Kot im Hausflur, weniger Geld in der Kasse: Das sind die Verlierer des Weihnachtsmarkts

mlzWeihnachtsmarkt

Die Großveranstaltung in der City bringt nicht nur Positives mit sich. Menschliche Ausscheidungen, Umsatzeinbußen und Taschendiebe gehören ebenfalls zum Dortmunder Weihnachtsmarkt.

Dortmund

, 09.12.2019, 04:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Adventliche Stimmung, der Duft von gebrannten Mandeln, ein heißer Glühwein: Die Weihnachtsstadt zieht die Menschen in Massen an. Doch nicht jeder verbindet mit all den Buden und Besuchern ausschließlich positive Erlebnisse. Denn es gibt auch sie: die Verlierer des Weihnachtsmarktes.

Menschliche Ausscheidungen im Flur

Dennis Kaufhold kennt das schon: Wenn am Wochenende eine Veranstaltung mit Alkoholausschank wie der Weihnachtsmarkt auf dem Hansaplatz stattfindet, dann stößt er montagmorgens auf menschliche Ausscheidungen. Und zwar direkt neben seinem Geschäft: im Flur, der zur Haustür des Mehrfamilienhauses führt.

Kaufhold betreibt einen Schuh- und Lederservice am Hansaplatz und sieht im Weihnachtsmarkt eine gute, für die Stadt wichtige Institution - zumal er als Geschäftsmann selbst davon profitiert. Doch das Verhalten einiger Besucher kann er schlichtweg nicht nachvollziehen.

Besoffene wählen die nächste Ecke

„Im Moment ist es ganz schlimm“, sagt er, „wer besoffen ist, der nimmt offenbar die nächste Ecke.“ Und damit meint er keineswegs nur Urin: „Oft sieht man in dem Flur auch Erbrochenes.“ Ja, selbst menschlicher Kot habe dort schon gelegen. Zwar gebe es solche Auswüchse das ganze Jahr, verstärkt jedoch bei Feierlichkeiten auf dem Platz.

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„Und es wird immer schlimmer“, erkennt Kaufhold, er sieht „eine Verrohung“ in der Gesellschaft. Die Verlierer seien in diesem Fall die Anwohner, die morgens über menschliche Ausscheidungen steigen müssten. Da ansonsten jedoch die ganze Stadt vom Weihnachtsmarkt profitiere, könnte er sich eine Änderung vorstellen, um des Problems Herr zu werden: mehr Toiletten.

Kot im Hausflur, weniger Geld in der Kasse: Das sind die Verlierer des Weihnachtsmarkts

Niels Schulte sieht eine Personengruppe in der Verliererrolle: „Das sind die Händler des Wochenmarktes.“ © Dieter Menne

Niels Schulte hingegen sieht eine andere Personengruppe in der Verliererrolle: die Händler des Wochenmarkts, die während des Weihnachtsmarkts vom Hansa- auf den Friedensplatz umziehen müssen.

„Das bedeutet Umsatzeinbußen von 30 bis 50 Prozent“, sagt Schulte, der als Sprecher des Wochenmarktes weiß, wovon er redet. „Denn auf dem Friedensplatz fällt die Laufkundschaft vom Westenhellweg weg.“ Trotzdem nimmt's Schulte relativ gelassen: „Es gehört dazu und es gibt keine Alternative.“

Vorsicht vor Taschendieben

Ein Verlierer des Weihnachtsmarktes ist so manches Mal der Besucher selbst - vor allem, wenn er zu tief in die Glühweintasse geschaut hat. Nicht umsonst zeigt die Bundespolizei während des Weihnachtsmarktes verstärkt Präsenz am Hauptbahnhof.

Und zwar nicht wegen Gewaltkriminalität, erläutert Bundespolizeisprecher Volker Stall, „sondern wegen Taschendiebstahls.“ In der Weihnachtszeit seien neben vielen harmlosen Bürgern auch mehr Täter als sonst unterwegs: „Und sie suchen sich alkoholisierte Opfer.“

Wer nach einem Schläfchen im Zug wieder aufwache, dem fehle schon mal das Smartphone oder das Portemonnaie. Deshalb setze die Bundespolizei ab Ende November in den Zügen vermehrt speziell geschulte Beamte in Zivil ein. Diese Experten seien vor allem dort unterwegs, wo viel los ist: „Und dazu gehört natürlich auch Dortmund.“

Tische für Rollstuhlfahrer viel zu hoch

Eine weitere Personengruppe kann nicht nur Positives über den Weihnachtsmarkt berichten: Menschen mit Behinderung. Michael Kalthoff-Mahnke, beim Verein „Mobile - selbstbestimmtes Leben Behinderter“ für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, kennt die Probleme seiner behinderten Kollegen bei solchen Massenveranstaltungen.

„Für jemanden im Rollstuhl, aber auch für Menschen mit Kinderwagen oder Rollator, ist es generell schwierig, da durchzukommen.“ Außerdem seien Bistrotische oder Theken für Rollstuhlfahrer zu hoch und die Überfahrbrücken, unter denen Kabel verlaufen, teilweise ein Hindernis, sagt Kalthoff-Mahnke: „Da fällt das Manövrieren schwer.“

Eine Vereinskollegin habe deshalb schon ihre Konsequenzen gezogen: „Sie meidet den Weihnachtsmarkt.“

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