Das steckt hinter dem Projekt "Willkommen im Fußball"

Diskussionsrunde in Dortmund

Im deutschen Fußball ist Integration kein Fremdwort. Wie wichtig der Mannschaftssport für das Zusammenleben ist, zeigt das bundesweite Projekt "Willkommen im Fußball". Jugendtrainer aus Dortmund trainieren auf dem Platz nicht nur Taktik und Technik. Dazu gab es am Freitag eine Diskussionsrunde in Dortmund - und Lob von höchster Stelle.

DORTMUND

, 07.10.2016, 16:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Statt Ordner sicherten Beamte des Bundeskriminalamtes das Gelände des TSC Eintracht in Dortmund. Denn als Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung war am Freitagvormittag (7.10.) Daniela Schadt aus Berlin nach Dortmund gereist, um mit dem Präsidenten der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Dr. Reinhard Rauball, und vielen andere Gästen über die Integrationskraft des Mannschaftssports zu sprechen. Mit dem vor einem Jahr gegründeten Projekt "Willkommen im Fußball" unterstützt die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung die Integration von jungen Flüchtlingen durch Fußball.

Lokale Partner in Dortmund sind ...

Drei Institutionen fördern das Projekt:

  • die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
  • die Bundesliga-Stiftung
  • die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Willkommen im Fußball: Integration ist auf'm Platz

Das Projekt "Willkommen im Fußball" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung schafft in 21 Städten Integration durch Sport. Schirmherrin Daniela Schadt besuchte den TSC Eintracht in Dortmund, um mit der "Leuchte auf"-Stiftung des BVB, dem Projekt "Angekommen in der deiner Stadt" und der deutschen Liga-Stiftung über den Wert des Mannschaftssports zu sprechen.
07.10.2016
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Zwei, die Integration vom Scheitel bis zu den Stollen leben: Die Jugendtrainer Marvin Mainoo-Boakye (BVB) und Mats Kieserling (TSC Eintracht).© Foto: Peter Bandermann
Daniela Schadt in einer Sporthalle des TSC Eintracht in Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
Daniela Schadt über das Projekt "Willkommen im Fußbal": "Das Modell ist zukunftsweisend. An diesem Beispiel können wir lernen, wie Ehrenamt und Offizielle zusammenarbeiten können."© Foto: Peter Bandermann
Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball im Gespräch mit Daniela Schadt.© Foto: Peter Bandermann
Deutschlehrer Friedel Knoch (links) engagiert sich ebenfalls in dem Projekt: Er ist einer von 30 Lehrern, die Sprache unterrichten.© Foto: Peter Bandermann
Daniela Schadt begrüßt als Schirmherrin des Projekt "Willkommen im Fußball" junge Dortmunder Fußballspieler, die als Flüchtlinge auch über den Sport den Weg in die Gesellschaft vertiefen.© Foto: Peter Bandermann
DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball: "Man darf Fußball nicht nur auf Millionäre in kurzen Hosen reduzieren. Fußball ist Integration."© Foto: Peter Bandermann
Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball (links), der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Hoffmann (2. von links) und der Präsident der Liga-Stiftung, Stefan Kiefer.© Foto: Peter Bandermann
Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball begrüßt junge Fußballer.© Foto: Peter Bandermann
Zuschauer beim Termin "Willkommen im Fußball" - ein Projekt in 21 deutschen Städten.© Foto: Peter Bandermann
In mehreren Gesprächsrunden informierten die Gäste über Fußball und Integration.© Foto: Peter Bandermann
Gespräch in einer Sporthalle ds TSC Eintracht über Fußball und Integration.© Foto: Peter Bandermann
Zuschauer beim Termin "Willkommen im Fußball".© Foto: Peter Bandermann
Über eine Stunde dauerte das sehr intensive Gespräch über die Integrationskraft von Mannschaftssport.© Foto: Peter Bandermann
Zuschauer beim "Willkommen im Fußball"-Termin in Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
Zuschauer beim TSC Eintracht in Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
Zuschauer beim Termin des TSC Eintracht in Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
Zuschauer beim Termin beim TSC Eintracht in Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
Doppelpass für die Integration: Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball im Gespräch mit Daniela Schadt, die für das Projekt "Willkommen im Fußball" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung die Schirmherrschaft übernommen hat - die Integration ist für die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck ein wichtiges Thema.© Foto: Peter Bandermann
Der TSC-Eintracht-Vorsitzende Dr. Alexander Kiel sagte in der Gesprächsrunde, dass sehr viele Dortmunder Sportvereine wichtige Beiträge zur Integration leisten.© Foto: Peter Bandermann
BVB-Jugendtrainer Marvin Mainoo-Boakye im Gespräch mit Moderator Kay Bandermann.© Foto: Peter Bandermann
BVB-Jugendtrainer Marvin Mainoo-Boakye war einer der Gesprächspartner von Daniela Schadt.© Foto: Peter Bandermann
Ausgezeichnet: Die Geschäftsfüherin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Heike Kahl (rechts) und Daniela Schadt (3. von rechts) sowie Stefan Kiefer (links) von der Liga-Stiftung dankten Carsten Cramer von der "Leuchte auf"-Stiftung (3. von links) und Wolfgang Euteneur (2. von links, Projekt "angekommen in deiner Stadt Dortmund")© Foto: Peter Bandermann
Das Fußballprojekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gibt es bereits in 21 deutschen Städten.© Foto: Peter Bandermann
Internationales Teamfoto, wie das normal ist im deutschen Fußball: Daniela Schadt und Dr. Reinhard Rauball betonten bei dem Termin in Dortmund, wie wichtig der Mannschaftsport für die Integration ist.© Foto: Peter Bandermann
BVB-U15-Trainer Marvin Mainoo-Boakye (links) ist stolz auf seine Trainigs-Teams, die nicht nur auf dem Platz große Fortschritte erzielen. Marvin baut Sprache und Rechenaufgaben in seine Trainigspläne ein.© Foto: Peter Bandermann
DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball und Daniela Schadt waren beim Termin auf dem Platz des TSC Eintracht für Gruppenfotos gefragt.© Foto: Peter Bandermann
Für die Integration am Ball: DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball und Daniela Schadt.© Foto: Peter Bandermann
Daniela Schadt im Gespräch mit TSC-Eintracht-Trainer Mats Kieserling. Der Sportstudent trainiert geflüchtete Jugendliche.© Foto: Peter Bandermann

