährdet und als Brutvogel immer seltener im Oelbachtal zu sehen. © Felix Ostermann

Die Stadtverwaltung plant nach Angaben von Britta Perschbacher vom Team Umwelt- und Landschaftsplanung, zukünftig Brachflächen abschnittsweise zu mähen und freizuschlagen.

Büsche und Bäume sollen zurückgedrängt werden

Büsche, Bäume und andere dominante Pflanzen sollen so zurückgedrängt werden und wieder mehr Platz für die wertvolle Flora und Fauna machen.

Geld und Personal für das Vorhaben soll es geben, sobald der neue Landschaftsplan Dortmund verabschiedet ist. An seiner Neuaufstellung arbeitet die Stadt aktuell noch.

Die Wasserralle unterstreicht als äußerst seltener Wasservogel den ökologischen Wert des Naurschutzgebiets Oelbachtal.

Die Wasserralle unterstreicht als äußerst seltener Wasservogel den ökologischen Wert des Naurschutzgebiets Oelbachtal. © Felix Ostermann

Weil für den Eingriff schweres Gerät benötigt werde und anschließend viel Biomasse abtransportiert werden müsse, könnten die Arbeiten aber nicht direkt starten.

Liegenschaftsamt kümmert sich um ein Wegerecht

Das Liegenschaftsamt kümmere sich gerade um ein Wegerecht. 2021 könnte es möglicherweise soweit sein. Noch keine endgültige Lösung habe man für die Entsorgung des umfangreichen Grünschnitts gefunden.

Die Wiesenstelze ist ein früherer Brutvogel im Oelbachtal, als dort noch Pferde und Schafe eines anliegenden Bauern grasten. Sie wird heute nur noch sehr selten gesehen.

Die Wiesenstelze ist ein früherer Brutvogel im Oelbachtal, als dort noch Pferde und Schafe eines anliegenden Bauern grasten. Sie wird heute nur noch sehr selten gesehen. © Felix Ostermann

Um das rund 50 Hektar große Naturschutzgebiet zukünftig vor unwissenden Bürgern besser zu schützen, wolle man ein „gutes Informationsangebot“ schaffen, so Britta Perschbacher.

Mit Blick auf das Vandalismus-Problem seien Infotafeln aber nicht die ideale Lösung. „Wir denken da eher an QR-Codes oder andere Internetangebote.“

Mehr Kontrolle vor Ort im Ölbachtal

Um Motocross-Fahrer und andere Umweltsünder in die Schranken zu weisen, müsse es zudem mehr regelmäßige Kontrollen vor Ort geben. Das könne man nicht allein den ehrenamtlichen Landschaftswächtern überlassen, die oft aufs Übelste beleidigt würden, wenn sie Spaziergängern Hinweise geben, sagt Britta Perschbacher. „Dafür brauchen wir eigenes Personal.“

Das wertvolle Biotop im Oelbachtal mit seiner sehr guten Wasserqualität soll zudem durch einen Holzzaun gesichert werden.

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Ein weiteres Ziel sei ein neues, städteübergreifendes Wegesystem in Form eines Rundwegs. „Hier besteht zwischen beiden Städten noch Abstimmungsbedarf“, so die Referentin.

Renaturierung des Bövinghauser Baches

Vorgesehen sei auch die Renaturierung des Bövinghauser Baches. Dafür laufe gerade ein Planfeststellungsverfahren, so Perschbacher. Dieses Bauvorhaben könnte 2022 beginnen.

Das Oelbachtal soll auch weiterhin ein Besucher-Erlebnis für alle bereithalten, die sich still erholen wollen. „Einen Freizeitpark wollen wir hier nicht“, betont Britta Perschbacher.

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