Dr. Bernhard Schaaf leitet die Klinik für Pneumologie, Infektiologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum Dortmund. © Archiv
Coronavirus

Delta-Variante wird Fallzahlen in Dortmund im Juli wohl steigen lassen

Was bedeutet das Eintreffen der Delta-Variante für Dortmund? Dr. Bernhard Schaaf rechnet im Video-Interview mit einem Anstieg der Fallzahlen, sieht aber auch Chancen, eine vierte Welle zu vermeiden.

Die Delta-Variante des Coronavirus hat Dortmund erreicht. Am 11. Juni wurde die erste Infektion mit der Mutante nachgewiesen. Laut dem Bericht des Robert-Koch-Instituts zu Virusvarianten in Deutschland vom 16. Juni liegt der Anteil der Delta-Variante sogar bei 6 Prozent- und ist seit dem vermutlich noch gestiegen. Was bedeutet das Auftreten der ansteckenderen Variante in Dortmund?

„Bei der Alpha-Variante hat es ein paar Wochen gedauert“

Eine Einschätzung dazu gibt uns Dr. Bernhard Schaaf im Interview. Er ist Facharzt für Infektions- und Lungenkrankheiten am Klinikum Dortmund und beobachtet das Coronavirus genau. Er geht davon aus, dass die Delta-Variante im Juli zu einem Anstieg der Fallzahlen in Dortmund führen wird.

„Die Delta-Variante wird sich wahrscheinlich bei uns durchsetzen“, sagt Bernhard Schaaf. Sie habe eine noch bessere Fitness als die aktuell in Dortmund dominierende Alpha-Variante, könne sich also noch besser übertragen. „Bei der Alpha-Variante hat es ein paar Wochen gedauert.“ Aktuell verdoppele sich der Anteil der Delta-Variante deutschlandweit etwa jede Woche.

Vollständige Impfung schützt

Die gute Nachricht: „Delta ist kein Escape-Virus, das die Impfung umgehen kann.“ Wer also vollständig geimpft ist, ist auch gegen die neue Virus-Variante gut geschützt.

Anhand von Daten aus dem Vereinigten Königreich, wo die Delta-Variante bereits einen Großteil aller Corona-Fälle ausmacht, könne man einschätzen, dass eine Impfung auch dabei in 94 Prozent der Fälle einen Krankenhausaufenthalt verhindert. Im Vereinigten Königreich sind viele Menschen mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft. Auch der in Deutschland verbreitetste Impfstoff von Biontech soll nach aktueller Studienlage aber gut gegen die Delta-Variante schützen.

Besondere Vorsicht beim Sommerurlaub

Vorsicht walten lassen sollten die Dortmunderinnen und Dortmunder dennoch – vor allem diejenigen, die noch nicht vollständig geimpft sind. Das sind immerhin gut zwei Drittel der Bevölkerung.

„Wir haben aktuell den Vorteil, dass wir in Deutschland von einer viel niedrigeren Inzidenz starten als das Vereinigte Königreich. So können wir durch Vorsichtsmaßnahmen erreichen, dass hier die Inzidenz mit der Delta-Variante nicht innerhalb von vier Wochen wieder auf 100 ansteigt“, betont Dr. Bernhard Schaaf.

Dabei seien die Schulferien eine Hilfe. „Kinder werden sich nicht in der Schule anstecken.“ Vorsicht sei allerdings beim Sommerurlaub im Ausland geboten.

„Ich glaube schon, dass die Fälle Anfang Juli wieder steigen werden, ich hoffe aber, dass daraus keine richtige Welle wird, insbesondere weil ja die Impfungen weiter voranschreiten.“

Tatsächliche Verbreitung in Dortmund ist unklar

Wie viele Menschen in Dortmund die Delta-Variante bereits in sich tragen, ist nicht ganz klar. „Im Moment werden 10 Prozent aller Virusnachweise auf Varianten getestet“, erklärt Bernhard Schaaf. „Ich nehme an, die tatsächliche Verbreitung in Dortmund wird auch eher im Prozentbereich liegen: 2, 3 vielleicht auch 4 Prozent aller Neuinfektionen. Das wissen wir aber nicht genau“

Schnelltests, die viele Dortmunderinnen und Dortmunder aktuell häufiger machen, können dabei nur bedingt zur Aufklärung beitragen. Generell würden nicht-symptomatische Corona-Fälle in Schnelltests nicht immer entdeckt. „Ob das bei der Delta-Variante viel schlechter ist, ist unklar. Es wird aber spekuliert, dass es so ist.“ PCR-Tests seien hingegen auch bei der Delta-Variante der Goldstandard.

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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