Lehrer und Erzieher sollen sich künftig selbst testen dürfen. © picture alliance/dpa
Vorhaben der Landesregierung

Das sagen Dortmunder Lehrer zu den geplanten Corona-Selbsttests

Im Kampf gegen das Coronavirus sollen sich bald Lehrer und Erzieher selbst mithilfe von Schnelltests testen dürfen - eine gute Idee? Wir haben bei Dortmunder Lehrern nachgefragt.

Gerade an Schulen sind in den vergangenen Tagen und Wochen immer mehr Neuinfektionen aufgetreten. Lehrer und Schüler mussten immer wieder in Quarantäne, Unterricht fiel aus oder wurde notdürftig digital ersetzt. Die Nordmarkt-Grundschule in der Dortmunder Innenstadt musste sogar am Dienstag (1.12.) geschlossen werden.

Um Lehrkräfte an Schulen und Erzieher in Kitas besser zu schützen, sollen sich beide Berufsgruppen zukünftig selbst testen dürfen. Die neue Verordnung dazu soll am 4. Dezember in Kraft treten. Zunächst sollen Lehrer und Erzieher geschult werden, wie genau sie einen Schnelltest bei sich selbst machen können.

Gefahr: Stäbchen wird nicht tief genug in Nase oder Rachen geschoben

Bei einem Schnelltest steht das Ergebnis binnen 15 Minuten fest – das wäre eine große Zeitersparnis im Vergleich zu den sonst üblichen PCR-Tests. „Wer am Freitag getestet wird, bekommt möglicherweise erst am Mittwoch sein Ergebnis. Und wenn das positiv ausfällt, kann man über einige Tage Menschen anstecken. Insofern hat man nach Schnelltests eine baldige Rückmeldung“, meint Ute Tometten, Schulleiterin am Max-Planck-Gymnasium.

Die Gefahr beim Selbsttesten bestehe jedoch darin, dass Menschen sich das Stäbchen nicht tief genug in Nasen oder Rachen schieben. Daher hätte bisher auch medizinisches Personal die Tests durchgeführt. Deswegen brauche man auf alle Fälle Schulungen, ergänzt die Schulleiterin.

Bis zu den Weihnachtsferien haben Lehrer und Erzieher in NRW die Möglichkeit, sich insgesamt dreimal testen lassen. Diese Regelung gilt seit den Herbstferien. Davor war ein Test alle 14 Tage möglich.

Viele Fragen zur Umsetzung

Auch Birgitta Scholten, Lehrerin an Herder-Grundschule in Eving und Personalrätin bei der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Dortmund, findet die zusätzliche Möglichkeit des Testens sehr gut und ist dankbar dafür.

Bei einem Schnelltest ist ein Ergebnis meist innerhalb von 15 bis 20 Minuten sichtbar.
Bei einem Schnelltest ist ein Ergebnis meist innerhalb von 15 bis 20 Minuten sichtbar. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Sie sagt aber auch: „Wir wissen nicht, wie genau die Tests sind und was die Folgen eines positiven Ergebnisses sind.“ Außerdem stellen Schulungen einen zusätzlichen Aufwand in diesen ohnehin schon sehr stressigen Tagen dar.

Die Zuverlässigkeit der Schnelltests ist noch nicht sicher bestätigt. In Pflegeheimen beispielsweise wird dieses Verfahren bereits angewendet. Jedoch muss ein positiver Schnelltest mit einem positiven PCR-Test (ein Test, der vorwiegend in Krankenhäusern und Arztpraxen genutzt wird, Anm. d. Red.) bestätigt werden.

Daher meint Volker Maibaum, Vorsitzender der GEW Dortmund: „Sind die Schnelltests wirklich mit einem Schwangerschaftstest oder einem Fiebermessen vergleichbar? Wenn ein PCR-Test erfolgen muss, was passiert in der Zwischenzeit? Wer muss unter welchen Umständen in Quarantäne?“

„Tests müssen noch besorgt werden“

Da es noch viele Fragen gibt, rechnet Grundschullehrerin Scholten nicht damit, dass das Konzept bis Weihnachten vollständig umgesetzt wird. Sie vermute, dass alles erst im Januar in festen Formen sein werde.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte am Donnerstag (3.12.) dem WDR, dass das Ministerium dabei sei, das Ganze zu organisieren: „Wir werden heute mit der Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) und mit dem Familienminister Joachim Stamp (FDP) besprechen, wie wir in NRW damit umgehen.“ Die Tests müssten aber noch besorgt werden, dämpfte Laumann Hoffnungen auf baldige Schnelltests in Schulen.

In Hamburg wurden im November an zahlreichen Schulen tausende Schüler und Lehrkräfte getestet – der Anlass: An einer Schule im Stadtteil Harvestehude hatte es 13 bekannte Corona-Fälle gegeben. Der anschließende Massentest ergab mehr als 40 bisher unentdeckt infizierte Schüler.

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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