Viele Angehörige musste am Rande des Flughafen-Geländes auf die London-Rückkehrer warten. © Schaper
Corona-Pandemie

Das war knapp: Student aus Dortmund saß im letzten Flieger aus London

Die Rückreise nach dem Auslandssemester in Oxford war schon länger geplant, wurde aber plötzlich zum Abenteuer. Niels Maselli saß im letzten Flieger aus London, der in Dortmund landen durfte.

Im Zug von London zum Flughafen Stansted am Sonntagnachmittag wurde Niels Maselli plötzlich klar, dass es kein ganz normaler Rückflug werden würde. „Da habe ich gehört, dass auch Deutschland die Flüge aus England stoppen will“, berichtet der 21-jährige Student an der International School of Managment (ISM) in Dortmund.

Er sollte es gerade noch rechtzeitig schaffen. Denn sein Flug mit Ryan Air – geplante Ankunft 20.50 Uhr – war der letzte Flieger aus England, der noch in Dortmund landen durfte.

Sorgen um Virus-Mutation

Eine Mutation des Coronavirus, die sich vor allem im Süden Englands ausbreitet, hatte Europa aufgeschreckt. Zuerst hatten die Niederlande ein Flugverbot für Flüge aus England verkündet, das ab Sonntagmorgen galt. In Deutschland prüfe man noch, hieß es im Laufe des Tages.

Erst am frühen Sonntagabend kappte das Bundesverkehrsministerium dann ebenfalls die Flugverbindungen aus England ab Mitternacht – und rückte damit den Flug FR1788 von London nach Dortmund in den Blickpunkt. Denn er sollte einer der letzten Flüge sein, die noch in Deutschland landen durften – mit Niels Maselli an Bord, der als Student für Internationales Management seit Mitte September ein Auslandssemester in Oxford absolviert hatte.

Mit knapp 20 Minuten Verspätung hatte der Flieger in Stansted abgehoben. „Ich habe mich damit beruhigt, dass ja noch gut drei Stunden Zeit bis Mitternacht sind“, erzählt Niels Maselli.

Gemeinsam mit seiner Tochter Anna wartete Jörg Maselli am Sonntagabend am Dortmunder Flughafen auf die Rückkehr von Sohn Niels aus London.
Gemeinsam mit seiner Tochter Anna wartete Jörg Maselli am Sonntagabend am Dortmunder Flughafen auf die Rückkehr von Sohn Niels aus London. © Schaper © Schaper

In Dortmund landete der Flieger mit 17 Minuten Verspätung um 21.07 Uhr – sehnlich erwartet von Vater Jörg Maselli und Tochter Anna, die am Rande des Flughafen-Geländes auf Sohn und Bruder ausharrten. Um 21 Uhr hatten sie im Autoradio gehört, dass die Ankunft wohl etwas komplizierter werden würde. „Da wurde von Corona-Tests für alle Passagiere berichtet“, erinnert sich Maselli.

In der Tat wurden die 109 Passagiere an Bord mit der Ankündigung begrüßt, sich gleich am Flughafen testen lassen zu können. Zuvor galt es, die eigenen Masken gegen ausgeteilte FFP2-Masken auszutauschen. In der Gepäckhalle des Flughafens wurden dann die Abstriche genommen. „Es war auch eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes für Fragen vor Ort“, berichtet Niels Maselli.

Auszeit bei der Familie in Haltern

Immerhin: Noch vor Mitternacht ging es für ihn mit Vater und Schwester auf die Heimfahrt – nicht in die WG in Dortmund, sondern ins Haus der Familie in Haltern. „Um Viertel nach 12 waren wir zuhause“, berichtet Jörg Maselli. Hier kann Niels die Weihnachtstage und den Jahreswechsel mit der angeordneten Quarantäne für die England-Heimkehrer verbinden.

Auch für Fernseh-Teams war Jörg Maselli am Sonntagabend am Flughafen ein gefragter Gesprächspartner. © Schaper © Schaper

Auf sein Testergebnis von Sonntagabend wartete Niels Maselli am Montagnachmittag noch. Allerdings relativ gelassen. Denn der Student hat die Covid-Erkrankung schon hinter sich.

Anfang Oktober hatte es seine WG in Oxford erwischt. Gut eine Woche hatte er mit den Symptomen zu kämpfen. „Der Geruchssinn ist jetzt noch nicht wieder voll da“, berichtet der 21-Jährige.

Bei der Familie ist die Erleichterung auf jeden Fall groß, dass Niels wieder sicher zuhause ist. Auch bei ihm selbst. Wenn er seine Rückreise nur einen Tag später gebucht hätte, säße er jetzt auf der Insel fest. „Weihnachten allein in der WG in Oxford, das wäre schon blöd gewesen“, stellt Niels Maselli fest.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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