Ein Jahr nach dem Start des Projekts "Willkommen im Fußball" zogen Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, und DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball mit dem TSC-Eintracht-Vorsitzenden Dr. Alexander Kiel eine Dortmunder Bilanz. Seit November 2015 spielen 17- bis 20-jährige Flüchtlinge immer mittwochs auf einem Platz des TSC Eintracht Fußball. Die BVB-Fußballschule und der TSC Eintracht trainieren die 20 bis 25 Spieler, die allesamt als Flüchtlinge nach Dortmund gekommen sind.

Sprache und Rechenaufgaben beim Training

Trainer sind auch Marvin Mainoo-Boakye (BVB) und Mats Kieserling (TSC Eintracht). Im Training mit ihnen geht es nicht nur um Taktik und Technik, sondern auch um Sprache und Rechenaufgaben: Sie bauen die Fußballsprache in den Trainingsplan ein und verfestigen, was die jungen Geflüchteten bei insgesamt 30 Deutschlehrern in Dortmund lernen. "Wir zocken nicht nur. Wir lernen auch was", sagt Marvin Mainoo-Boakye. Zu diesen Deutschlehrern zählt auch Friedel Knoch: "Auch bei uns im Unterricht steht die Grammatik zunächst nicht im Vordergrund. Wir arbeiten viel mit der Fußballsprache und sie gehen in Alltagssituationen über. Die Grammatik vertiefen wir später."

Dr. Reinhard Rauball und Daniela Schadt hörten genau zu und stellten über das Projekt "Willkommen im Fußball" fest:

  • Reinhard Rauball: "Wir dürfen Fußball nicht auf Millionäre in kurzen Hosen reduzieren. Fußball ist Integration. Das Schönste nach dem Spiel ist die dritte Halbzeit. Da muss man nicht über Integration reden - da wird die Integration gelebt."
  • Daniela Schadt: "Dieses Projekt ist zukunftsweisend auch für andere Bereiche. Wir können hier viel über die Zusammenarbeit von Ehrenamt und Offiziellen lernen. Im Mannschaftssport lernen wir Disziplin und wann wir uns einbringen und zurücknehmen müssen. Du lernst das Verlieren, und dass du beim nächsten Spiel ausgleichen kannst."

Wichtig ist nicht nur "auf'm Platz" - wichtig ist auch das Netzwerk, in dem das "Willkommen im Fußball"-Projekt arbeitet. Dortmunder Unternehmen bieten Praktika und Ausbildungsplätze sowie Bewerbungstrainings an. Die Jugendlichen besuchen BVB-Spiele und sind mit der Fan-Initiative schwatzgelb.de unterwegs - auf Turnieren müssen sie beweisen, dass sie auch sportlich am Ball sind. Daniela Schadt: "In diesem Projekt gibt es viele wichtige Bausteine. Das Geld ist der Mörtel zwischen den Steinen. Das hier ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie in einer Krisensituation die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Akteuren mit ihren jeweiligen Kompetenzen vorbildlich gelingen kann."

Weitere Zitate aus dem von Kay Bandermann moderierten Gespräch:

  • Dr. Alexander Kiel, Vorstand TSC Eintracht: "Mit über 7000 Mitgliedern unter dem Dach der Eintracht bieten wir schon seit langem Menschen mit vielen verschiedenen kulturellen Wurzeln eine sportliche Heimat. Das Projekt ist ein weiterer Baustein für die Integrationsarbeit vor Ort, für die wir, wie viele andere Sportvereine auch, ein verlässlicher Partner sind.“
  • Dr. Reinhard Rauball: "Der Fußball ist tief in unserer Gesellschaft verankert und genießt große Aufmerksamkeit. Fußball bringt Menschen unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Herkunft zusammen und kann so einen wertvollen Beitrag zur Integration leisten. Er ist, wie kaum ein anderes Medium, in der Lage Botschaften zu vermitteln."
  • Carsten Cramer, Vorstand BVB-Stiftung "Leuchte auf": "Borussia Dortmund ist gemeinsam mit starken Partnern aktiv den nächsten Schritt gegangen und sorgt über das Projekt Willkommen im Fußball für eine funktionierende Integration von jugendlichen Geflüchteten."
  • Wolfgang Euteneuer, Projekt "Angekommen in deiner Stadt": "Der Fußball in seiner einzigartigen Sprache ist der beste und schnellste Weg zur Integration."
  • Albi Lugajej (18), geflüchtet aus Albanien: "Dem Projekt verdanke ich, nun mit meinem Ausbildungsplatz als Bäcker in Deutschland bleiben zu können."
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